15.12.2006 · Daß Wasser auf der Welt ein extrem wichtiges Thema ist, weiß Wulf Bentlage. Mit seinem jungen Unternehmen Geohumus International, das ein wasserspeicherndes Granulat herstellt, kommt er rasend schnell voran, vor allem auf der Arabischen Halbinsel.
Von Thorsten WinterBisweilen zahlt es sich aus, einen Chemiker in der Verwandtschaft zu haben. So wie im Fall von Wulf Bentlage. Der Schwiegervater seines Bruders experimentierte mit Superabsorber, dem zum Beispiel in Windeln verarbeiteten Stoff, der Flüssigkeit bindet. Aus den Tüfteleien im Labor folgten Patente, die der Forscher aber nicht verwertete. Bentlage hörte davon, übernahm die Patente und gründete eine Firma, die sich um diese Rechte kümmern sollte. Der Hauptantrieb: „Ich bin davon überzeugt, daß Wasser auf der Welt ein extrem wichtiges Thema ist - und im Gegensatz zu Öl nicht zu ersetzen.“
Doch rasch merkte er: „Wenn wir die Patente nur in die Schublade legen, passiert nichts.“ So bewarb sich Bentlage bei der Frankfurter Allessa-Chemie, auf deren Gelände früher Superabsorber hergestellt worden war, um eine Halle, um Geohumus zu produzieren - ein Granulat aus Superabsorber und Lavagesteinsmehl. Fast gleichzeitig hörte er vom Frankfurter Gründerpreis, den er mit seiner Geschäftsidee gleich gewann. Das alles ist gut ein Jahr her.
Granulat wird auf einer Plantage eingesetzt
Seitdem kommt Bentlage mit seinem jungen Unternehmen Geohumus International rasend schnell voran, vor allem auf der von Wassermangel geplagten Arabischen Halbinsel. So setzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten der Betreiber einer Dattelpalmen-Plantage das Granulat ein, das sich auch auf einem Golfplatz in Dubai wiederfindet.
Auch mit dem Agrarminister Saudi-Arabiens ist Bentlage in Kontakt. Dort herrscht anders als hierzulande die Notwendigkeit, mit Wasser hauszuhalten. Nach neuesten Prognosen werden die fossilen Grundwasserreserven Saudi-Arabiens, mit denen das Land gut vier Fünftel des Wasserbedarfs deckt, 2019 erschöpft sein, wie Bentlage sagt. Auf der Suche nach Hilfen schauen sich die Scheichs auch das Granulat aus Frankfurt an, das nach einer Studie der Uni Gießen das Dreißigfache seines Eigengewichts an Wasser speichern kann.
Gewinn des Deutschen Gründerpreises
Wenn der Unternehmer nicht gerade zwischen Frankfurt und dem Nahen Osten hin und her jettet, muß er eine Fülle von E-Mails sichten. Allein am Tag nach dem Gewinn des Deutschen Gründerpreises im September gingen rund 1200 elektronische Briefe bei ihm ein, wie er erzählt. Und täglich melden sich Unternehmen aus China, Indien oder der Türkei, die sich für Geohumus interessieren.
Das Geld für Geohumus zweigt Bentlage aus seinem bisherigen Hauptunternehmen ab: dem Branchenkompaß als Konkurrenz zu den Gelben Seiten, den er seit 1991 herausgibt. Auch zu diesem Job ist er über Umwege gekommen. Denn der 1963 geborene Bentlage, verheiratet und Vater einer Tochter, ist im Grunde Arzt, der mit einer Arbeit über das Kniegelenk promoviert worden ist. Auch hat er in einer Klinik gearbeitet, dort aber gemerkt: Das Hierarchiedenken unter den Krankenhausärzten behagt ihm nicht. So nahm er sich einen Bekannten aus Studienzeiten, der Branchenbücher in München verlegt und damit gutes Geld kassiert hatte, zum Vorbild. Daraus sind spannende Perspektiven erwachsen.