Home
http://www.faz.net/-gzu-vd6i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Gesichter Michael Molter

14.09.2007 ·  Michael Molter missgestimmt anzutreffen gleicht einem Lottogewinn. „Mir geht es immer gut“, behauptet der Geschäftsführer des Industrieparks Frankfurt-Griesheim von sich.

Von Thorsten Winter
Artikel Lesermeinungen (0)

Michael Molter missgestimmt anzutreffen gleicht einem Lottogewinn. Er sagt über sich: „Mir geht es immer gut.“ Begründung: „Der liebe Gott hat dafür gesorgt, dass ich gesund bin.“ Zudem meint Molter: „Wir jammern zu viel.“ Für seine Mitarbeiter ist er ein „gnadenloser Optimist“. Die Zuversicht mag sich aus seinem katholischen Glauben speisen – und ganz sicher beeinflussen die vier Jahre in Indien, die der Chemiker mit Doktorhut noch zu Zeiten der Hoechst AG dort verbrachte, weiter seine Sicht auf das Leben:

„Wenn Sie sehen, unter welchen Bedingungen die Leute da leben – und die jammern nicht.“ Doch malt der gebürtige Sachsenhäuser seine Welt keineswegs rosarot. Gibt er doch auch zu, seit der Rückkehr aus Indien vor 14 Jahren beruflich nur noch rückwärts zu fahren.

„Wenn wir etwas können, dann umstrukturieren“

Das Bild wählt der Geschäftsführer des Industrieparks Frankfurt-Griesheim nicht von ungefähr: In dem aufstrebenden Markt konnte er von 1989 bis 1993 drei Anlagen hochziehen – „das hat richtig Spaß gemacht“. Wieder daheim, musste er für die Hoechst AG nacheinander fünf Betriebe schließen – „das hat keinen Spaß gemacht“. Und im Industriepark Griesheim stehen die Zeichen seit geraumer Zeit schon ebenfalls auf Abbau: Seit 1998 ist die Zahl der Beschäftigten von annähernd 1500 auf weniger als 1000 gesunken; zuletzt hat sich die Bayer AG von dem Standort verabschiedet, und mit dem Chemiekonzern Clariant wird der Eigentümer des Industrieparks bis Oktober 2008 einen Betrieb schließen. Vor diesem Hintergrund sieht sich Molter als Teil des Strukturwandels, der die Chemiebranche hierzulande seit Jahren prägt.

Für seinen Pragmatismus spricht auch, dass er sich nicht abfinden lassen, sondern weitermachen will, wenn die Clariant die von ihm geführte Betreibergesellschaft Industriepark Griesheim GmbH wie geplant ins Unternehmen eingliedert und er deshalb kein Geschäftsführer mehr sein wird. „Wenn wir hier etwas können, dann umstrukturieren“, hebt er hervor. Von der Produktion zur Dienstleistung – diesen Prozess will er auch mit gut 60 Jahren weiter begleiten. Ganz nach dem Lindenbergschen Mutmachermotto „Hinterm Horizont geht’s weiter“, das gleichsam sein erklärtes Lieblingslied ist.

Um jungen Leuten in Indien neue Horizonte zu eröffnen, hat er dort ein Patenkind, das er bis zum Ende der Berufsausbildung regelmäßig finanziell unterstützt. Das jetzige Patenkind ist im übrigen das dritte, stammt wie die beiden anderen aus einem Armenviertel und wird in einer Einrichtung betreut, die von einer pensionierten deutschen Ärztin aufgebaut worden ist. Diesen Ort besucht zu haben beeindruckt nicht nur Molter nachhaltig. „Ich kenne keinen, der da war und nichts Soziales macht“, sagt er, der selbst drei leibliche Kinder hat, die mit in Indien waren. Dessen ungeachtet hat er auch in seiner Freizeit Mitmenschen im Blick: So arbeitet der aktive Katholik seit vielen Jahren im Pfarrgemeinderat von Schwalbach mit, wo er wohnt, und sitzt im Präsidium der Limburger Diözesanversammlung.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr