http://www.faz.net/-gzg-79dw1

AfD Wiesbaden : Ein Tag mit Kampf und Ränkespiel

Das Logo der Euro-kritischen Partei „Alternative für Deutschland“. Bild: dpa

Schon bei der Gründung des Stadtverbands Wiesbaden der eurokritischen AfD hat es einen heftigen Zank um Posten gegeben. Die Ex-FDP-Frau Brigitte Pöpel ging leer aus, weil sie ihre AfD-Mitgliedschaft nicht beweisen konnte.

          Das Duell findet auf der offenen Bühne statt. 24 von 71 Wiesbadener Mitgliedern der „Alternative für Deutschland“ werden Zeugen, wie zwischen Brigitte Pöpel und Hans-Jörg Tangermann ein brisanter Konflikt ausgetragen wird. Beide sind in der Landeshauptstadt durch spektakuläre Konflikte bekannt geworden. Sie verband ihren Austritt aus der FDP mit dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit bei den Liberalen. Er schied zu Anfang des Jahres bei den Piraten aus. Die hatten ihn zunächst als Kandidaten für das Amt des Wiesbadener Oberbürgermeisters gekürt, aber kurz vor der Wahl nahmen sie ihn wieder aus dem Rennen, pikanterweise ohne sein Wissen.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          An diesem Samstagmorgen, beim Gründungsparteitag für den Stadtverband Wiesbaden der AfD, geht es um die Frage, ob Pöpel überhaupt Mitglied der Partei ist. Nur dann hat sie nämlich die Chance, für das Sprecheramt zu kandidieren. Zwar ist die Sechsundvierzigjährige der Öffentlichkeit schon Anfang Mai auf dem Gründungsparteitag der Landespartei in Frankfurt offiziell vorgestellt worden, aber sie kann bis heute keine Mitgliedsnummer vorweisen.

          Kehrte der FDP den Rücken: Der Abgeordnete Jochen Paulus sprach am 23. Mai zum ersten Mal als Fraktionsloser im Landtag in Wiesbaden, nachdem er zur AfD gewechselt war.
          Kehrte der FDP den Rücken: Der Abgeordnete Jochen Paulus sprach am 23. Mai zum ersten Mal als Fraktionsloser im Landtag in Wiesbaden, nachdem er zur AfD gewechselt war. : Bild: dpa

          Das liege an dem schlechten Management der Partei, heißt es. Tatsächlich sind einige der Anwesenden nicht stimmberechtigt, weil sie ihre Mitgliedschaft nicht offiziell belegen können. Mehr als eine halbe Stunde lang wird gestritten. Dann kommt im Saal Unruhe auf. Schließlich legt sich der Versammlungsleiter fest. Pöpel bleibt für heute nur der Status als Gast. Damit ist für Tangermann der Weg frei. Ohne Gegenkandidaten wird er gewählt. Verloren hat aber nicht nur Pöpel, sondern auch der Landesvorstand. Denn der mag Tangermann nicht. Das lässt Eberhard von dem Bussche, einer der drei Sprecher des Landesvorstands, mit seinem Einsatz für Pöpel deutlich erkennen. Er schließt ausdrücklich nicht aus, dass er die Wahl anfechten werde.

          Am Rande der Versammlung beklagt der Frankfurter Vermögensverwalter, dass es im Landesverband „genau acht Querulanten“ gebe. „Entweder sie gliedern sich ein, oder wir müssen uns von ihnen trennen.“ Tangermann bestätigt den Konflikt. „Ja, wir streiten“, sagt er, „aber sachlich, intern, im Hintergrund.“ Tatsächlich aber finden die Ränkespiele keineswegs nur im Verborgenen statt. Wenn es etwas gibt, das die AfD von den etablierten Parteien unterscheidet, ist es die schonungslose Offenheit, mit der die zahlreichen persönlichen Konflikte ausgetragen werden. Insofern kann man sogar von Transparenz sprechen. „Wir wollen das Vorbild sein, das wir in der Politik so vermissen“, sagt Tangermann. Wie schwer das ist, zeigen die Gründungsrituale der Partei, auch in Wiesbaden.

          Weitere Themen

          Ihr denkt alle zu moralisch

          Gabriels Antrittsvorlesung : Ihr denkt alle zu moralisch

          Sigmar Gabriel hat an der Universität Bonn die Antrittsvorlesung für seine Gastprofessur am Seminar für politische Wissenschaft gehalten. Er wünscht sich ein starkes Europa. Wie das zu bewerkstelligen sei, sagt er nicht.

          Topmeldungen

          Ted Cruz Anfang April auf einer Wahlkampfveranstaltung in Stafford, Texas: Geht der Stern des republikanischen Senators unter?

          Kongresswahlen in Amerika : Texanische Träume

          Für die Demokraten hat die Präsidentschaft von Donald Trump zumindest einen positiven Effekt: Ihre Basis ist so enthusiastisch wie selten zuvor. Nun hofft die Partei sogar im republikanischen Texas auf einen Erfolg bei den Kongresswahlen.

          Zum Tod von DJ Avicii : Tanzen bis zum Ende

          Er galt als der Posterboy der neuen Elektromusik, als Pionier und Außenseiter zugleich. Am Freitag starb der schwedische DJ Avicii im Oman. Die Schattenseiten seines Lebens kannten nur wenige.

          FAZ Plus Artikel: Welthandel : China spielt nach eigenen Regeln

          China hält sich zwar an die Regeln der WTO, verstößt aber gegen den Geist des Welthandels. Doch die Organisation traut sich nicht, öffentlich dagegen vorzugehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.