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Veröffentlicht: 20.11.2016, 18:56 Uhr

„Islam verstehen“ im Fernsehen Programm gegen Extremismus

Es gibt viele Fragen an Muslime. Die Ahmadiyya-Gemeinde will auf sie antworten und produziert in Frankfurt die Sendung „Islam verstehen“. Die Zahl der Zuschauer wächst.

von Frederik Seeler, Frankfurt
© Marcus Kaufhold Sendungsbewusst: der Moderator Jerryullah Khan sowie die beiden Imame Laeeq Ahmad Munir und Ansar Bilal (von links)

Der Moderator hält die Hände vor sein Gesicht und senkt den Kopf. Die Kameramänner tun es ihm gleich und auch die beiden Theologen, die mit dem Moderator an einem Tisch sitzen. Im Hintergrund eine blaue Leinwand mit dem Bild einer Moschee und der Kaaba in Mekka. In zwei Minuten soll die Fernsehsendung beginnen. Aber erst wird gebetet.

„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen“, formen die Lippen des Moderators. Er trägt ein blaues Jackett, dazu den traditionellen Hut der Ahmadiyya-Muslime. Die Konturen seines Barts sind sauber rasiert, im Ohr ein Knopf, mit dem er Kontakt zur Regie hält.

„Ist Selbstmord im Islam erlaubt?“

Dann richtet er sich auf. „Noch 20 Sekunden bis Start!“, ruft der Regisseur über Funk. Das Hauptlicht im Studio geht aus. Nur noch die Lichtkegel der Schweinwerfer erhellen den Tisch des Moderators. Seine Hände umklammern die Kärtchen mit seinen Moderationstexten. Ein Tropfen Schweiß wandert über seine Stirn. Der Blick richtet sich auf die Kamera. Noch fünf, vier, drei, zwei ...

„Friede und Segen sei mit Ihnen, liebe Zuschauer“ sagt er. „Herzlich willkommen zu der Sendung ,Islam verstehen‘. Sie können wie immer jede Frage über den Islam stellen, die Ihnen auf dem Herzen liegt.“

„Islam verstehen“ ist eine Live-Sendung, die von Muslim Television Ahmadiyya (MTA) produziert wird. Ein Moderator, zwei Theologen sitzen in einem kleinen Studio im Norden von Frankfurt. Anrufer werden dazugeschaltet und können ihnen eine Stunde lang Fragen stellen und mitdiskutieren. Auch über Twitter, Facebook und Whatsapp. „Wir haben gerade eine Frage auf Twitter von der Nutzerin Jenny erhalten“, sagt der Moderator und richtet sich an den älteren Theologen. „Ist Selbstmord im Islam erlaubt?“

Mit Flüchtlingen über Balkan-Route

Der Mann überlegt kurz, fährt sich mit der Hand durch den Bart, dann sagt er leise: „Das Leben ist ein Geschenk Gottes.“ Und dann etwas lauter: „Nein, es ist nicht erlaubt.“ Die Frage hat einen aktuellen Anlass. Es ist derselbe Tag, an dem sich der Terrorverdächtige Jaber Albakr in seiner Gefängniszelle in der Justizvollzungsanstalt Leipzig erhängt hat. „An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die Vorbereitung eines Attentats genauso verboten ist wie der Selbstmord dieser Person“, sagt der Moderator. Der Theologe nickt. „Der Islam muss von Extremismus befreit werden“, sagt der andere. „Der Islam ist friedlich.“

Ganz Deutschland diskutiert an diesem Tag über die Gefahr, die von islamistischem Terror ausgeht. Aber kaum ein Muslim kommt zu Wort. Der Fernsehsender MTA will das ändern. „Es ist wichtig, dass wir Muslime uns aktiv an solchen Debatten beteiligen und eine Meinung dazu haben“, sagt der Studioleiter Salman Tyyab, ein 32 Jahre alter Deutschpakistaner. Er trägt einen eleganten Anzug, den Bart sauber getrimmt, freundliches Lächeln.

Internationale Sendergruppe

Früher hat er als Reporter bei Stern TV gearbeitet. Im September 2015 reiste er zusammen mit Flüchtlingen über die Balkan-Route und drehte darüber eine Reportage. Dann gab er seinen Posten auf, um bei MTA zu arbeiten. „Muslime werden in den Medien kaum repräsentiert, und wenn, dann negativ“, sagt er. „Wir wollen der erste deutsche Sender für Muslime sein.“

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