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Afrikanische Kulturtage : Wutbürger willkommen

Weltliteratur: Helon Habilas Roman „Öl auf Wasser“ hat in Deutschland glänzende Kritiken erhalten. Der nigerianische Autor lebt bei Washington, nun kommt er nach Frankfurt. Bild: INTERFOTO

Am nächsten Freitag beginnen in Frankfurt die „Afrikanischen Kulturtage“. Zu ihren Gästen zählt der nigerianische Autor Helon Habila. Ein Ferngespräch.

          Es ist die schlimmste Flussfahrt seit Joseph Conrads „Herz der Finsternis“. Der Niger verzweigt sich kurz vor seiner Mündung in unzählige Wasserläufe. Auf einem von ihnen dümpelt ein Boot mit zwei Reportern aus Port Harcourt, die nach der entführten Gattin eines britischen Ölmanagers suchen. Neben ihnen zwei Führer, um sie herum Rebellen im Kampf gegen Regierung und internationale Multis, Dörfer voller Toter, die Abgasfackeln der Ölquellen des Deltas, Ölschlamm an den Ufern, Ölschlieren auf dem Wasser, durch die ein menschlicher Arm am Boot vorübertreibt, „die Finger öffneten und schlossen sich zur Faust“. So höllisch geht es auf den ersten Seiten von Helon Habilas Roman „Öl auf Wasser“ zu, der auf Deutsch im vorigen Sommer, in Habilas Heimat Nigeria aber erst vor wenigen Wochen erschienen ist. Der 1967 geborene Schriftsteller gehört zu den Autoren, die am Freitag und Samstag Gast der „Afrikanischen Literaturtage“ in Frankfurt sind.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was „afrikanische Literatur“ bedeutet, überlegt am Telefon auch er. Habila spricht von einem Vorort von Washington aus, dort lehrt er an der George-Mason-Universität des Bundesstaats Virginia seit einigen Jahren kreatives Schreiben. Jedes afrikanische Land sei anders, sagt er, und besitze seine eigene Literatur, oft gebe es, der verschiedenen Sprachen wegen, mehrere Literaturen in ein und demselben Land. Trotzdem sieht er auch Gemeinsamkeiten. Viele Länder teilten dieselben Erfahrungen - Kolonialismus, ältere Traditionen, der Panafrikanismus, der während der Kolonialzeit entstand. „Viele Länder gingen zur selben Zeit durch dieselbe Phase.“ Am besten gefalle ihm daher die folgende Formulierung: „eine afrikanische Literatur in verschiedenen Sprachen“.

          Auf Englisch kann sich Habila am besten ausdrücken, sagt er.

          Er selbst schreibt auf Englisch, in der Sprache seiner Schulbildung und seiner Universitätsausbildung, in ihr könne er sich am besten ausdrücken. Bis 1995 studierte Habila englische Literatur an der Universität der Stadt Jos, danach lehrte er sie am Polytechnikum in Bauchi. 1999 ging er an die Küste, in die Millionenstadt Lagos. Als Feuilletonredakteur arbeitete er für die Zeitung „Vanguard“, die viertgrößte des Landes mit Millionen von Lesern. Er rezensierte Bücher, führte Interviews, berichtete über den Literaturbetrieb von Nigerias größter Verlagsstadt und redigierte die Texte seiner Reporter. Aber er hatte etwas anderes vor. „Ich war nach Lagos gegangen, um Schriftsteller zu werden.“ Schon an der Universität hatte er geschrieben, seine Kurzgeschichtensammlung „Prison Stories“ erschien im Jahr 2000.

          Zu dieser Zeit gab es in Nigeria kaum noch Niederlassungen internationaler Verlage, die unsichere politische Lage hatte sie vertrieben. Seit einigen Jahren, sagt Habila, gebe es dafür immer mehr kleine, unabhängige Verlage, gegründet von unternehmungslustigen Einheimischen, unter ihnen vier bis fünf mit exzellentem literarischen Ruf, „nicht groß, aber gut“. Und es würden immer mehr. „Denn es gibt einen Markt.“ Den gibt es tatsächlich: Nigeria hat mehr als 158 Millionen Einwohner, die nach Information, Unterhaltung, Bildung und politischen Debatten verlangen.

          Dabei, sagt Habila, seien Bücher teuer und oft nur in Universitäten und Büchereien erhältlich. Inzwischen würden sie in den großen Städten aber auch durch Buchhandlungen vertrieben, von denen ebenfalls ständig neue entstünden. Anderswo verkauften Händler Bücher am Straßenrand, auf Matten, die sie über die Erde gebreitet haben. „Aber das sind vor allem billige ausländische Bücher.“ Und noch ein anderer Vertriebsweg, vermutlich der wichtigste, komme hinzu: Bücher werden verliehen und geborgt. „Eine informelle Bücherei.“

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