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3. Fußball-Liga In Darmstadt wird Tacheles geredet

Die Fans des Darmstädter Drittligisten haben Angst vor dem Abstieg in die Regionalliga. Am „Tacheles-Abend“ forderten sie von den Verantwortlichen Erklärungen für die Krise des Vereins.

© picture-alliance/ dpa Die Ergebnisse stimmen nicht: „Lilien“-Trainer Jürgen Seeberger.

Das Motto hieß „Tacheles-Abend“ - und zwischendurch war es tatsächlich ein intensiver Diskurs. Die Fans des SV Darmstadt 98 wollten von den Verantwortlichen des Vereins, Spielern und Trainer wissen, warum man in die sportliche Krise gerutscht sei - und vor allem, wie man dort wieder herauskomme. Gut 100 Anhänger waren der Einladung der neugegründeten Fan- und Förderabteilung gefolgt und am Mittwoch in die Vereinsgaststätte „Lilienschänke“ gekommen.

Seeberger schob Schuld nicht auf seinen Vorgänger

Solche Treffen pendeln stets zwischen Folklore, Pseudoexpertise, Verbalattacken - aber auch solider Analyse. Dabei ging ein wenig unter, wie Trainer Jürgen Seeberger die jüngere Historie der Mannschaft beschrieb, in deren Folge er nun den Tabellenletzten der Dritten Liga betreut. Nur vier Wochen Saisonvorbereitung im Sommer, späte Neuverpflichtungen sowie eine offensiv ausgerichtete Mannschaft, die der Defensivexperte Seeberger jetzt „auf links drehen muss“, wie er es ausdrückte.

Und dann gab es ja noch die Muskelverletzung bei Mittelfeldspieler Benjamin Baier, deren Diagnose und Therapie konfuser verlief, als die Öffentlichkeit erfuhr. Seeberger unterließ es klugerweise, seinen Vorgänger Kosta Runjaic (inzwischen beim MSV Duisburg) für alles in Haftung zu nehmen. Auch auf die allenthalben diskutierte schlechte Stimmung zwischen ihm und der Mannschaft wollte der Trainer nicht eingehen. Wenig bekannt ist in diesem Zusammenhang, dass der bisherige Torwarttrainer Jan Hofmann die „Lilien“ verlassen hat und sich seitdem die Torhüter Jan Zimmermann und David Salfeld selbständig fit halten müssen.

Fans fürchten die Bedeutungslosigkeit des Vereins

Was der „Tacheles-Abend“ jedoch deutlich machte: Die Darmstädter Fans haben große Angst davor, dass der Verein wieder zurückfällt in die Bedeutungslosigkeit der Regionalliga. Der Anhang vermisst ein überzeugendes Krisenmanagement und dass die „Lilien“-Führung im zweiten Jahr der Drittligazugehörigkeit Signale für eine Weiterentwicklung des Traditionsklubs aussendet. „Es kommt nichts Kreatives von euch“, giftete ein Fan in Richtung Präsident Klaus-Rüdiger Fritsch. Der wiederum beklagte einmal mehr das mit 2,3 Millionen Euro schmale Budget für den Spielbetrieb, betonte aber, dass der Verein wirtschaftlich solide und geordnet sei. Die erste Tranche der Ablöse für Runjaic habe der MSV Duisburg überwiesen, „auf die zweite Hälfte warten wir noch“.

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Doch davon lässt sich kaum noch ein Fan mitreißen, das ewige Lamento von der leeren Kasse „wollen wir nicht mehr hören“, hieß es. Da stiftete Kapitän Jan Zimmermanns Versicherung schon etwas mehr Vertrauen: „Wir steigen nicht ab. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen.“ Die Mannschaft habe sehr wohl Drittligaformat. Der Offensivmann Preston Zimmerman gab aber zu, „dass wir alle Schiss haben. Wir wollen nicht absteigen.“

Es gab dann auch Trost von einem Fan, nämlich die Bestätigung, dass die Mannschaft vorigen Freitag beim 1:1 in Unterhaching gezeigt habe, „dass sie es drauf hat“. Mit diesem Wissen soll auch die Partie am Samstag gegen Babelsberg angegangen werden (14 Uhr, Stadion am Böllenfalltor). Dieser kernige Optimismus sorgte für kurzzeitige gute Laune. Gelohnt hat sich die Zusammenkunft auf jeden Fall - für die Kinderkrebsabteilung des Darmstädter Alice-Hospitals kamen rund 120 Euro Spendengelder zusammen.

Quelle: F.A.Z.

 
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