20.04.2007 · Sein Lebenswerk füllt ein halbes Bücherregal in seinem Büro beim Fischer-Verlag: mehr als 200 Taschenbücher, wegen ihres schwarzen Einbandes unter Kennern als „Schwarze Reihe“ bekannt.
Von Hans RiebsamenSein Lebenswerk füllt ein halbes Bücherregal in seinem Büro beim Fischer-Verlag: mehr als 200 Taschenbücher, wegen ihres schwarzen Einbandes unter Kennern als „Schwarze Reihe“ bekannt. Offiziell heißt die von Walter Pehle herausgegebene Buchreihe: „Die Zeit des Nationalsozialismus“. Raul Hilberg, der Nestor der Holocaust-Forschung, hat sie einmal „die größte Buchreihe auf dem Planeten zum Thema Nationalsozialismus“ genannt.
Die Krönung von Pehles Lektoren- und Herausgebertätigkeit ist 1989 die dreibändige Taschenbuchausgabe von Hilbergs berühmtem Werk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ gewesen. Seither veröffentlicht der einst aus Wien vertriebene Historiker seine Werke in Deutschland nur noch unter den Fittichen Pehles bei Fischer: „Täter, Opfer, Zuschauer“ erschien 1992 hierzulande schneller als in Amerika, Hilbergs neuer Heimat. Einmal hat Hilberg Pehle in Wien das Haus gezeigt, in dem er als junger Mensch gewohnt hat. Dort kann man immer noch bei Leuten klingeln, die den Juden Hilberg 1939 mit der Pistole in der Hand aus der Wohnung gejagt haben.
Wahrheit als höchstes Ziel
Unbeirrbar und zäh publiziert Pehle seit 1977 Bücher über die Geschichte der NS-Diktatur und das Menschheitsverbrechen der Judenvernichtung. Zuerst eine Neuausgabe von Gustave Gilberts „Nürnberger Tagebuch“, in dem der Gerichtspsychologe seine Erinnerungen an den Nürnberger Prozess und an Hauptkriegsverbrecher wie Hermann Göring niedergelegt hat. Später folgten so bedeutende Bücher wie Sebastian Haffners „Anmerkungen zu Hitler“, Jörg Friedrichs „Die kalte Amnestie“ oder das Buch zur Fernsehserie „Holocaust“, das Pehle in einem Schnellschuss zwei Wochen nach Ausstrahlung auf den Markt warf und von dem innerhalb weniger Tage 30.000 Exemplare über den Ladentisch gingen.
Walter Pehle, der bei Wolfgang Mommsen mit einer Arbeit über die nationalsozialistische Machtergreifung im Regierungsbezirk Aachen promoviert wurde und bei Fischer als Lektor für Pädagogik und Psychologie angefangen hat, ist ein „Faktensicherer“. Sein oberstes Ziel ist es, Licht in die dunklen Ecken der deutschen Geschichte zu bringen, damit sich keine Legenden bilden. Und keine Lügen. Zum Beispiel keine Auschwitz-Lügen. In Pehles Büchern werden die Holocaust-Leugner bis in die Details ad absurdum geführt.
Als Jugendlicher in Düsseldorf hat Pehle von seinem Vater, im Krieg ein Major, immer wissen wollen, wie es im Krieg war. Doch der hat über dieses Thema nicht gesprochen. Deshalb hat der Sohn Geschichte studiert und lässt sich jetzt als Herausgeber seine Frage von Historikern und Augenzeugen beantworten. Lange Jahre musste er immer wieder befürchten, dass seine „Schwarze Reihe“ wegen des finanziellen Defizits und wegen der auch unter Kollegen verbreiteten „Schlussstrich-Mentalität“ eingestellt würde. Inzwischen verdient Fischer mit Pehles Büchern sogar Geld, Götz Alys „Hitlers Volksstaat“ etwa verkaufte sich bestens und war eines der meistdiskutierten Bücher der vergangenen Jahre. Doch nicht eine hohe Auflage ist Pehles höchstes Ziel, sondern die historische Wahrheit. Weshalb er von sich sich zuallererst sagt: „Ich bin Aufklärer.“