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Veröffentlicht: 26.05.2013, 15:00 Uhr

AfD Wiesbaden Ein Tag mit Kampf und Ränkespiel

Schon bei der Gründung des Stadtverbands Wiesbaden der eurokritischen AfD hat es einen heftigen Zank um Posten gegeben. Die Ex-FDP-Frau Brigitte Pöpel ging leer aus, weil sie ihre AfD-Mitgliedschaft nicht beweisen konnte.

von , Wiesbaden
© dpa Das Logo der Euro-kritischen Partei „Alternative für Deutschland“.

Das Duell findet auf der offenen Bühne statt. 24 von 71 Wiesbadener Mitgliedern der „Alternative für Deutschland“ werden Zeugen, wie zwischen Brigitte Pöpel und Hans-Jörg Tangermann ein brisanter Konflikt ausgetragen wird. Beide sind in der Landeshauptstadt durch spektakuläre Konflikte bekannt geworden. Sie verband ihren Austritt aus der FDP mit dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit bei den Liberalen. Er schied zu Anfang des Jahres bei den Piraten aus. Die hatten ihn zunächst als Kandidaten für das Amt des Wiesbadener Oberbürgermeisters gekürt, aber kurz vor der Wahl nahmen sie ihn wieder aus dem Rennen, pikanterweise ohne sein Wissen.

Ewald Hetrodt Folgen:

An diesem Samstagmorgen, beim Gründungsparteitag für den Stadtverband Wiesbaden der AfD, geht es um die Frage, ob Pöpel überhaupt Mitglied der Partei ist. Nur dann hat sie nämlich die Chance, für das Sprecheramt zu kandidieren. Zwar ist die Sechsundvierzigjährige der Öffentlichkeit schon Anfang Mai auf dem Gründungsparteitag der Landespartei in Frankfurt offiziell vorgestellt worden, aber sie kann bis heute keine Mitgliedsnummer vorweisen.

Landtag Hessen © dpa Vergrößern Kehrte der FDP den Rücken: Der Abgeordnete Jochen Paulus sprach am 23. Mai zum ersten Mal als Fraktionsloser im Landtag in Wiesbaden, nachdem er zur AfD gewechselt war.

Das liege an dem schlechten Management der Partei, heißt es. Tatsächlich sind einige der Anwesenden nicht stimmberechtigt, weil sie ihre Mitgliedschaft nicht offiziell belegen können. Mehr als eine halbe Stunde lang wird gestritten. Dann kommt im Saal Unruhe auf. Schließlich legt sich der Versammlungsleiter fest. Pöpel bleibt für heute nur der Status als Gast. Damit ist für Tangermann der Weg frei. Ohne Gegenkandidaten wird er gewählt. Verloren hat aber nicht nur Pöpel, sondern auch der Landesvorstand. Denn der mag Tangermann nicht. Das lässt Eberhard von dem Bussche, einer der drei Sprecher des Landesvorstands, mit seinem Einsatz für Pöpel deutlich erkennen. Er schließt ausdrücklich nicht aus, dass er die Wahl anfechten werde.

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Am Rande der Versammlung beklagt der Frankfurter Vermögensverwalter, dass es im Landesverband „genau acht Querulanten“ gebe. „Entweder sie gliedern sich ein, oder wir müssen uns von ihnen trennen.“ Tangermann bestätigt den Konflikt. „Ja, wir streiten“, sagt er, „aber sachlich, intern, im Hintergrund.“ Tatsächlich aber finden die Ränkespiele keineswegs nur im Verborgenen statt. Wenn es etwas gibt, das die AfD von den etablierten Parteien unterscheidet, ist es die schonungslose Offenheit, mit der die zahlreichen persönlichen Konflikte ausgetragen werden. Insofern kann man sogar von Transparenz sprechen. „Wir wollen das Vorbild sein, das wir in der Politik so vermissen“, sagt Tangermann. Wie schwer das ist, zeigen die Gründungsrituale der Partei, auch in Wiesbaden.

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