Die Archäologie hat es nie leicht. Soll man Geld ausgeben für alten Krempel, fragt der Stammtisch. Die Investoren denken an die Zeitverzögerungen und die Zusatzkosten, die die Unterbrechung eines Bauprojekts wegen eines archäologischen Fundes nach sich ziehen. Und die Politik zeigt auch nicht immer das Verständnis, das die Ausgräber und Präsentatoren unserer Vergangenheit verdienen.
In Frankfurt, wo das Rad des Abrisses und Aufbaus schon immer schneller gedreht wurde als in anderen Städten, hat es die Archäologie besonders schwer gehabt. Die alte Römerstadt Nida etwa wurde zuletzt Ende der sechziger Jahre gnadenlos mit der Nordweststadt überbaut, mit den Relikten der Judengasse auf dem Börneplatz ist man Ende der achtziger Jahre nur deshalb nicht so verfahren, weil sich heftiger Protest in der Bevölkerung regte. Doch Frankfurt ist auch die Stadt, die sich seit 75Jahren ein eigenes Archäologisches Museum leistet.
Das Museum im Bombenkrieg
„Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte“ hieß die aus der archäologischen Abteilung des Historischen Museums hervorgegangene Institution damals, ihr erstes Domizil fand sie im alten Dominikanerkloster. Gründungsdirektor Karl Woelke, ein klassischer Archäologe, der sich allen Berichten zufolge nicht den Nationalsozialisten angebiedert hat, war gleichzeitig der staatliche Vertrauensmann für die Bodendenkmalpflege. Wenn bei Bauarbeiten Relikte aus der Vorzeit, der Römerzeit oder aus dem Mittelalter gefunden wurden, ward er gerufen. In erster Linie Ausgrabungen und die Einrichtung einer Dauerausstellung waren denn auch die Aufgaben dieses ersten Archäologischen Museums.
Der Bombenkrieg, der die Innenstadt in weiten Teilen zerstörte, machte auch vor dem Museum nicht halt: Das Haus wurde 1942 geschlossen, ein Teil der Bestände fiel den Verwüstungen anheim. Das Holzhausenschlösschen wurde von 1954 an Domizil des nun „Museum für Vor- und Frühgeschichte“ genannten Instituts, und Direktor Ulrich Fischer, ein prähistorischer Archäologe, richtete im barocken Wasserschloss eine Dauerausstellung ein. Die beiden folgenden Jahrzehnte waren für die Frankfurter Archäologie insofern eine gute Zeit, als dass bei Großgrabungen im römischen Nida sowie in der Altstadt derart reichhaltige Funde gemacht wurden, dass die Museumsdepots sie gar nicht mehr zu fassen vermochten. Das Museum selbst, durch enge Räumlichkeiten behindert, wirkte dagegen eher verstaubt.
Ausstellungstätigkeit ausgeweitet
Im Karmeliterkloster hat es Ende der achtziger Jahre schließlich einen würdigen Platz gefunden. Der Architekt Josef Paul Kleihues baute zwischen 1984 und 1988 das gotische Gotteshaus wieder auf und schuf südlich davon einen neuen Flügel, in dem die Museumsverwaltung unter ihrem damaligen Direktor Walter Meier-Arendt mitsamt der Technik einzog. Ein Haus gewonnen, eine Abteilung verloren, lautete die Bilanz. Denn 1990 wurde die Bodendenkmalpflege in das neu geschaffenes, dem Planungsdezernat zugeordnete Denkmalamt ausgegliedert. Seither wird nicht mehr der Museumsdirektor gerufen, wenn auf einer Baustelle ein Faustkeil oder römische Scherben entdeckt werden, sondern die Leiterin des Denkmalamtes.
Dafür hat das Museum seine Ausstellungstätigkeit ausgeweitet. „Gold aus Irland“, hieß die erste Sonderausstellung im Jahr 1981. Mehr als 80 solcher Zusatzpräsentationen, die die Sonderausstellung temporär ergänzen, hat das Archäologische Museum, wie die Institution seit 2002 heißt, auf die Beine gestellt. Der neue Name kam mit dem neuen Direktor Egon Wamers, einem auf das Frühmittelalter spezialisierten Archäologen. Er ließ nicht nur die Dauerausstellung neu gestalten, sondern auch das Lapidarium im Kreuzgang des Karmeliterklosters, das unter anderem römische Steindenkmäler zeigt.
Forschungsstätte und Museum
Frankfurt hat eine reichhaltige Vergangenheit, die sich in faszinierenden Objekten ablesen lässt, die hier gefunden wurden. Diese Zeitung stellt seit vielen Wochen in der Serie „Frankfurt unterirdisch“ die interessantesten Funde vor. Allerdings beschränkt das Archäologische Museum sich nicht auf heimatliche Relikte. Vielmehr bewahrt und präsentiert es auch umfangreiche Sammlungen der klassischen Antike des Mittelmeerraums und der Archäologie des Alten Orients.
Wamers Haus versteht sich als Forschungsstätte und als Museum, das über die Stadtgrenzen hinausblicken in die weite Welt. Dies ist auch gestern beim Festakt zum 75.Geburtstag deutlich geworden. Mit Patrick Wallace, dem früheren Direktor des Nationalmuseums von Irland und Patrick Périn, dem einstigen Chef des Musée d‘Archéologie nationale in Saint-Germaine-en-Laye erwiesen zwei international angesehene Archäologen dem Frankfurter Museum in ihren Festvorträgen ihre Referenz.