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20 Jahre Commerzbank-Turm : Hochhaus mit Charakter

Frankfurter Klassiker: Goethe-Denkmal und Commerzbank-Turm Bild: Wolfgang Eilmes

Das Dach Frankfurts befindet sich auf 259 Metern Höhe in der Zentrale der Commerzbank am Kaiserplatz. Nicht nur die schiere Größe des Gebäudes sorgte bei der Eröffnung vor zwanzig Jahren für Aufsehen.

          Ein Hochhaus ist nicht einfach nur ein Hochhaus. Es ist ein Gebäude mit einer eigenen Persönlichkeit, findet Peter Cachola Schmal. Doch das war nicht immer so, sagt der Direktor des Deutschen Architekturmuseums, insofern ist der 16. Mai 1997 für ihn ein besonderes Datum. Denn mit der Fertigstellung des Commerzbank- Hochhauses am Kaiserplatz vor zwanzig Jahren habe sich etwas verändert, „seitdem haben Hochhäuser einen eigenen Charakter“.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Beim Bau des bei seiner Eröffnung höchsten Gebäudes Europas, das mittlerweile von Hochhäusern in London und Moskau überragt wird und somit mit seinen 259 Metern nur noch das höchste des Landes ist, ging es nämlich primär nicht um Größe, berichtet Cachola Schmal. Es ging um Nachhaltigkeit, Architektur und technische Innovation.

          Gerippe: Der Commerzbank-Turm als Baustelle, abgelichtet im Februar 1996
          Gerippe: Der Commerzbank-Turm als Baustelle, abgelichtet im Februar 1996 : Bild: Rüchel, Dieter

          Dem Londoner Star-Architekten Sir Norman Foster sei „ein Meisterwerk“ gelungen, schrieb diese Zeitung zur Eröffnung des Hauses nach gut dreijähriger Bauzeit. Denn bis dahin galten die Türme Frankfurts als hermetisch abgeriegelte, seelenlose Monster, die sich hinter kühlen Glasfassaden verschanzten. Das neue Hochhaus sollte das verändern und soll sogar von den Grünen als „erstes ökologisches Hochhaus der Welt“ gefeiert worden sein. In der Tat steht es in Frankfurt bis heute als Symbol für einen ökologischen Bewusstseinswandel im Hochhausbau.

          Die Arbeitsplätze werden in dem Tower nicht klimatisiert, sondern natürlich belüftet, gekühlt und mit Tageslicht versorgt. Gemeinsam mit der wärmedämmenden Fassade gelang es auf diese Weise, den Energiebedarf gegenüber ähnlichen Gebäuden um rund ein Drittel zu verringern. Die Lobby des Hauses wurde von Beginn an für die Frankfurter geöffnet – zum Essen in der öffentlichen Kantine oder für Kulturveranstaltungen im Atrium.

          In dem als gleichseitiges Dreieck gestalteten Hochhaus sind Versorgungseinrichtungen, zum Beispiel Aufzüge, Schaltanlagen, Toiletten und Küchen, in den Eckpunkten des Dreiecks plaziert worden. Dazwischen bleiben drei jeweils 60 Meter lange Seiten: An zwei von ihnen liegen die Büros, die dritte gehört zu einem der viergeschossigen Himmelsgärten, die alle vier Etagen die Seite wechseln und sich bis in eine Höhe von 180 Metern spiralförmig nach oben drehen. Ihre Bepflanzung richtet sich nach der Himmelsrichtung und orientiert sich an der Fauna Südeuropas, Asiens und Nordamerikas. Um dem Turm eine stabile Basis zu geben und weil der Frankfurter Boden aus tiefreichendem Sand, Kies und Ton besteht, steht das Haus auf 111 Stahlbetonpfählen, die jeweils rund 50 Meter tief in die Erde reichen.

          Grünanlage: Blick ins Foyer des Commerzbank-Turms
          Grünanlage: Blick ins Foyer des Commerzbank-Turms : Bild: Wolfgang Eilmes

          Das 300 Millionen Euro teure Gebäude, das im Sommer in den Besitz der Samsung-Tochter SRA Asset Management übergeht, die das Haus aber wiederum für 15 Jahre an die Commerzbank vermietet hat, bietet auf einer Fläche von über 85 000 Quadratmetern über 62 Etagen rund 2800 Arbeitsplätze. Doch bei aller Nachhaltigkeit: Die Zahlen zeigen, dass die Lust der Bauherren am Auftrumpfen und Überbieten beim Bau des Hochhauses ebenso mitgespielt hat wie der Wunsch nach Prestige.

          Quelle: F.A.Z.

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