16.02.2012 · Der Automobilkonzern General Motors (GM) hat in Europa 2011 rund 575 Millionen Euro Verlust gemacht. Das hat das Unternehmen am Donnerstag in Detroit mitgeteilt.
Von Hanns Mattes, RüsselsheimDer Automobilkonzern General Motors (GM) hat in Europa 2011 rund 575 Millionen Euro Verlust gemacht. Das hat das Unternehmen am Donnerstag in Detroit mitgeteilt. Damit lag das Ergebnis im Europageschäft, das in der Hauptsache von den Marken Opel und Vauxhall getragen wird, um rund eine Milliarden Euro geringer als noch 2010. Eingerechnet in diesen Verlust, der vor allem im vierten Quartal angefallen ist, seien Restrukturierungskosten in Höhe von rund 154Millionen Euro, teilte der Konzern weiter mit.
In der von General Motors gestern verbreiteten Mitteilung wird GM-Vizepräsident Dan Ammann mit den Hinweis zitiert, man wolle im laufenden Jahr auch das Geschäft in Südamerika und Europa wieder profitabel machen. Dabei habe man noch Arbeit vor sich, mache aber gute Fortschritte. Seiner Darstellung nach müssen die Gewinnmargen in Europa erhöht werden.
Der Betriebsratsvorsitzende von Opel, Wolfgang Schäfer-Klug, verwies in seiner Stellungnahme darauf, dass Opel sein Ergebnis verglichen mit dem Vorjahr deutlich verbessert habe. Ähnlich wie Ammann schreibt aber auch Schäfer-Klug, dass Belegschaft und Management weiter an einer Verbesserung des Ergebnisses arbeiten müssten. Nach einem Verweis auf bestehende Vereinbarungen, die unter anderem betriebsbedingte Kündigungen bis 2014 ausschließen, nennt Schäfer-Klug unter anderem die Material- und Produktkosten, die bei Opel weiter verringert werden müssten.
Ähnlich hatte sich schon wiederholt der Opel-Vorstandsvorsitzende Karl-Friedrich Stracke geäußert und darauf verwiesen, dass Opel mehr als bisher vom weltweiten Konzernverbund profitieren müsse. Zudem sprach sich Schäfer-Klug abermals dafür aus, dass Opel Zugang zu weiteren Märkten erhalten müsse. In der weltweiten Konzernstrategie ist der Verkauf von Modellen des deutschen Tochterunternehmens limitiert. Unter anderem fehlt ein Zugang zum amerikanischen Markt, und auch in Ostasien spielt die deutsche Traditionsmarke in der GM-Strategie nur eine Nebenrolle.
Opel hat in den vergangenen Jahren, nachdem der Mutterkonzern in Insolvenz gegangen und zwischenzeitlich zu einem De-facto-Staatsunternehmen geworden war, schon ein drastisches Sparprogramm über sich ergehen lassen. Unter anderem war das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen worden. Bei weiteren Sparprogrammen werde man auch mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln, hatte Stracke im vergangenen Jahr angekündigt und darauf verwiesen, dass man beim Abschluss der Verträge mit der Belegschaft noch von anderen Eckdaten des Automobilmarkts ausgegangen sei. Neben dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ist auch vereinbart worden, dass bis 2014 keine Werke von Opel geschlossen werden.
Tatsächlich leidet Opel als Hersteller von Volumenmodellen, also Modellen, die in großer Zahl verkauft werden, an einem erbitterten Preiskampf auf dem insgesamt schrumpfenden europäischen Markt. Mit Volumenmodellen verdiene derzeit kein Automobilhersteller in Europa, sagte Stracke. Wegen der Konzentration der Opel-Produktpalette auf Kleinwagen und Modelle der unteren Mittelklasse trifft dies die Rüsselsheimer Autobauer besonders hart.
Keine Kommentare gab es gestern vom Unternehmen oder dem Betriebsrat zu in der vergangenen Woche aufgekommenen Gerüchten über eine Schließung des Opel-Werks in Bochum. Der Standort gilt verglichen mit den Werken in Rüsselsheim und Eisenach als weniger modern. Während der vergangenen Sparrunde waren 2010 rund 1400 Stellen dort gestrichen worden. Derzeit arbeiten rund 3200 Beschäftigte in dem Werk, laut Vereinbarung werden bis Ende 2013 noch einmal 300Stellen wegfallen. Dann soll die Getriebeproduktion in Bochum geschlossen werden. Montiert wird in der Fabrik derzeit das Modell „Zafira“.
Opel feiert in diesem Jahr die Gründung des Unternehmens vor 150 Jahren, als die Produktion von Nähmaschinen in Rüsselsheim aufgenommen wurde. Das erste Automobil wurde dort erst im Jahr 1899 hergestellt. 1929 wurde Opel als damals größter Automobilhersteller Deutschlands an den amerikanischen GM-Konzern verkauft.
Opels Probleme
Gerd Trampler (gerdtrampler)
- 18.02.2012, 08:57 Uhr
Wie kann das sein?
Marvin Parsons (mapar)
- 17.02.2012, 13:23 Uhr
GM wirtschaftet Opel gezielt zu Tode...
Hein Fietenbrink (HeinFiete)
- 17.02.2012, 12:31 Uhr
Hanns Mattes Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Groß-Gerau.
Jüngste Beiträge