25.08.2005 · Bis vor einigen Monaten war es eine Adresse, die Gemüsehändler und andere Frühaufsteher gekannt haben und Anwohner aus den umliegenden Straßen. Jene, die mit dem Auto an dem scheußlich grünen Haus gegenüber ...
Bis vor einigen Monaten war es eine Adresse, die Gemüsehändler und andere Frühaufsteher gekannt haben und Anwohner aus den umliegenden Straßen. Jene, die mit dem Auto an dem scheußlich grünen Haus gegenüber der Großmarkthalle vorbeifuhren, werden registriert haben, daß es darin eine Kneipe gab, mehr nicht. Dann der Wechsel:schwarze Tafel mit weißer Kreideschrift an der Tür, als es warm wurde, Tische auf dem Trottoir und der gut sichtbare Schriftzug "Frankfurter Küche". Der alleine signalisiert, daß in eine frühere Allerweltspinte jetzt eines der Etablissements eingezogen ist, für das sich der Begriff Szenelokal eingebürgert hat, auch wenn die "Szene" heute so wenig eine homogene Gesellschaft ist wie gestern und vorgestern.
Der Name des Lokals nimmt Bezug auf die von der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den Zwanzigern entworfene Mutter der Einbauküchen und verweist gleichzeitig auf die Prägung der Speisekarte. Auch hat das Interieur mit dem hellen Boden, den dunkelgrünen Kachel-Bändern an einer Wand und den kugeligen Lampen etwas küchenartiges. Neben dem Eingang steht die Bar, gegenüber hängt ein Plasma-Bildschhirm, der sehr bemühte und zugleich lockere Service behält die Übersicht auch dann, wenn viel zu tun ist. Für das, was aus der tatsächlichen Küche kommt, kann er nichts, das müssen die am Herd verantworten: reichlich Vulgäres wie die mit Handkäs' überbackenen Kartoffeln, die unter die Kategorie fallen "Wer Hunger hat, ißt vieles", genauso wie die Grüne Soße, die eine viel bessere Wahl ist. Auch kann man schlicht und einfach nur Handkäs' bestellen und den Spessart-Apfelwein dazu trinken, das ist nicht das Schlechteste.
Haupt-Essenszeit ist abends bis gegen 22Uhr, danach werden auch Cocktails gut verkauft, manchmal bis in den frühen Morgen hinein, denn die Schlußzeit an diesem Ort, wo Lärm kaum jemanden stören wird, heißt "open end". Von mittwochs bis einschließlich samstags machen zu später Stunde Diskjockeys Barmusik, vielleicht ist an solchen Tagen die "Frankfurter Küche" ein bißchen glamouröser als an den anderen. JACQUELINE VOGT
"Frankfurter Küche", Hanauer Landstraße 86, Ostend, Telefon 43056878. Geöffnet montags bis freitags von 11.20 bis 14.20 Uhr und von 18 Uhr an, samstags und sonntags von 18Uhr an.