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Frankfurter Gesichter: Friedemann Schrenk

16.07.2004 ·  Weit war der Weg von der Schwäbischen Alb an den Malawi-See im Herzen Afrikas. Aber er war konsequent. Wer begnügt sich schon mit der Suche nach Ammoniten auf der Ostalb, wenn er dem Geheimnis der Menschwerdung auf die Spur kommen will.

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Weit war der Weg von der Schwäbischen Alb an den Malawi-See im Herzen Afrikas. Aber er war konsequent. Wer begnügt sich schon mit der Suche nach Ammoniten auf der Ostalb, wenn er dem Geheimnis der Menschwerdung auf die Spur kommen will. Tatsächlich ist es Friedemann Schrenk gelungen, das große Rätsel zu lösen, zumindest ein Stückchen. Denn eben an diesem Malawi-See hat er das älteste Teil eines Individuums der Gattung Homo gefunden, den Unterkiefer eines Homo rudolfensis, von dem eine direkte Linie zu unsereins führt, zum Homo sapiens.

Doch bis dahin, bis zu dieser Entdeckung von UR 501, wie der Fund vom 11. August 1991 katalogisiert ist, führte ein weiter Weg mit manchen Durststrecken. Daß der Sohn eines pietistisch geprägten Lehrers nicht im Schwäbischen versauern, sondern die Welt erobern wollte, war von vornherein klar; daß er Urmenschenforscher, Paläoanthropologe, werden würde, spätestens nach dem Abitur. In Darmstadt hat er als Geologiestudent die fachlichen Grundlagen für seinen späteren Beruf erworben, in Südafrika, damals noch ein geächteter Apartheid-Staat, aber dennoch das Mekka der Paläoanthropologen, ist er zum ersten Mal mit zwei Großen seines Fachs, mit Phillip Tobias und James Kitching, in Kontakt gekommen. Vor allem aber hat er dort seinen späteren Forschungspartner, den Amerikaner Timothy G. Bromage getroffen, einen Seelenverwandten. Die beiden Studenten faßten noch in Südafrika den kühnen Entschluß, bei eigenen Ausgrabungen Urmenschen-Relikte zu finden - komme, was da wolle.

Bevor die zwei jedoch zur ersten eigenen Expedition aufbrechen konnten, mußte Schrenk zuerst einmal seine Kenntnisse vom menschlichen Körper vervollständigen. Als Assistent an der Frankfurt Anatomie lernte er jeden Knochen und jedes Gelenk identifizieren. Danach war er fachlich gerüstet für das "Hominid Corridor Research Project", die Suche nach Hominidenteilen im Korridor zwischen den altbekannten Fundstellen in Südafrika und in Tansania/Kenia - in der afrikanischen Republik Malawi. Das Startkapital, ein paar tausend Dollar von einer amerikanischen Stiftung, trieb Bromage auf, es reichte für die Tickets nach Malawi und für eine erste Erkundung jener Chiwondo Beds im Norden des Landes, welche die zwei Möchtegern-Urmenschenentdecker auf Satelliten-Aufnahmen als möglichen Fundort ausgemacht hatten. Acht Jahre und viele Grabungskampagnen später erfüllte sich der Traum, den Schrenk und Bromage damals vor der berühmten Höhle Makapansgat in Südafrika sich ausgemalt hatten -der erste Urmenschenfund.

Mittlerweile zählt Schrenk zu den internationalen Stars seines Fachs, der erste und einzige Deutsche, der einen Hominidenfund aus Afrika vorweisen kann. Kein Wunder, daß das Forschungsinstitut Senckenberg ihn, der bis dahin stellvertretender Leiter des Landesmuseums Darmstadt gewesen war, nach Frankfurt holte und ihm seine paläoanthropologische Abteilung anvertraute, die wichtigste Forschungsstelle dieser Art in Deutschland. Die zweite Heimat des Professors, der Schrenk mittlerweile mit Lehrstuhl an der Universität Frankfurt ist, bleibt aber Malawi. Dort, in der Stadt Karonga, haben er und seine Uraha-Foundation eben erst mit EU-Geldern ein Museum gebaut, dort warten auf Schrenk auch noch ein paar Urmenschen-Relikte auf ihre Ausgrabung. Die will er nicht warten lassen.

HANS RIEBSAMEN

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