12.10.2007 · „Las Tapas“ hieß das Vorgängerlokal im Nordend, das zu den ersten gehörte, die spanischen Häppchen in Frankfurt unter die Leute brachten. Im „Torrox“ wird diese Tradition vorgeführt.
Von Peter BadenhopDiese kleinen grünen Dinger sind wirklich köstlich. „Pimientos fritos“, mäßig scharfe Paprika, kurz in Öl frittiert und mit grobem Meersalz bestreut. Dazu eine große Portion junger Manchego, frisch gebackenes Brot und der kräftige, aber doch frische Albarino von den Bodegas Valdamor: perfekt. 8,90 Euro für ein 0,2-Liter-Glas sind zwar nicht gerade wenig, aber dieser Wein aus dem galicischen Anbaugebiet Rias Baixas ist ein idealer Begleiter für die deftigen Kleinigkeiten der spanischen Küche. Sie haben hier auch andere, deutlich günstigere Tropfen im Angebot, doch wer den Valdamor Joven 2005 erst mal auf dem Tisch hat, kann nur schwer von ihm lassen.
Francisco Cortes Martin und sein Team agieren im „Torrox“ gewissermaßen auf historischem Boden. Denn an dieser unansehnlichen Ecke der Friedberger Landstraße, im Hochparterre eines Fünfziger-Jahre-Baus, werden praktisch seit Menschengedenken iberische Spezialitäten serviert. „Las Tapas“ hieß das fast schon legendäre Vorgängerlokal, das zu den ersten gehörte, die die spanischen Häppchen in Frankfurt unter die Leute brachten. Zum Ende hin war es merklich in die Jahre gekommen, nach grundlegender Renovierung ist davon im „Torrox“ nichts mehr zu spüren.
Offene Weine zum Probieren
Vor allem bei der Weinbestellung spürt man, dass hier guter Service zu Hause ist: Auch die offenen Weine gibt es - wenn gewünscht - zunächst zum Probieren, die Beratung ist gut, die Preise stimmen. Für Besonderes muss der Gast tiefer in die Tasche greifen, aber das ist bei den Speisen nicht anders: Eine „Plato Combinado“ mit verschiedenen kalten und warmen Tapas-Variationen (Serrano-Schinken, eingelegte Sardellen, gebratene Garnelen, Kartoffel-Tortilla, Hühnchenkroketten, flambierte Chorizo, würzige Hackbällchen) bietet für zwölf Euro einen empfehlenswerten Querschnitt. Doch wem es nach der Schinken-Spezialität Pata Negra verlangt, der muss für ein paar Scheiben gleich 12,50 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Allerdings schneidet der sehr freundliche und bemühte Kellner die unvergleichliche Köstlichkeit dafür auch in Sichtweite und von Hand aus einem großen Schinken, dem man seinen Wert auf den ersten Blick gar nicht ansieht.
Solche Kleinigkeiten heben das „Torrox“, das seinen Namen von einer Kleinstadt in der andalusischen Provinz Malaga hat, aus der Masse der Tapas-Lokale heraus. Die Lage ist nicht unbedingt die beste, Einrichtung und Atmosphäre sind rustikal und bodenständig, und das postmoderne Ambiente vieler vermeintlich angesagter Häppchen-Bars sucht man hier vergeblich. Stattdessen überzeugt Francisco Cortes Martin mit Understatement und einem Gespür für Qualität. Hier bekommen die Gäste keine Fertig-Tapas oder Convenience-Happen aufgetischt, hier wird richtig gekocht. Und das ist leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr.