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Absage an BER Bender, Berlin und das Pflichtgefühl

Am Hauptstadtflughafen noch einmal zeigen, dass er „Flughafen kann“, wäre schon nach dem Geschmack des früheren Frankfurter Flughafenchefs gewesen. Am Ende waren ihm aber Familie und die Frankfurter Aufgaben wichtiger, wie er sagt.

© dpa Vergrößern Mittendrin: Frankfurts früherer Flughafenchef Wilhelm Bender beim ersten A380-Besuch im März 2007.

Es hat ihn schon gereizt - das ist zu spüren, wenn man mit Wilhelm Bender spricht. Insofern ist die Voraussage eines langjährigen Mitarbeiters des früheren Frankfurter Flughafenchefs, dieser werde die Aufgabe nun in Berlin am noch vor der Eröffnung schon havarierten Flughafen übernehmen, zwar nicht richtig, aber auch nicht abwegig gewesen.

Nachvollziehbar sind am Ende allerdings auch Benders Gründe, in Berlin zumindest nicht als verantwortlicher Geschäftsführer der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH in Aktion treten zu wollen, die er im Gespräch erläutert. Klar reize ihn eine solche Herausforderung, gibt er zu: „Ich denke aber, ich habe das jetzt richtig entschieden, gerade auch, was die Familie angeht und meine Aufgaben hier in Frankfurt“, hebt der 68 Jahre alte Vater erwachsener Kinder und einer kleinen Tochter hervor.

„Ich habe nur noch darauf gewartet, dass die Kanzlerin anruft“

Ob es nicht trotzdem eine interessante Herausforderung gewesen wäre? Noch einmal eine Gelegenheit, zu zeigen, „wie Flughafen richtig geht“? Bender lacht, stimmt zu, erläutert dann aber ganz nüchtern die Abwägung und seine Entscheidung: „Der Berliner Hauptstadtflughafen ist ein wahnsinnig schwieriges Thema. Es wäre in Berlin quasi ein 24-Stunden-Tag geworden. Ich habe mir aber in den vergangenen drei Jahren auch hier viele neue Dinge aufgebaut, die ich dann nicht hätte weiterführen können.“

Auch der Zuspruch von vielen Seiten, den Schritt nach Berlin zu wagen und dort eine Situation zu bereinigen, die mittlerweile tatsächlich auch international schon für Amusement und auch Kopfschütteln über die Deutschen und ihre Hauptstadt sorgt, konnte Bender deshalb letztlich nicht umstimmen: „Natürlich war da dann auch die Berliner Seite, wie etwa Hans-Olaf Henkel, der gewissermaßen an meinen Patriotismus appelliert und mich aufgefordert hat, den Posten zu übernehmen. Ich habe nur noch darauf gewartet, dass die Kanzlerin anruft“, sagt Bender. Aber auch der Zuspruch von Karlheinz Weimar (CDU), dem Fraport-Aufsichtsratsvorsitzenden, den Bender schon lange kennt, hat ihn nicht umstimmen können.

An sein Pflichtgefühl appelliert

Bender gehört gewiss nicht zu den Managern, die Assistenz bei Entscheidungen brauchen oder suchen. Bestärkt haben ihn die Stimmen aber womöglich schon, die ihn in Frankfurt halten wollten: „Es gab sehr viele Leute, die sagten: ,Mach das jetzt nur nicht - lass uns hier nicht im Stich.‘ Die haben also von der anderen Seite an mein Pflichtgefühl appelliert.“ Und als ob er die Berliner trösten wolle, fügt er hinzu, dass er in Berlin zur Verfügung stehe. Wenngleich er noch gemeinsam mit den Gesellschaftern entscheiden müsse, in welcher Funktion er das tue.

Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg © dpa Vergrößern Schlicht nicht funktionsfähig: der neue Hauptstadtflughafen in Berlin.

Es nicht das Ausmaß des Dilettantismus und der Fehlplanung, das ihn davon abgehalten hat, in Berlin noch einmal den Flughafenchef zu geben, wie er sagt. „Am Ende ist es keine Zauberei: Man muss intensiv in die Themen hineingehen - mit einem Stab, nicht als One-Man-Show. Man muss eine vollständige Bestandsaufnahme machen und anschließend die Prioritätenliste sauber abarbeiten.“ Dabei dürfte aber diese Liste noch länger sein als die der gleichermaßen desaströsen wie peinlichen Nachrichten seit Baubeginn in Berlin: So wurde beim ersten Spatenstich 2006 noch der 30. Oktober 2011 als Eröffnungstermin des Flughafens genannt, im Sommer 2010 ging eine maßgebliche Baufirma insolvent, die Eröffnung wurde um ein weiteres Jahr verschoben. Dann im Frühjahr vergangenen Jahres die Meldungen über eine nicht funktionsfähige Brandschutzanlage, worauf ein neuer späterer Eröffnungstermin genannt wurde, der August 2012. Später dann wieder eine Korrektur, der März dieses Jahres sollte es nun sein. Alsbald war dann vom 27. Oktober dieses Jahres die Rede. Seit sich der aus Frankfurt als technischer Geschäftsführer nach Berlin geholte Horst Amann allerdings einen genaueren Überblick verschafft hat, wird gar kein genaues Datum mehr genannt. Was Amann vorgefunden hat, hat offenbar alle Befürchtungen übertroffen.

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Dass sogar die Berliner Industrie- und Handelskammer über Medien wissen ließ, dass der Flughafen schon in der Planung unterdimensioniert gewesen sei und in wenigen Jahren an seine Kapazitätsgrenze geraten werde, findet Bender eher befremdlich. Bei der Frankfurter Kammer hätte es so eine öffentliche Kritik an einem Mitglied nicht gegeben, zeigt er sich sicher. Dass es eine „verfahrene Sache“ ist, sieht Bender wohl. Unlösbar sei die Aufgabe aber natürlich auch für andere nicht. Aus seiner Sicht geeignete Kandidat nennt er nicht, deutet aber einen ersten möglichen Schritt auf dem Weg zu einer Lösung an: „Es ist ja die Frage, wie die Aufgabe definiert wird, ob es erst einmal um die Inbetriebnahme eines Flughafens geht oder um den Betrieb eines Flughafens.“

Quelle: F.A.Z.

 
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