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Abkommen unterzeichnet Frankfurt soll Finanzplatz Moskau aufbauen helfen

 ·  Seit vier Jahren bemüht sich der Verein Frankfurt Main Finance um eine Kooperation mit Russland. Nach langem Hin und Her wird am Montag ein Abkommen unterzeichnet.

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Der Finanzplatz Frankfurt soll Moskau beim Aufstieg zu einem internationalen Finanzzentrum helfen. Nach zähem Hin und Her unterzeichnen Vertreter der Wirtschaftsministerien in Berlin und Moskau am montag nach Informationen dieser Zeitung ein sogenanntes Memorandum of Understanding. Die Partner wollen unter anderem den russischen Kapitalmarkt transparenter und berechenbarer machen, Ideen für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen in Moskau austauschen und wichtige Infrastrukturfaktoren ermitteln. Auch ein Finanzplatz-Index soll entwickelt werden.

Treibende Kraft hinter dem Abkommen sind der Verein Frankfurt Main Finance und das hessische Wirtschaftsministerium. Minister Dieter Posch (FDP) hofft, dass dadurch Akteure des Finanzplatzes Beratungsaufträge bekommen und Technologie verkaufen können. „Wir sehen von der Vertiefung der Zusammenarbeit der Zentralbanken und der Aufsicht bis zum Studentenaustausch und dem Technologieexport ein breites Feld, das vielversprechend zu bearbeiten ist“, sagt Posch. Sowohl die jeweiligen Experten der Frankfurter Banken als auch der Hochschulen, der Börse und des Frankfurter Instituts für Risikomanagement dürften dafür gefragt sein.

Russlands Bemühungen

Der Verein und das Ministerium hätten zu diesem Zweck schon eine Datenbank aufgebaut, in dem die wesentlichen Akteure des Finanzplatzes, ihre Zusammenhänge und Wertschöpfungsketten aufgelistet seien, damit die Moskauer Gegenparts schnell ihre jeweiligen Ansprechpartner finden könnten. Das Geldverdienen stehe dabei nicht im Fokus des Wirtschaftsministeriums, hieß es, die Konditionen müssten die jeweiligen Partner untereinander aushandeln. „Die Landesregierung ist aber überzeugt davon, dass die Zusammenarbeit auch in finanzieller Hinsicht für beide Seiten erfolgreich sein kann und wird“, sagt Posch.

Russland versucht seit einiger Zeit, seine Hauptstadt zu einem internationalen Finanzzentrum auszubauen. Ein Schritt in diese Richtung war die Fusion zweier Moskauer Börsen vor gut einem Jahr. Die Bestrebungen werden nicht von allen positiv gesehen. Vor allem die mangelnde Transparenz und die enge Verknüpfung vieler Banken mit der Politik gelten bisher als hinderlich für die russische Finanzindustrie auf dem Weltmarkt. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2011 noch davor gewarnt, in Moskau künstlich ein Finanzzentrum zu schaffen, ohne dass es dort eine ebenso gewichtige Realwirtschaft gebe. Daraus könnten Blasen entstehen. Kurz darauf stieg Ackermann aber selbst in den Beraterstab des russischen Präsidenten Dimitrij Medwedjew ein. Deutschlands größte Bank ist auch Mitglied bei Frankfurt Main Finance.

„Wesentliche Kontakte mussten neu geknüpft werden“

Vladislav Fedotov, der im russischen Wirtschaftsministerium für die Kooperation zuständig ist, sagte dieser Zeitung: „Es gibt eine Reihe verschiedener Bereiche, in denen wir auf das Knowhow aus Frankfurt bauen. Zum Beispiel die Etablierung eines eigenen Finanzplatz-Index oder die Beratung in Infrastruktur-Fragen.“ Auch er betonte die Bedeutung der „Corporate Governance“, also der guten Unternehmensführung. Dass die Kooperation trotz des Memorandums nicht ganz einfach wird, dafür spricht das zähe Ringen um Formulierungen und Zuständigkeiten vor der Unterzeichnung. Schon bei der Gründung des Finanzplatz-Vereins im Jahr 2008 hatten sich die beteiligten Akteure und der hessische Wirtschaftsminister die Kooperation mit Moskau zum Ziel gesetzt. Dass es bis zu einer Vereinbarung so lange gedauert hat, begründet Posch mit politischen und personellen Veränderungen in Moskau. „Auch wurden dort Zuständigkeiten neu geregelt, so dass wesentliche Kontakte neu geknüpft werden mussten.“

Hintergrund ist zum Beispiel die Absetzung des Moskauer Oberbürgermeisters Juri Luschkow im Sommer 2010, wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist. Auch die innenpolitischen Machtspiele von Medwedjew und Wladimir Putin vor der Präsidentenwahl in diesem Jahr sollen die Zusammenarbeit nicht erleichtert haben. Als die Deutsche Börse ihre geplante Fusion mit der New York Stock Exchange Euronext bekanntgab, hat das dem Vernehmen nach ebenfalls für Verstimmung in Moskau gesorgt.

„Wir versprechen uns eine dauerhafte Partnerschaft“

Posch sieht die Unterzeichnung nun als Erfolg auch für den Finanzplatzverein. „Es ist nach dieser Phase allen Beteiligten deutlich, dass die Partnerschaft zwischen Moskau und Frankfurt wirklich in aller Breite gewollt ist und dass daneben Frankfurt Main Finance nach nur drei Jahren international anerkannt und als Ansprechpartner gesucht ist.“

Auch Lutz Raettig, Präsidiumssprecher von Frankfurt Main Finance, zeigt sich zufrieden. „Wir versprechen uns eine dauerhafte Partnerschaft mit einem der wichtigsten Zukunftsmärkte, gelebt durch einen intensiven Austausch auf der Ebene aller Akteure des Finanzplatzes.“ Moskau sei eines der führenden Finanzzentren in der Region und habe das Potential, „auch international in die erste Finanzplatz-Liga aufzusteigen“. Schon Ende des Monats soll eine Delegation nach Moskau reisen, um weitere Schritte zu besprechen.

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