29.06.2007 · Vom Kokain hat sich Donatella Versace zwar nach eigenen Angaben und 18 Jahren Abhängigkeit losgesagt. Und sie sieht tatsächlich gesünder ...
Von Peter-Philipp SchmittVom Kokain hat sich Donatella Versace zwar nach eigenen Angaben und 18 Jahren Abhängigkeit losgesagt. Und sie sieht tatsächlich gesünder aus als noch vor einigen Jahren. Doch die italienische Modedesignerin will trotzdem keiner im Großformat sehen. Genauso wie die langbeinigen und viel zu dünnen Models, die für „Fashion TV“ wieder und wieder und Stunde um Stunde über die Laufstege in Mailand, Paris und New York staksen.
Unweigerlich fällt im „Oro“ der Blick auf die hübsch in Silber gerahmten Flachbildmonitore: Einer hängt – groß wie eine kleine Kinoleinwand – über der Bar, ein zweiter im hinteren Teil des kaum 100 Quadratmeter großen Lokals. Tagsüber, so erzählt Andreas Falk von der fürs „Oro“ zuständigen Coyote GmbH mit Sitz in Saarbrücken, werde „Bloomberg“ gezeigt.
Kombination aus Cocktaillounge und Eckkneipe
Finanznachrichten am Morgen, Mode am Abend: Das mag vielleicht zur Fressgass’ und dem dazugehörigen Publikum passen. Eine Bar indes müsste auf solcherlei „Unterhaltung“ verzichten können. Das „Oro“ könnte; der Neuanfang – eine Kombination aus edler Cocktaillounge und gemütlicher Eckkneipe – im einstigen „Pizza Hut“ ist gelungen. Dunkle Hölzer, ein warmer Rotton an der Wand, sanfter Jazz aus den Lautsprechern, der abends ein wenig grooviger wird, dazu ein überaus professionelles und sympathisches Team vor und hinter der Theke – was will man mehr. Auch die Getränkekarte ist dem Standort angemessen: eine Reihe gutgemixter Cocktails, das Glas für inzwischen übliche acht bis zwölf Euro, zudem eine Auswahl beachtenswerter Weine – aus dem Rheingau (Weingut Allendorf) genauso wie aus dem fernen Australien (Beresford Wines).
Das Konzept der Geschäftsführer Philipp Straßburger und Luca Basso im „Oro“-Ableger – das viermal so große Original ist in Saarbrücken zu bestaunen – ist alles in allem stimmig. Bleibt zu hoffen, dass sie demnächst nicht auch noch Fußballbundesliga zeigen. Dann lieber mehr Glamour, und sei es auch Frau Versace mit Models.
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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