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Frankfurter Gesichter Christian Wolf

07.09.2007 ·  Einen Vorstand einer Aktiengesellschaft, der sich nicht um den Kurs des eigenen Papiers kümmert – den gibt es nicht. Klingt logisch.

Von Thorsten Winter
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Einen Vorstand einer Aktiengesellschaft, der sich nicht um den Kurs des eigenen Papiers kümmert – den gibt es nicht. Klingt logisch. Nur: Wer diese Behauptung ungeprüft unterschreibt, liegt falsch. Zumindest sagt Christian Wolf von sich: „Ich guck gar nicht auf den Aktienkurs.“ Und Wolf ist nicht nur Vorstandsmitglied, sondern auch Gründer und Großaktionär einer Frankfurter Immobilien-AG.

Vor sieben Jahren rief er mit Carsten Siegert die Frimag AG ins Leben, die nach einem Namensstreit mit einer anderen Immobiliengesellschaft zwischenzeitlich in Franconofurt AG umbenannt wurde. Nun könnten Lästermäuler einwenden, es sei derzeit auch besser, den Kurs der Franconofurt-Aktie nicht zu verfolgen. Denn der Wert liegt nach einer Talfahrt rund 30 Prozent unter seinem Jahreshoch. Allerdings hat sich Wolf schon zum Börsengang im Juni 2005 verpflichtet, vier Jahre lang keine Anteile zu verkaufen. Folglich kann er sich die Fieberkurve ersparen.

Ausschau nach Altbauten

Doch noch etwas anderes unterscheidet ihn von anderen AG-Vorständen: Während viele seiner Kollegen eine mehr oder weniger große Limousine steuern oder sich gleich fahren lassen, zieht Wolf ein Fahrrad vor, ein altes überdies. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der 39 Jahre alte gebürtige Frankfurter hält in der Innenstadt und in Sachsenhausen regelmäßig Ausschau nach Altbauten, die er für seine Firma kaufen könnte. Mit dem Rad geht das besser als mit dem Auto. Und es hilft ihm nach eigener Erfahrung, ein gewünschtes Geschäft zu machen: „Ich kriege ein Haus eher als jemand, der mit einem teuren Auto vorfährt.“

Denn ein Immobilienhändler mit Oberklassewagen löse bei so manchem Verkäufer den Reflex aus: „Der kauft mir das Haus billig ab, verkauft es teuer weiter und finanziert sich so sein neues Auto.“ Dass Wolf sich gern leger kleidet und nicht von ungefähr beim Gespräch eine Bluejeans und ein dunkelblaues Hemd zum Cordsakko trägt, mag ihm auch zupass kommen. Doch im Zweifelsfall entscheidet, wie er zugibt, der Preis.

Vorliebe für betagte Dinge

Branchenkennern gibt das Rad mittlerweile Auskunft über Wolfs Absichten: So fragten Konkurrenten, die das Vehikel angekettet an einem Zaun sehen, schon mal: „Und, kaufst du das Haus?“ Gleichwohl hält er daran fest. Es passt auch zu seiner Vorliebe für betagte Dinge: Als junger Mann hat er alte Autos aufgemöbelt und als Student zunächst eine vernachlässigte Dachgeschosswohnung renoviert, in der er lebte. Zwei Jahre nach dem vom Vater unterstützten Erwerb derselben für 100.000 Mark verkaufte er sie für 260.000 Mark weiter.

Mit der nächsten Wohnung verfuhr Wolf, der privat gerne joggt und die Alternative-Rocker „Smashing Pumkins“ hört, ebenso. Das war letztlich der Einstieg ins Geschäft mit Altbauten, die ihm über das Wirtschaftliche hinaus am Herzen liegen. Der Abriss des alten Direktionsgebäudes der Bundesbahn an der Friedrich-Ebert-Anlage neben der Matthäuskirche ist für ihn eine „Schande“.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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