24.11.2006 · Bei seinem ersten Job hat Gerhard Birk Michael Jackson kutschiert. Heute zählt seine Firma Birk Events zu den Frankfurter Platzhirschen unter den Veranstaltern.
Von Hans RiebsamenEin festes Berufsziel hat Gerhard Birk nicht gehabt. Auf den richtigen Weg hat den Studenten der Betriebswirtschaft damals, Anfang der siebziger Jahre, ein Zufall gebracht. Birk sprang für einen Freund, der keine Zeit hatte, als Fahrer bei Mama-Concerts ein. Das war die damals führende Veranstaltungsagentur für Rock und Pop, geleitet von Marcel Avram und Marek Lieberberg.
Bei seinem ersten Job mußte Birk Michael Jackson kutschieren. Der war zu jener Zeit freilich noch kein Superstar, sondern ein kleiner schwarzer Junge, der mit seinen vier Brüdern als „Jackson Five“ durch die Säle und Hallen tingelte. Später hat Birk mit manch anderem Berühmten aus dem Show- und Popgeschäft zu tun gehabt, denn er blieb bei Mama Concerts, stieg vom Fahrer zum technischen Produktionsleiter und danach zum Tourneemanager auf. „Supertramp“, Chris de Burgh, „The Kinks“ - Birk hat die Deutschlandtourneen so mancher Stars oder Bands organisiert. Und dabei jene Erfahrungen über Moden, Trends und Publikumsgeschmack gewonnen, die in der von hohen Risiken geprägten Unterhaltungsbranche unerläßlich sind, will man nicht ökonomisch im Desaster enden.
Veranstalter von „Cirque du Soleil“
In der Tat sah Birks erstes Projekt, nachdem er sich Anfang der neunziger Jahre selbständig gemacht hatte, schwer nach einem Desaster aus. Die Premiere der Open-air-Kino-Reihe auf dem Messegelände fand noch unter einem strahlenden Nachthimmel statt, am nächsten Tag jedoch verdeckten Regenwolken die Spitzen der Frankfurter Hochhäuser. Und das ging tagelang so weiter. Jeden Abend lief ein Erfolgsfilm vor einer Handvoll Zuschauer in Regenjacken - bis schließlich Petrus nach zwei Wochen Erbarmen mit dem Jungunternehmer hatte und die Wolken vertrieb. Am Ende kam Birk gerade noch mit einer schwarzen Null aus seiner ersten Unternehmung heraus.
Den Mut geraubt hat ihm diese Erfahrung nicht. Birk machte weiter und zählt heute mit seiner Firma Birk Events zu den Frankfurter Platzhirschen unter den Veranstaltern. Er gilt allgemein als zuverlässig und seriös, ein Mann ohne Allüren, was in seiner Branche nicht immer der Fall ist. Zusammen mit der BB Promotion seines Freundes Michael Brenner bestreitet der Fünfundfünfzigjährige seit Jahren das Weihnachtsprogramm der Alten Oper, in diesem Jahr mit „Saturday Night Fever“. Zu Birks Stars zählen unter anderen Udo Jürgens oder „The Harlem Gospel Singers“.
Seinen dicksten Fisch hat der Bornheimer Bub mit dem „Cirque du Soleil“ an Land gezogen. Birks Unternehmen hat bisher alle Frankfurter Auftritte des kanadischen Konzerns veranstaltet und in diesem Jahr zum erstenmal dessen gesamte Deutschland-Tournee. Als deutscher Vertrauensmann der Zirkuskönige aus Montreal wird Birk vermutlich noch manche Tournee des Sonnenzirkus betreuen. Und wenn Birk einmal nicht mehr will oder kann, wird vermutlich sein Sohn Maximilian Reggiannini - Birk ist mit einer Italienerin verheiratet - das Geschäft übernehmen. In der Union Halle in Frankfurt organisiert der Zweiundzwanzigjährige mittlerweile die Aufführungen des Theater-Kultstücks „Caveman“. Und zwar nicht weniger erfolgreich als sein Vater.