Home
http://www.faz.net/-gzu-qdl0
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Gesichter: Christian Schmidt

22.04.2005 ·  Der Tee in Christian Schmidts Büro kommt aus Afrika - und erinnert den Frankfurter Zoodirektor an seine Reisen: Seit 1966 zieht es ihn immer wieder dorthin, wo jene Tierarten in freier Natur zu sehen sind, die er in seiner Obhut hat.

Artikel Lesermeinungen (0)

Der Tee in Christian Schmidts Büro kommt aus Afrika - und erinnert den Frankfurter Zoodirektor an seine Reisen: Seit 1966 zieht es ihn immer wieder dorthin, wo jene Tierarten in freier Natur zu sehen sind, die er in seiner Obhut hat. Die bislang letzte liegt nun schon zwei Jahre zurück - damals konnte er seinen sechzigsten Geburtstag unter afrikanischem Himmel feiern.

Mittlerweile werden Nachkommen der Frankfurter Nashörner wieder in Afrika ausgewildert - und Schmidt, seit 1994 im Amt, sorgt ebensolange im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) als Koordinator für die Gorillas dafür, daß der Genpool der bedrohten Tierart durch die Zoo-Nachzuchten möglichst breit erhalten bleibt. Darauf, vor zwanzig Jahren einer der acht Gründer des EEP gewesen zu sein, das mittlerweile 150 Arten durch Nachzuchten und Tiertausche erhalten hilft, ist der gebürtige Zürcher stolz. Zoos aber, so sein großes Anliegen, sollten nicht erst um fünf vor zwölf zum Artenschutz genutzt werden. Neben der Erholung, der Information und der Forschung dienten die Tiergärten als "moderne Arche Noah", und so steht Schmidt auch zu dem Diktum, eine ideale Welt wäre eine, die keine Zoos nötig hätte.

Schmidt aber, der in seiner Freizeit Schildkröten züchtet und Schildkröten-Kunst sammelt, würde dann gewiß viel fehlen: Ist er doch schon im Alter von zehn Jahren jedes Wochenende in den Zürcher Zoo gegangen, der ihm später Arbeitsplatz wurde. Da er schon mit 16 Jahren ein Praktikum als Tierpfleger ablegte, war er dort, mit Abstechern nach Heidelberg und Atlanta, 35 Jahre lang tätig - zuletzt als Vizedirektor und Kurator für Vögel und Säugetiere. In seiner Heimatstadt, wo er Zoologie studierte, lernte er auch seinen Lehrmeister kennen, der bis 1973 den Zoo leitete: Heini Hediger, den Begründer der wissenschaftlichen Tiergartenbiologie.

In seinem Sinne versteht sich Schmidt, der auch an der Universität Gießen lehrt, als "Tiergärtner". Artgerechte Lebensräume für die Zoobewohner stehen ganz oben auf seiner Agenda - auch zum Wohl der Besucher. Daß vieles umzusetzen weit länger dauerte, als er 1994 dachte, der "Öko-Zoo" vor den Toren der Stadt immer noch nur ein schöner Plan ist, läßt Schmidt nicht verzagen, für den das Leben in Deutschland eine größere Umstellung bedeutete, als er erwartet hatte: Der Katzendschungel ist entstanden, die Robben planschen im neuen Areal, das Bärengehege soll mit Spendenhilfe entstehen. Im Kreis der Kollegen, so Schmidt, nehme man wahr, daß sich in Frankfurt "etwas tut". Derzeit wird das Riesenprojekt einer neuen, mehrere tausend Quadratmeter großen Menschenaffenanlage vorangetrieben. Und auch wenn Schmidt behauptet, viele Lieblingstiere zu haben - die Primaten scheinen ihm doch besonders wichtig zu sein. Das zeigt schon sein Lebenslauf, der mit den Worten beginnt: "Verheiratet, drei Kinder, 13 Affenkinder in der Familie aufgezogen". Mittlerweile sind es noch zwei mehr geworden, und es ist hauptsächlich Schmidts Frau Annemarie, die sich um die verwaisten oder abgewiesenen Jungtiere kümmert. Vor einigen Jahren haben die beiden darüber ein nicht nur für Kinder lesenswertes Kinderbuch, "Sirih, kleine Schwester", geschrieben. Sirih, das Zürcher Affenbaby, ist übrigens mittlerweile selbst stolze Mutter - in Frankfurt. EVA-MARIA MAGEL

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Karlsruher Konzern unter Druck

Von Manfred Köhler

Der Energieversorger ENBW im Rhein-Main-Gebiet? Neu wäre das nicht. Der Karlsruher Konzern ist mit 15,1 der Mannheimer MVV Energie beteiligt, die wiederum 48,6 Prozent am Offenbacher Energieversorger EVO hält. Mehr