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Abschied der Oberbürgermeisterin Die zwei Körper der Petra Roth

 ·  Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth erlebt zum Ende ihrer Amtszeit unruhige Tage. Vor ihrem Haus demonstrieren Fluglärmgegner, auf dem Römerberg versammeln sich vor der offiziellen Verabschiedung die Reste der Blockupy-Bewegung.

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Die Frankfurter Oberbürgermeisterin erlebt unruhige Tage. Am Samstag haben Fluglärmgegner ihr Wohnhaus beschallt, heute wollen die Gegner des Airport-Ausbaus die Feier zu Roths offiziellem Abschied in der Paulskirche stören, angemeldet haben sich auch Chaoten des Schwarzen Blocks.

Beide Vorgänge zeugen von einer Entwicklung, die nicht nur Stilfragen aufwirft. Die deutsche Demokratie hat sich auch deshalb als stabil erwiesen, weil zwischen der privaten und der öffentlichen Person eines Amtsinhabers streng unterschieden wird. Die moderne Staatslehre hat sich die mittelalterliche Denkfigur von den zwei Körpern eines Königs anverwandelt; sie schützt den irdischen Leib und sorgt dafür, dass Aggressionen auf die politische Figur gelenkt werden.

„Königin Roth“ hat sich verrechnet

Mit der Beschallung von Privathäusern, die demnächst auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zu spüren bekommen soll, wird diese Trennung missachtet. Sicherlich hält sich die tatsächliche Belästigung im vorliegenden Fall in Grenzen, und doch handelt es sich um einen Tabubruch, der den Beruf des Politikers noch unattraktiver zu machen droht, als er es ohnehin schon ist. Das gilt umso mehr, als Roth darauf geachtet hat, Privates und Öffentliches voneinander zu trennen. Das zeichnet sie vor jenen Politikern aus, die mit bunten Geschichten aus ihrem Privatleben die eigene Popularität zu steigern suchen.

Eine Ausnahme ist allerdings zu nennen. Vor einem guten halben Jahr ließ die Oberbürgermeisterin die „Bild“-Zeitung in ihr Wohnzimmer, um jene Sitzgruppe zu fotografieren, auf der sie mit Boris Rhein und Uwe Becker bei einem Glas Wein ihre Nachfolge besprochen hatte. Die Aussageabsicht von „Königin Petra“ war deutlich. Sie wollte zeigen, dass ihr persönlicher Ratschluss über der Weisheit der CDU, der die Kandidatenkür eigentlich zugefallen wäre, stehe.

Roths unglückliche Äußerung zum Fluglärm

Im Wahlkampf spielte auch Roths unglückliche Äußerung, es gebe das demokratische Recht, vor dem Fluglärm wegzuziehen, eine gewisse Rolle. Mit dieser Bemerkung hatte das Stadtoberhaupt seinerseits ohne Not das Politische in das Privatleben von vielen Bürgern getragen. Der Wähler hat nicht zuletzt diese Selbstherrlichkeiten mit dem eindeutigen Votum für den Sozialdemokraten Peter Feldmann bestraft. Damit ist es aber auch gut; Roths Verdienste um die Stadt sind groß genug, um ihr einen ungestörten Abschied zu gönnen.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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