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Dem Untergang entgegen: das "Harveys"

 ·  Warum nur sieht keiner den schleichenden Verfall. Da ruiniert sich ein Lokal Stück für Stück selbst, und keiner hat offenbar den Mut, mal so richtig auf den Tisch zu hauen, vom Putz gar nicht zu reden.

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Warum nur sieht keiner den schleichenden Verfall. Da ruiniert sich ein Lokal Stück für Stück selbst, und keiner hat offenbar den Mut, mal so richtig auf den Tisch zu hauen, vom Putz gar nicht zu reden. So wird aus einem Frankfurter Liebling, einem Szene-Klassiker, langsam ein regelrechter "Flop". Im Sommer hatte zwar mal jemand einen Neuanfang gewagt. Nach inoffizieller Lesart soll eine gewisse Eva Santina Romero gesagt haben: "Ich würde es besser machen" - und schon hatte das "Harveys" eine neue Geschäftsführerin. Allerdings nur für einige Monate.

Tatsächlich hat sich sogar einiges zum Besseren gewandelt: Die Bedienungen zum Beispiel sind ungewohnt freundlich. Doch wer das alte "Harveys" kennt, wird sich davon nicht trösten lassen. Das blasierte Personal von einst nahm man in Kauf, es gehörte dazu, schließlich war der Rest damals noch einzigartig, geradezu eine Sensation: die Wandgemälde mit dem lasziv dahingestreckten Adonis, drum herum Putten und Siegesgöttinnen in all ihrer Pracht, dazu die Dekoration - Stoffe, Blumen, Kerzen. Wer reinkam, ging ins "Harveys".

Im Laufe der Jahre haben die Malereien keine Patina angesetzt, sie wirken, wie das ganze Lokal, einfach nur schmuddelig. Da hängen vergammelte Kabel an den Wänden runter, irgendwelche Stoffetzen von der Decke, und auf der Theke stehen traurige Pfingstrosen, die aus Plastik sein könnten. An die Wände wurden mehr schlecht als recht Aluminiumbänke gezimmert, auf denen keine Polster liegen, sondern unbequeme, ja schmerzhafte Holzbretter. Durch die Fenster zieht es kalt, die Karte, wenn man sie so bezeichnen will, ist ein eingeschweißtes, klebriges Stück gelbes Papier. Die Kerzen, soweit sie noch vorhanden sind, brennen nicht und werden auch nicht angezündet.

Die Cocktails, die in mindestens drei Dutzend Frankfurter Lokalen nicht schlechter zusammengemixt werden, kosten horrende 9,20Euro. Was eindeutig zu teuer ist, zumindest für das, was geboten wird. Mit "lieblos" läßt sich der Gesamtzustand noch freundlich beschreiben. Die Zeit ist wohl über das "Harveys" hinweggegangen - leider. Dafür spricht auch die Internetseite, auf der noch immer für das "Christmas Menue 2003"geworben wird.

PETER-PHILIPP SCHMITT

("Harveys", Bornheimer Landstraße 64, Nordend, Telefon 94944811, Internet www.harveys-frankfurt.de. Geöffnet täglich von 10 bis 1Uhr, freitags und samstags bis 2 Uhr.)

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