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Nachtlokal Schrill, bunt, unterhaltsam

09.02.2006 ·  Alles ist bunt, üppig und auf geschmackvolle Weise geschmacklos. Männer in Frauenkleidern, Musik live und vom Band, Travestie, Persiflage, Parodie und derb-anzüglicher Humor - der „Germaniapalast“.

Von Ralf Euler
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Rote Kunstlederstühle, roter Teppich, blaue Tapete, an der Decke reflektieren Kristalleuchter das Licht einer Diskokugel und der vielfarbigen Scheinwerfer. Ringsum Spiegel, venezianische Masken, Clownfiguren, Statuen und Gemälde halbnackter Jünglinge und Jungfrauen, an der Decke ein Sternenhimmel. Hier, im Theaterraum des „Germaniapalasts“, sind Kitsch und Stilbruch Programm.

Alles ist bunt, üppig und auf geschmackvolle Weise geschmacklos. Auf der kleinen Bühne tanzen, singen und kalauern beleibte „Damen“ in schrillen, selbstgeschneiderten Kostümen vor maximal 60 Gästen im Zuschauerraum. Männer in Frauenkleidern, Musik live und vom Band, Travestie, Persiflage, Parodie und derb-anzüglicher Humor - zugegeben nicht jedermanns Geschmack, für Liebhaber aber ein Genuß.

In dem 170 Jahre alten Gebäude am Germaniaplatz befand sich bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Apfelweinkneipe „Zum Schwarzen Bock“, eine Bornheimer Institution. Dann wurde das Restaurant unter anderem Namen verpachtet, und 1989 entstand dort die Kleinkunstbühne „Frau Batz“, auf der bis November 2003 Nachwuchskünstler auftraten. Nach einer umfangreichen Renovierung eröffnete Claudia-Natalie Kovarik-Pauly dann vor zwei Jahren ihren „Germaniapalast“ als Mischung aus Variete-Theater, Kabarett, Bar und Restaurant, wobei letzteres nun wieder unter dem Namen „Zum Schwarzen Bock“ firmiert.

Betont locker und ungezwungen

Eine Etage über der Travestie-Bühne, im wohnzimmergroßen Restaurant wird den Gästen gehobene deutsch-italienisch-französische Küche geboten (Hauptgerichte zwischen 13 und 22 Euro). Der Service ist zwar nicht der schnellste, dafür aber betont locker und ungezwungen. Bei den preiswerten Gerichten liegt der Schwerpunkt auf Mediterranem; besonders zu empfehlen sind unter anderem das Lachsfilet auf Lauch, die geschmorte Lammhaxe oder die Piccata vom Seeteufel.

Daß sich unter den offenen Weinen auch Angebote aus dem Rheingau und Rheinhessen finden - mit ausführlicher Beschreibung auf der Karte -, freut den Lokalpatrioten besonders. Gast- und Theaterraum sind über eine Treppe miteinander verbunden, so daß sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für eine unterhaltsame Nacht bieten (die Show mit monatlich wechselndem Programm kostet extra, Beginn um 21 Uhr). Nach dem Bühnenerlebnis kann der Gast an der Bar noch mit den Travestiekünstlern plaudern - die dann ohne Frauenperücke und Abendkleid auftreten.

Restaurant „Zum Schwarzen Bock“ und Varietetheater „Germaniapalast“, Germaniastraße 47-49, Bornheim, Telefon 43 39 14, Reservierung 01 76 / 29 40 16 16. Geöffnet dienstags bis sonntags von 17 bis 3 Uhr, Küche bis 24 Uhr, Internet: www.germaniapalast.de

Quelle: F.A.Z., 10.02.2006
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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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