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Abenteuerurlaub : Mehr Selbsterfahrung als Entspannung

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Nicht alltäglich: Auf den Frankfurter Juristen Peter Nägele übt der Weg durch Wüsten (im Bild seine Tour durch die Wüste Gobi) eine besondere Faszination aus. Bild: Peter Nägele

Mancher vielbeschäftigte Unternehmer sucht im Urlaub das Extreme statt die Entspannung und will die eigenen Grenzen überwinden. Die Rückkehr ins Arbeitsleben fällt dann nicht immer leicht.

          Einfach einmal wieder ausspannen, das reicht manchen vielbeschäftigten Unternehmern oder Managern nicht, sie suchen im Urlaub den Kick. Rainer Ballwanz beispielsweise hatte noch nie auf Skiern gestanden, bevor er sich dazu entschloss, 300 Kilometer zum Südpol zu laufen. Kurz vor Weihnachten 2014 war es dann so weit, der Immobilien-Unternehmer machte sich auf den Weg, nach 18 Monaten ausgiebiger Vorbereitung.

          Die Suche nach dem Extremen

          Sonst widmet sich Ballwanz in der knappen Freizeit dem Motorsport, diesmal sollte es die Antarktis sein. Mit vier weiteren Teilnehmern kämpfte er sich zwei Wochen lang durch die Eiswüste, lief zehn Stunden am Tag gegen den ewigen Wind, die Kälte und die eigene Erschöpfung an. Auf die körperlichen Grenzerfahrungen sei er eingestellt gewesen, sagt er. Das, was er nicht trainieren konnte, sei die mentale Herausforderung gewesen: Die vielen Tage im Schnee ohne die geringste optische und akustische Impression. Laufen ohne Orientierungspunkte. „So etwas hatte ich vorher noch nie erfahren. Das war, wenn man aus unserer schnellen Welt kommt, ein plötzliches Herunterfahren auf null“, berichtet Ballwanz.

          Wie er, entscheiden sich heute immer mehr Männer und Frauen in mindestens zeitlich anspruchsvollen beruflichen Positionen, die knappe Freizeit eben nicht mehr nur am Strand zu verbringen, sondern auch mit der Suche nach Extremen. Das kann Stephanie Elingshausen, Inhaberin der Agentur C&M Travel Design im Frankfurter Westend, bestätigen: „Meine Kunden wünschen sich verstärkt Erlebnisse in ihrem Urlaub. Sie wollen mehr Inhalt als Verpackung.“

          Seit 24 Jahren veranstaltet Elingshausen weltweit exklusive Reisen für sehr anspruchsvolle Kunden, die entsprechend individuell betreut werden. Dabei müssen sie bei ihr nicht auf den gewohnten Luxus verzichten – sie können es aber. Erst kürzlich habe ein Vertreter der Finanzbranche für die gesamte Familie ein authentisches Reiseziel gesucht – ohne Touristen, ohne Luxus, dafür mit Kontakt zu Einheimischen. Elingshausen organisierte für ihn einen Urlaub im alten buddhistischen Königreich Ladakh im Himalaja. Dort lebte die Familie in einem dafür ausgebauten Lehm-Holzhaus mit Einheimischen zusammen, die sie wie Freunde empfingen. Schon zehn Minuten nach Ankunft spielten die Kinder mit den Jungen und Mädchen des Dorfes. „Die Familie brauchte mal eine Auszeit aus ihrem etablierten Umfeld. Sie kam sehr glücklich zurück“, sagt Elingshausen.

          Individuelle Reisen liegen im Trend

          Der Kreditkartenanbieter American Express berichtet Ähnliches von den Nutzern seiner Centurion Card, der exklusivsten Kreditkarte des Unternehmens, die für eine Jahresgebühr von 2000 Euro auch einen umfangreichen Reiseservice bietet: „Wir stellen fest, dass der Wunsch, beim Reisen Außergewöhnliches zu erleben, weiter zunimmt. Unsere Kunden suchen besondere Erfahrungen, oft erfüllen sie sich mit der Reise auch einen langgehegten Wunsch“, sagt Jürgen Maier, Director Travel and Lifestyle Service.

          Dass individuelle Reisen im Trend liegen, haben mittlerweile selbst die großen Reisekonzerne von Dertour bis Tui erkannt. Sie verfügen über eigene Tochtermarken, die Luxusreisen inklusive Privatausflügen anbieten. Auch American Express hat in diesem Jahr mit „Crafted Journeys“ ein neues Programm für die Centurion-Kunden aufgelegt, bei dem Reisen mit sportlichen Herausforderungen angeboten werden wie etwa eine Mountainbike-Tour über die Alpen, das Besteigen des Kilimandscharos oder eine Kanu-Tour auf dem Amazonas. Auch authentische Begegnungen wie die Reise zu einem japanischen Kalligraphie-Meister sind möglich.

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