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Veröffentlicht: 19.05.2017, 16:04 Uhr

25 Jahre Feldpost Post und Bundeswehr befördern Heimatgefühle

In der Pfungstädter Kaserne ist die einzige Feldpostleitstelle untergebracht. Sie hält seit 25 Jahren Kontakt zu deutschen Soldaten im Ausland.

von , Pfungstadt
© Marcus Kaufhold Wo die gelbe Post olivgrün wird: Reservisten sortieren Päckchen auf Einsatzorte der Bundeswehr im Ausland.

Die Sache mit den 3000 Präservativen hat am Donnerstag nicht unerwähnt bleiben dürfen. Und so berichtete Heinz Jungnischke aus Augsburg, wie er 1992 als erster Feldpostler das Amt in Pnom Penh aufgebaut und betrieben hat. Im richtigen zivilen Leben war er Schalterbeamter und Ausbilder für Computer bei der damaligen Deutschen Bundespost, als beim UN-Einsatz der Bundeswehr im fernen Kambodscha die Versorgung der Truppe mit Briefen und Paketen aus der Heimat nicht funktionierte.

Werner Breunig Folgen:

Freiwillig leistete Jungnischke den Dienst als Reservist bei der Bundeswehr, freiwillig ging er zum Auslandseinsatz. Ausgelastet war er offenbar nicht immer als Postler und Soldat, übernahm er doch noch den Einkauf und Verkauf von Getränken. Und dann kam die Lieferung der Präservative. Da in der Poststelle jeder Soldat immer wieder mal vorbeikam, stand er schnell an der Verhüterli-Front. Grinsend berichtete er davon, wie die wenigen Kollegen der GSG 9 abräumten.

„Sprengstoff Feldpost“

25 Jahre ist es jetzt her, dass Bundeswehr und Bundespost die Kooperation eingingen, um den Soldaten, die an dem humanitären Einsatz teilnahmen, Kontakte mit der Heimat zu ermöglichen. Später gewann die Feldpost zunehmend an Bedeutung, als die Bundeswehr auf dem Balkan und in Afghanistan neue Aufgaben fand.

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Die Deutsche Post AG verwies am Donnerstag stolz auf 70 Millionen ein- und abgehende Briefe sowie auf 20 Millionen Pakete seit 1992 mit Höchstzahlen in der Vorweihnachtszeit. Allein im Jahr 2016 habe man 422.000 Briefe und 120.000 Pakete mit der Feldpost befördert.

Die Bundeswehrsoldaten wiederum berichteten von den Einsatzländern, vom Glück, ein Paket zu empfangen, mit Grüßen von der Familie, Keksen von der Großmutter, Kontakt zu Kindern, Frauen, Freundinnen. Es fehlte auch nicht der Hinweis auf das parfümbefeuchtete Tuch von der Geliebten zu Hause. Ein Soldat sprach am Donnerstag vom „Sprengstoff Feldpost“ und meinte damit, dass Moral und Stimmung in der Truppe sänken, wenn die Kontakte zur Heimat nicht gewährleistet seien.

Sendung per Inlandskondition

Umgekehrt legt der Postsoldat in Afghanistan eine Nachtschicht ein, wenn bei Dunkelheit ein Flieger aus Deutschland kommt. Da wollten die Kameraden schon am Morgen ihre Post abholen. Und mancher verziehe sich dann glücklich in eine Ecke, um ein Paket auszupacken, wurde am Donnerstag erzählt.

Die zentrale Feldpostleitstelle ist in einer Halle der Major-Karl-Plagge-Kaserne in Pfungstadt untergebracht. Von dort gehen die Sendungen an aktuell elf Feldpostämter im Kosovo, in Litauen, im Irak, in Afghanistan, der Türkei und in Mali. Briefe und Päckchen werden an die Abteilungen adressiert, mit der Postleitzahl „64298 Darmstadt“ versehen und zu Inlandskonditionen aufgegeben.

Nichts bleibt grundlos liegen

Die Darmstädter Anschrift stammt noch aus einer Zeit, als die Kaserne namentlich Darmstadt zugeschlagen wurde, weil dort der Beamten-Ortszuschlag höher war. Doch sie liegt in Pfungstadt an der Bergstraße. In der Halle verliert die Post ihre ginstergelbe Farbe und nimmt olivgrüne Töne an. Morgens bringt ein Fahrzeug vom Darmstädter Briefzentrum die Sendungen nach Pfungstadt, dort werden sie von den Post-Soldaten sortiert und in Kisten zu den Einsatzorten verteilt. Feldjäger durchleuchten in einer Ecke mit Röntgenstrahlen die Warensendungen. Pakete von Soldaten im Ausland durchlaufen erst einmal den Zoll in Speyer, bevor sie in das deutsche Postnetz eingeschleust werden.

46494818 © dpa Vergrößern Ab die Post: Die Feldpostleitstelle der Bundeswehr in Pfungstadt

Jeder Mitarbeiter in der Feldpost ist im Zivilleben Postler, hat sich freiwillig zu Reservistenmonaten gemeldet und blickt so, das war am Donnerstag das meistgenannte Motiv, über den Tellerrand. Als Postler sind er und sie – auch Frauen arbeiten in der Leitstelle – dem Briefgeheimnis verpflichtet. Und in den Einsatzländern wird die Post nur von den Post-Hauptberuflern bearbeitet, nie von Zeitsoldaten.

Die gut gesicherten Postkisten bringt die Bundeswehr mit Lastwagen und Flugzeugen in die Einsatzorte. Das kann dauern, zehn bis vierzehn Tage nach Mali oder Afghanistan. Alle Postler aber beteuern, dass die Sendungen von der Bundeswehr mit Priorität behandelt würden. Da bleibe nichts grundlos liegen. Die kleinen Mini-Postämter – in Mali anfangs ein Tisch und ein Stuhl im Sand, mittlerweile aber professionell im Container untergebracht – bieten den Soldaten ein volles Sortiment, einschließlich Girobank-Geschäft.

280 Feldpost-Soldaten

Digital lässt sich vieles übermitteln, doch an den Einsatzorten gibt es häufig auch Funkverbote und Stromunterbrechungen. Jede Abrechnung wird schriftlich fixiert, jeder Tagesabschluss ohne Computerhilfe festgehalten. Sicher ist sicher, gerade beim gefährlichen Auslandseinsatz. Die Zahl der Briefsendungen geht nicht nur generell zurück, auch bei der Feldpost ist dies bemerkbar. Dagegen wächst die Zahl der Paketsendungen, und der Online-Einkauf lässt auch das Paketaufkommen zu den Soldaten im Ausland steigen.

Die Feldpost füllt im Postkonzern und in der Bundeswehr nur eine kleine Nische und hat nicht viele Mitarbeiter: Aktuell sind laut Post AG rund 280 Feldpost-Soldaten im Einsatz. Seit 1992 seien es 5000 gewesen. In der Post gebe es einen Pool mit 500 Reservisten, Tendenz steigend. Weil es die Wehrpflicht nicht mehr gibt, wurde die Rekrutierung geändert. Jetzt wird Postlern, vor allem in Hammelburg, Bundeswehr-Wissen beigebracht, wenn sie sich für die Feldpost melden.

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Von Manfred Köhler

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