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Akasol AG : Mit dem E-Bus an die Börse

Ausgelastet: Die Mitarbeiter der Darmstadt Akasol haben viel zu tun, denn die Auftragsbücher sind vor dem Börsengang gut gefüllt. Bild: Akasol GmbH

Das Darmstädter Unternehmen Akasol ist vor zehn Jahren aus einer Arbeitsgruppe von Studenten entstanden und setzt auf den Aufschwung des Elektroantriebs. Nun geht es an die Börse.

          Angefangen hat alles mit einem umweltfreundlichen Rennwagen. Das Auto wurde von Darmstädter Studenten konstruiert und ging mit Solarantrieb auf die Strecke. Die Studenten machten ihre Sache gut, denn: Das mit Sonnenkraft getriebene Mobil fuhr erfolgreich bei Meisterschaften mit. Die akademische Arbeitsgruppe dafür war 1990 an der Technischen Hochschule, wie die heutige Technische Universität Darmstadt damals hieß, eingerichtet worden und als Verein mit dem Namen „Akasol“ organisiert. Darin forschten und experimentierten Dozenten, Doktoranden und Studenten gemeinsam. Das ist 25 Jahre her. Aus der Arbeitsgruppe ist ein Unternehmen geworden: Im Jahr 2008 wurde die Akasol Engineering GmbH gegründet, die demnächst an die Börse geht.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Gründung fanden sich vor zehn Jahren drei Fachleute und ein Finanzier zusammen. Felix von Borck war Student der Technischen Universität und Mitarbeiter des Vereins, Björn Eberleh engagierte sich auch dort. Sven Schulz, Eigentümer der Schulz-Gruppe aus Ravensburg, kannte die beiden Techniker und damit den Verein Akasol. Schulz merkte: „Die Vereinsmitglieder verfügen über einen gigantischen Schatz an Knowhow“, wie der heutige Firmenchef von Akasol erzählt. So übernahm sein Familienunternehmen die Anschubfinanzierung für die Firma mit Sitz in Darmstadt, an der die Schulz Group heute mit 76 Prozent beteiligt ist. Als vierter Partner kam 2009 Stephen Raiser hinzu, der Erfahrung in der Autoindustrie von General Motors mitbrachte.

          Umweltfreundlicher Antrieb

          Mit Schatz meint Schulz allerdings keine fertigen Erfindungen. Denn der Verein war nicht kommerziell ausgerichtet und verfügte über keine Patente. Wertvoll war vielmehr die Erfahrung der Vereinsaktiven, die ganze Fahrzeuge einschließlich Getriebe und Elektronik konstruiert hatten, wie der Firmenchef sagt. So musste sich das Unternehmen Akasol seine Produkte erst selbst neu entwickeln. Es stellt keine Rennautos mit Solarzellen mehr her wie damals, sondern beschäftigt sich mit einem anderen umweltfreundlichen Antrieb: mit Batterien für elektrisch angetriebene Busse, Lastwagen und Schienenfahrzeuge.

          Offenbar erledigt das Unternehmen dies mit Erfolg. Auf 1,45 Milliarden Euro bis zum Jahr 2024 beziffert der Firmenchef den Stand der Aufträge, die nach seinen Worten von Herstellern wie Daimler, Bombardier, Rolls Royce Power Systems und anderen europäischen Produzenten stammen. Derzeit werden gut 110Mitarbeiter beschäftigt. Im vergangenen Jahr erzielte Akasol nach eigenen Angaben einen Umsatz von 14,5 Millionen Euro, für dieses Jahr wird ein Umsatz von 22 bis 24 Millionen Euro erwartet; in den nächsten vier bis fünf Jahren strebt die Gesellschaft einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro an.

          Sven Schulz, Firmenchef der Darmstädter Akasol, will mit seinem Betrieb der Rhein-Main-Region treu bleiben.

          Hauptgrund für dieses Wachstum ist laut Schulz ein Wandel des Bewusstseins. 1990, bei Gründung der Arbeitsgruppe an der Hochschule, sei ein Solarmobil noch Sciencefiction gewesen. Heute dächten die Menschen anders und erwarteten zunehmend, dass die Busse in Städten mit Strom statt mit Diesel fahren. Außerdem seien elektrisch angetriebene Fahrzeuge technisch so weit entwickelt, dass ihr Betrieb nicht mehr teurer sei als der Einsatz von Wagen mit Verbrennungsmotor. Um das Wachstum bewältigen zu können, will Schulz das Kapital für die nötigen Investitionen mit einem Börsengang beschaffen. Das Unternehmen werde dafür in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Notierung der Aktien sei im regulierten Markt der Frankfurter Börse, dem Prime Standard, vorgesehen. Es sei ein guter Zeitpunkt, an die Börse zu gehen, denn das Unternehmen arbeite seit drei Jahren profitabel, heißt es von Akasol.

          Das Unternehmen will seinen zweiten Standort in Langen im Landkreis Offenbach ausbauen, um Platz für hoch automatisierte Produktionsanlagen zu schaffen. Der bisherige Sitz an der Landwehrstraße in Darmstadt, die Wiege von Akasol, bleibt erhalten, sagt Schulz. Dort sind Entwicklung und Vertrieb angesiedelt, dort werden auch Prototypen hergestellt. Der Betrieb in Langen wurde im vergangenen Jahr eingerichtet, im Herbst dieses Jahres soll hier die Serienproduktion beginnen. Schulz zufolge können pro Jahr Batterien mit einem Volumen von zusammen 300 Megawattstunden produziert werden.

          Ausbau in der Rhein-Main-Region

          In den nächsten zwei Jahren sei eine Verdopplung der Produktionskapazität auf 600 Megawattstunden vorgesehen. „Das große Wachstum wird in Langen stattfinden“, sagt der Firmenchef. Allerdings werde nicht jeder Bestandteil der Batterien dort hergestellt, manches lasse man sich von anderen deutschen Unternehmen zuliefern. Auch im amerikanischen Michigan sei die Gründung eines Werks vorgesehen, um von dort Abnehmer in den Vereinigten Staaten beliefern zu können.

          Mit dem Ausbau des Standorts in Langen bleibt das Unternehmen dem Rhein-Main-Gebiet treu. Die Region bietet nach Ansicht von Schulz den Vorteil, dass viele Fachkräfte dort leben, für Forschung und Entwicklung wie für die Produktion. Die gute Verkehrsanbindung, besonders die Nähe zum Flughafen, komme dem Unternehmen im Wettbewerb ebenfalls zugute, denn Kunden aus Europa reisten oft nur für einen Tag an.

          Trotz der glänzenden Aussicht auf schnelles Wachstum und gute Geschäfte: Wie ein Stahlhersteller im 19. Jahrhundert, zum Beginn des Eisenbahnbaus, fühlt der Chef von Akasol sich nicht. Dafür bewege sich das Unternehmen zu sehr in einer Nische, sagt Schulz, denn es versorge keinen Massenmarkt, sondern stelle Spezialprodukte in überschaubaren Stückzahlen her.

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