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Frankfurter Gesichter Wolfgang Gern

27.04.2007 ·  Gegensätzlicher hätte die Wahl kaum sein können: Südkorea oder Odenwald? Wolfgang Gern hätte eine Dozentur in Seoul haben können, wurde ...

Von Stefan Toepfer
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Gegensätzlicher hätte die Wahl kaum sein können: Südkorea oder Odenwald? Wolfgang Gern hätte eine Dozentur in Seoul haben können, wurde aber Pfarrer in Reichelsheim. Das ließ sich mit dem Leben als Familienvater, der er mittlerweile geworden war, leichter vereinbaren. 1990 war das, „ein Jahr der Weichenstellung“ für den heutigen Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau. In Korea zu arbeiten, wäre nicht allzu ungewöhnlich für den 1951 geborenen Theologen gewesen.

Als junger Mann war er für 13 Monate Flüchtlingshelfer in Laos und Kambodscha, später studierte er als Stipendiat des Ökumenischen Rats der Kirchen in Südindien. Dass er Flüchtlingshelfer werden wollte, hat zwei Gründe: Einmal war er enttäuscht von dem seiner Meinung nach zu schwachen Protest der 1973 tagenden Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gegen den von Amerika geführten Vietnam-Krieg. Der Synode gehörte Gern als Jugenddelegierter an, und der Protest amerikanischer Mütter vor dem Eröffnungsgottesdienst hatte ihn bewegt. Hinzu kam, dass er die „bürgerliche Enge“ seiner Umgebung eine Zeitlang hinter sich lassen wollte.

Chef der hessen-nassauischen Diakonie

Wobei dies nur eine Seite der Kindheit und Jugendzeit Gerns widerspiegelt, die er eine „enorm reiche“ Zeit nennt. Aufgewachsen ist er in West-Berlin in einem evangelischen Milieu, das geprägt war von beeindruckenden Männern, die im Nationalsozialismus zur „Bekennenden Kirche“ gehörten. Auch Gerns Vater, später Mitarbeiter des Finanzsenators, und sein Onkel, ein Pfarrer, gehörten ihr an. Der Zusammenhang von christlicher Überzeugung und politischem Engagement war Gern daher nicht fremd. Kein Wunder also, dass er sich später, von 1984 bis 1990, am Lehrstuhl für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft in Heidelberg mit Sozialethik und interkultureller Theologie befasste – auch wenn er zuvor mit einer Arbeit über Predigtforschung zum Doktor der Theologie promoviert worden war – und danach bei der auch sozialpolitisch engagierten Gossner Mission in Mainz tätig war.

Seit sieben Jahren ist Gern Chef der hessen-nassauischen Diakonie. In dessen Mitgliedsorganisationen sind 15.500 Menschen beschäftigt. Gern ist sich seiner Macht als Manager eines großen Wohlfahrtsverbands bewusst. Andererseits hält er sich zugute, Verantwortung abgeben zu können: „Wer Macht erhalten will, muss sie teilen können“ lautet einer seiner Grundsätze. Für einen anderen, den theologischen, zitiert er Paulus, demzufolge Freiheit nicht in gegenseitige Liebe münden müsse. Die Bibel ist für Gern ein „Friedensbuch“, und wo es an einem friedlichen Miteinander fehle, müsse die Kirche sich als „Anwalt der Stummen“ äußern. Gern tut das.

Etwas schmallippiger spricht er über seine eigene Zukunft. Gerns Name wird genannt, wenn es um die Nachfolge von Kirchenpräsident Peter Steinacker geht, dessen Ruhestand naht. „Ich führe einen großen Verband. Was will ich mehr?“ Nach Mainz in die Gossner Mission und nach Frankfurt als Chef in die Diakonie-Zentrale sei er gerufen worden. „Ich habe mir nie Gedanken gemacht, was als nächstes Amt ansteht.“ Über das Leben in Gemeinden und die Arbeit der Kirchenverwaltung, über noch zu weckende Charismen und über das Miteinander von Kirche und Diakonie hat er ziemlich präzise Meinungen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Nur so viel: Die in der evangelischen Kirche allenthalben zu spürende Untergangsstimmung hat Gern satt: „Diese Larmoyanz ist kleingläubig und eine Gotteslästerung.“

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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