Für grüne Soße, Handkäs' mit Musik und Frankfurter Würstchen kann sich Octavian Calist auch nach drei Monaten in der Mainmetropole nicht begeistern. Dann schon lieber eine Schüssel Haferbrei und Joghurt. Auch mit Ebbelwei kann man den überzeugten Antialkoholiker nicht locken.
Drei Monate lang hat der 36 Jahre alte Tansanier als Praktikant im hiesigen Zoo gearbeitet, um die Erwartungen der Besucher zu studieren. Denn nach seiner Rückkehr möchte er in Afrika ein Reiseunternehmen gründen, das die Wünsche deutscher Safaritouristen bestmöglich erfüllt. Dabei will er auf seine Erfahrung als Touristenführer am Kilimandscharo zurückgreifen. „In Tansania geht keiner in den Zoo“, sagt Calist. Schließlich liefen viele der Tiere, die in den Frankfurter Gehegen zu sehen seien, in seiner Heimat frei herum.
Als Teilnehmer des Fortbildungsprogramms „Trade Africa 2004/2005“, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Internationalen Weiterbildungs- und Entwicklungs GmbH sowie der Zentralstelle für Arbeit angeboten wird, kam der ausgebildete Zoologe schon im August vergangenen Jahres nach Deutschland. Im Internet war er zufällig auf das Förderungsprogramm gestoßen. Wenige Wochen später saß er im Bus in das 600 Kilometer entfernte Daressalam, um sich in der deutschen Botschaft vorzustellen. Warum die Kommission unter den vielen Bewerbern ausgerechnet ihn gewählt habe, sei ihm immer noch unerklärlich, sagt Calist. Doch im August 2004 stieg er mit 19weiteren Teilnehmern und klopfendem Herzen in ein Flugzeug nach Deutschland.
Calists erster Besuch in Europa begann mit einem Aids-Test und Benimmkursen zum Leben in Deutschland. Neben Marketing-Seminaren und Deutschunterricht in Saarbrücken, Dortmund und Köln gehört zum Programm ein dreimonatiges Praktikum. Eigentlich habe er gehofft, in einem Reisebüro mitarbeiten zu dürfen, doch für den Kontakt mit Kunden seien seine Deutschkenntnisse zu schlecht gewesen, so Calist. „Dann wollte ich in ein Unternehmen, das mit Tieren arbeitet.“ Der Frankfurter Zoo war schnell bereit, dem Tansanier Einblicke in die Werbe- und Marketingabteilung zu gewähren. „Durch die Reisen meines Vorgängers Bernhard Grzimek haben wir feste Bande mit Tansania“, sagt Zoodirektor Christian Schmidt. „Da helfen wir gerne.“
Nicht nur im Zoo hat Calist wertvolle Erfahrungen gesammelt. Auch auf der Internationalen Tourismusmesse in Berlin habe er viele hilfreiche Kontakte knüpfen können, sagte er. Zum Aufbau seines Safari-Unternehmens suche er aber noch finanzkräftige Hilfe, um einen Computer und Kindersitze kaufen zu können. Denn seine Safari-Touren sollen sich in erster Linie an Familien mit kleinen Kindern, Behinderte und Studenten richten.
Einmal im Monat ruft Calist seine Mutter am Kilimandscharo an, die mit seinen sechs jüngeren Brüdern und drei Schwestern sehnsüchtig auf ihn wartet. Manches Mal überkommt ihn dabei Heimweh. Denn anders als in Tansania lebten die Deutschen sehr zurückgezogen und seien Fremden gegenüber nicht sehr aufgeschlossen, sagt Calist. „In meiner Heimat interessieren sich die Menschen sehr für alles Fremde.“ Auf den Straßen in Tansania wimmele es von Menschen, man trage buntere Kleidung und nehme großen Anteil an anderen, sagt Calist und fügt lachend hinzu: „Und es wird viel mehr geküßt.“ Beeindruckt habe ihn aber die große Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit, mit der die Deutschen ihrer Arbeit nachgingen.
Mit dem Trade-Programm ist der Zoologe rundum zufrieden. „Ich bin sehr dankbar, daß mir diese Chance geboten wurde. Es wäre toll, wenn mehr Menschen davon profitieren könnten.“ Per E-Mail möchte er von Tansania aus mit den Zoo-Mitarbeitern in Kontakt bleiben. Doch bevor es am 30.Juli zurück an den Kilimandscharo geht, wird Calist nun noch Marketingkurse in Köln besuchen.

