01.12.2006 · Wenn es nach ihr ginge, dürfte die Anzahl der Bäume auf der Zeil keinesfalls reduziert werden: die Architektin Ute Wittich im Portrait.
Von Heinke KilianWenn es nach ihr ginge, dürfte die Anzahl der Bäume auf der Zeil keinesfalls reduziert werden, denn wer sich Frankfurts bekannteste Einkaufsstraße aus der Luft anschaut, erkenne sofort, daß Pflaster und Grün aufeinander bezogen seien. Klare Strukturen, organische Wege und am liebsten noch ein Teich, in dem sich der Himmel spiegelt, so würde die Garten- und Landschaftsarchitektin gern immer planen. Zudem interessieren sie die Form und die Geschichte eines Gebäudes. Das ist ihr beim kreisförmigen Radisson Hotel in der City-West besonders gut gelungen. Aber auch Frankfurts Hinterhöfe waren ihr jahrelang ein Anliegen.
Dabei ist die gebürtige Gießenerin ganz zufällig zu ihrem Beruf gekommen. Zuerst Fotografin und damals schon mit Architektur befaßt - allerdings alternativer -, begann sie Anfang der achtziger Jahre, Außenanlagen zu konzipieren. Kaum ein größeres Gebäude in Frankfurt, an dessen Freigelände sie nicht planend und beratend mitbeteiligt war. Den Titel holte sie sich nachträglich mit Hilfe einer Prüfung bei der Architektenkammer. Daraus erwuchs ihr allmählich ein ganz besonderes Engagement für Frankfurt.
Gesellschaftliches Engagement
Am liebsten erläuft sie sich das Mainufer und die Innenstadt zusammen mit Ehemann Bernhard Jäger, einem Maler und Bildhauer. Da gibt es Lieblingsblicke und bevorzugte Plätze und die Feststellung: Die Stadt sei in den letzten Jahren immer lebendiger geworden. Da sie gern reist, ergeben sich immer wieder auch Auslandsaufträge, einer dürfte demnächst besonders interessant werden: Das Freigelände eines Golfhotels mit 20 Luxusvillen auf der Insel Kish in Iran, das jedoch im Moment wegen der politischen Lage auf Eis gelegt ist. Aber am meisten Spaß machen ihr temporäre Gärten im Stile früherer Barockfeste, wie beispielsweise im Schloß Ippenburg bei Osnabrück anläßlich eines Rosenfestes, in Weimar als Hommage an Henri Rousseau und im Schloß Fasanerie Eichenzell bei Fulda unter dem Motto „Schach. Die Lust der Dame auf den König“, mit dem sie 2001 den Hessischen Kulturpreis für zeitgenössische Gartenarchitektur gewann. Das sind dann immer Gelegenheiten, bei denen sie gern auch ihren Mann in die Planung mit einbezieht.
Doch Ute Wittich, stets mit leuchtend rotem Haarschopf und exakt darauf abgestimmter Garderobe, wäre nicht diejenige, als die sie sich gern in der Öffentlichkeit präsentiert, wenn es da nicht auch noch etwas anderes gäbe, nämlich ihr gesellschaftliches Engagement. Sei es im Freundeskreis des Museums der Weltkulturen, den sie als Sammlerin exotischen Schmucks gern mit ihren Kostbarkeiten und interessanten Vorträgen bereichert, im Architekturmuseum, wo sie schon mehrfach ihr Fachwissen in der Gestaltung von Plätzen und den dazu passenden Pflanzen und Wasseranlagen weitergegeben hat oder bei der Ernst-May-Gesellschaft, bei der sie gerade dabei ist, den Garten des als Museum vorgesehenen Hauses Im Burgfeld 136 in der Römerstadt nach den Vorgaben von May und Leberecht Migge zu rekonstruieren. All das hat sie zu einer wirklichen Frankfurterin werden lassen, die gern im Oberrad der Gemüsegärtner in einem alten Haus lebt und arbeitet.