Home
http://www.faz.net/-gzv-oiwj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Großstädtischer Tausendsassa: "Real Kantine"

 ·  Wer seine Ruhe haben will, setzt sich am besten irgendwo hinten in die Ecke - oder sucht sich gleich ein anderes Lokal. Ruhe herrscht hier nämlich so gut wie nie. Schon gar nicht an den kleinen Zweier-Tischen, die im Halbrund an der großen Fensterfront aufgestellt sind.

Artikel Lesermeinungen (0)

Wer seine Ruhe haben will, setzt sich am besten irgendwo hinten in die Ecke - oder sucht sich gleich ein anderes Lokal. Ruhe herrscht hier nämlich so gut wie nie. Schon gar nicht an den kleinen Zweier-Tischen, die im Halbrund an der großen Fensterfront aufgestellt sind. Dicht an dicht sitzt man dort. Geheimnisse sollte man möglichst für sich behalten, denn der Tischnachbar sitzt nur ein paar Zentimeter entfernt. Dafür hat man einen guten Blick auf die Katharinenpforte und den Friedrich-Stoltze-Platz und sieht seine Verabredung schon von weitem kommen.

Die "Real Kantine" ist ein urbaner Tausendsassa, wie man ihn in jeder Großstadt, die diesen Titel auch nur halbwegs verdient, finden kann. Den ganzen Tag über ist der halbrunde Gastraum mit der dominanten Theke und der schon erwähnten Fensterfront beliebter Treffpunkt: Morgens kommen die Leute zum schnellen oder ausgiebigen Frühstück, später essen sie in der Mittagspause üppige Salate und allerlei Pasta-Gerichte, nachmittags trinken sie Espresso und Cappuccino - und abends nutzen viele die Bar als Sprungbrett in eine amüsante Nacht im "Bermuda-Dreieck" zwischen Katharinenkirche und Weißadlergasse. Mancher Szenegänger begibt sich nach einem ersten Drink eine Etage höher in die "Studio-Bar", andere treibt es ins nahe gelegene "Helium" oder in die anderen Gaststätten der Gegend: "Lux", "Cafe Karin", "Tequila", "Pilar" oder "Lounge". Was nicht heißen soll, daß in der "Real Kantine" frühzeitig die Lichter ausgehen - auch im Glaspavillon kann man bestens versacken.

So aufregend neu und frisch wie ehemals geht es an diesem Zipfel des "Bermuda-Dreiecks" allerdings schon lange nicht mehr zu. Die "Real Kantine" hat sich in den vergangenen sieben Jahren etabliert - und das merkt man der Bedienung (sehr aufmerksam, aber auch ein bißchen abgestumpft) ebenso wie dem Mobiliar (nicht mehr ganz neu) und dem Angebot von Küche und Bar (Standards, nichts als Standards) durchaus auch an. Ein kleiner "Relaunch" würde dem Ganzen sicher gut tun, vor allem die Köche könnten mal wieder ein paar neue Ideen entwickeln. Dabei müßten sie von ihrem Konzept, statt einer Endlos-Auswahl nur etwas mehr als ein Dutzend Gerichte anzubieten, gar nicht großartig abweichen. Aber immer nur Schafskäse-Spinat-Lasagne oder Salat mit Hühnchenbruststreifen in süßlich-scharfer Curry-Soße ist auf die Dauer doch einfach furchtbar langweilig. PETER BADENHOP

("Real Kantine", Katharinenpforte 6, Innenstadt, Telefon 29 20 34. Geöffnet montags bis samstags von 10 bis 1Uhr, sonntags geschlossen.)

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Geben und nehmen

Von Matthias Alexander

Wer immer nach der Landtagswahl im September Finanzminister wird, steht mit Blick auf den kommunalen Finanzausgleich vor einer undankbaren Aufgabe. Schon bis Ende 2015 muss ein neues Modell gefunden sein. Mehr 1