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150 Jahre Industriepark Höchst : Investitionsmagnet im Frankfurter Westen

Bild: F.A.Z.

Der Industriepark Höchst geht auf eine vor 150 Jahren gegründete Fabrik zurück. Das alte Hoechst-Werk floriert und zieht Großinvestitionen aus der Chemie- und der Pharmabranche an.

          Alle 50 Jahre dient die Jahrhunderthalle als Schauplatz für eine große Jubiläumsfeier einer Frankfurter Wohlstandsquelle. Vor 50 Jahren eröffnete die Hoechst AG die von ihr bezahlte Halle und feierte gleichzeitig 100 Jahre chemische Industrie in der Stadt - also sich selbst. 1863 war der Vorläufer des Konzerns gegründet worden, die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co.. Das Kultur- und Kongresszentrum an der Pfaffenwiese heißt nicht von ungefähr Jahrhunderthalle. Am Montag werden dort folgerichtig abermals mehrere tausend Gäste feiern. „150 Jahre Höchster Industriegeschichte“ lautet das Motto des Tages, das der Gastgeber Sanofi gewählt hat.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Motto wirkt etwas allgemein gehalten. Das mag damit zu tun haben, dass Sanofi zwar, gemessen an der Zahl der Mitarbeiter und der Umsätze, der größte Abkömmling der 1999 aufgespaltenen Hoechst AG ist. Aber eben längst nicht der einzige. Zudem lebt in der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH lediglich die Arzneimittelsparte von Hoechst weiter, während andere Konzernteile an eine Vielzahl anderer Unternehmen, die zum Teil im Ausland sitzen, übergingen. Etwa an die Chemiekonzerne Celanese und Clariant, den Industriegasehersteller Messer, den Pharmakonzern Novartis oder auch die Bayer AG, die das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln übernahm. Und „150 Jahre Arzneimittelproduktion“ in Höchst können erst in 20 Jahren gefeiert werden: 1883 brachten die Höchster Werke die erste bedeutende industriell erzeugte Arznei heraus.

          Die Verwandlung hat dem Standort nicht geschadet

          Überdies führt auch nicht der direkte Weg von Hoechst zu Sanofi. Vielmehr gab es einen bedeutenden Zwischenschritt: Die Pharmasparte von Hoechst ging 1999 zuerst mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc zur Aventis SA zusammen - begleitet von einer Investmentstudie einer großen deutschen Bank mit dem blumigen Titel „A Star Is Born“. Doch bestand Aventis nur genau fünf Jahre, bis der Konzern von Sanofi-Synthélabo gekauft wurde.

          Bild: F.A.Z.

          Allen seinerzeit lautgewordenen Ängsten zum Trotz hat dem Arzneimittelstandort Höchst diese Verwandlung nicht geschadet. Zwar hat Sanofi einige hundert Stellen dort abgebaut - aber nicht so viele wie andere Pharmariesen an anderen Standorten in der Welt. In Höchst zählt Sanofi noch rund 7400 Mitarbeiter und beschäftigt damit ein Drittel aller Männer und Frauen im Industriepark Höchst, dem alten Stammwerk von Hoechst. Das Unternehmen gilt zudem nicht nur als größter Gewerbesteuerzahler von Frankfurt, sondern von ganz Hessen. Schließlich ist das weltweit meistverkaufte Diabetesmittel „made in Höchst“ - und mit Milliardenerlösen seit Jahren der Kassenschlager von Sanofi.

          Schwerpunkt Chemie und Pharma

          Insgesamt zählt der Industriepark Höchst 90 Unternehmen. Zu den Großen am Standort gehören der Industrieparkbetreiber Infraserv mit mehr als 2000 Mitarbeitern, die die Betriebe am Ort mit Energie und Wasser versorgen und sich um den Werkschutz kümmern, Celanese mit 1000 Kräften und Clariant mit etwa 1500. Der Schwerpunkt liegt auf den Branchen Chemie und Pharma, doch finden sich im Industriepark auch eine Stiftung und eine Pensionskasse, ein Bildungsdienstleister oder auch eine Bank. Die meisten Betriebe haben Geschäfte von Hoechst übernommen oder gehen direkt auf den Konzern zurück.

          Auch wenn die Hoechst-Aufspaltung weiter viele Frankfurter schmerzt: Das Stammwerk floriert. Davon zeugt die Reihe von Investitionen. Seit dem Jahr 2000 haben die Unternehmen dort 5,5 Milliarden Euro investiert, allen voran der Sanofi-Konzern, der in Höchst die größte Insulinproduktion auf der Welt unterhält und auch forscht. Celanese hat die Kunststoff-Fabrik seiner Tochter Ticona dort errichten lassen. Clariant lässt in der Nähe des alten Hoechst-Vorstandsturms sein Forschungszentrum bauen, und der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel verwirklicht das größte Einzelprojekt seiner Geschichte, eine Chlor- und Natronlauge-Anlage im Industriepark.

          Quelle: F.A.Z.

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