Home
http://www.faz.net/-gzg-7622v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

150 Jahre Industriepark Höchst Investitionsmagnet im Frankfurter Westen

Der Industriepark Höchst geht auf eine vor 150 Jahren gegründete Fabrik zurück. Das alte Hoechst-Werk floriert und zieht Großinvestitionen aus der Chemie- und der Pharmabranche an.

© F.A.Z. Vergrößern

Alle 50 Jahre dient die Jahrhunderthalle als Schauplatz für eine große Jubiläumsfeier einer Frankfurter Wohlstandsquelle. Vor 50 Jahren eröffnete die Hoechst AG die von ihr bezahlte Halle und feierte gleichzeitig 100 Jahre chemische Industrie in der Stadt - also sich selbst. 1863 war der Vorläufer des Konzerns gegründet worden, die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co.. Das Kultur- und Kongresszentrum an der Pfaffenwiese heißt nicht von ungefähr Jahrhunderthalle. Am Montag werden dort folgerichtig abermals mehrere tausend Gäste feiern. „150 Jahre Höchster Industriegeschichte“ lautet das Motto des Tages, das der Gastgeber Sanofi gewählt hat.

Thorsten Winter Folgen:    

Das Motto wirkt etwas allgemein gehalten. Das mag damit zu tun haben, dass Sanofi zwar, gemessen an der Zahl der Mitarbeiter und der Umsätze, der größte Abkömmling der 1999 aufgespaltenen Hoechst AG ist. Aber eben längst nicht der einzige. Zudem lebt in der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH lediglich die Arzneimittelsparte von Hoechst weiter, während andere Konzernteile an eine Vielzahl anderer Unternehmen, die zum Teil im Ausland sitzen, übergingen. Etwa an die Chemiekonzerne Celanese und Clariant, den Industriegasehersteller Messer, den Pharmakonzern Novartis oder auch die Bayer AG, die das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln übernahm. Und „150 Jahre Arzneimittelproduktion“ in Höchst können erst in 20 Jahren gefeiert werden: 1883 brachten die Höchster Werke die erste bedeutende industriell erzeugte Arznei heraus.

Die Verwandlung hat dem Standort nicht geschadet

Überdies führt auch nicht der direkte Weg von Hoechst zu Sanofi. Vielmehr gab es einen bedeutenden Zwischenschritt: Die Pharmasparte von Hoechst ging 1999 zuerst mit dem französischen Konkurrenten Rhône-Poulenc zur Aventis SA zusammen - begleitet von einer Investmentstudie einer großen deutschen Bank mit dem blumigen Titel „A Star Is Born“. Doch bestand Aventis nur genau fünf Jahre, bis der Konzern von Sanofi-Synthélabo gekauft wurde.

Infografik / Investitionen im Industriepark / Höchst

Allen seinerzeit lautgewordenen Ängsten zum Trotz hat dem Arzneimittelstandort Höchst diese Verwandlung nicht geschadet. Zwar hat Sanofi einige hundert Stellen dort abgebaut - aber nicht so viele wie andere Pharmariesen an anderen Standorten in der Welt. In Höchst zählt Sanofi noch rund 7400 Mitarbeiter und beschäftigt damit ein Drittel aller Männer und Frauen im Industriepark Höchst, dem alten Stammwerk von Hoechst. Das Unternehmen gilt zudem nicht nur als größter Gewerbesteuerzahler von Frankfurt, sondern von ganz Hessen. Schließlich ist das weltweit meistverkaufte Diabetesmittel „made in Höchst“ - und mit Milliardenerlösen seit Jahren der Kassenschlager von Sanofi.

Schwerpunkt Chemie und Pharma

Insgesamt zählt der Industriepark Höchst 90 Unternehmen. Zu den Großen am Standort gehören der Industrieparkbetreiber Infraserv mit mehr als 2000 Mitarbeitern, die die Betriebe am Ort mit Energie und Wasser versorgen und sich um den Werkschutz kümmern, Celanese mit 1000 Kräften und Clariant mit etwa 1500. Der Schwerpunkt liegt auf den Branchen Chemie und Pharma, doch finden sich im Industriepark auch eine Stiftung und eine Pensionskasse, ein Bildungsdienstleister oder auch eine Bank. Die meisten Betriebe haben Geschäfte von Hoechst übernommen oder gehen direkt auf den Konzern zurück.

Auch wenn die Hoechst-Aufspaltung weiter viele Frankfurter schmerzt: Das Stammwerk floriert. Davon zeugt die Reihe von Investitionen. Seit dem Jahr 2000 haben die Unternehmen dort 5,5 Milliarden Euro investiert, allen voran der Sanofi-Konzern, der in Höchst die größte Insulinproduktion auf der Welt unterhält und auch forscht. Celanese hat die Kunststoff-Fabrik seiner Tochter Ticona dort errichten lassen. Clariant lässt in der Nähe des alten Hoechst-Vorstandsturms sein Forschungszentrum bauen, und der niederländische Chemiekonzern Akzo Nobel verwirklicht das größte Einzelprojekt seiner Geschichte, eine Chlor- und Natronlauge-Anlage im Industriepark.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktienanlage Ein verändertes Umfeld bringt neue Favoriten mit sich

Anleger sollten die Aktien von Allianz, Anheuser-Busch Inbev und Sanofi im Blick behalten. Nach der jüngsten Korrektur bieten diese Titel nun Chancen. Eine technische Analyse. Mehr

12.09.2014, 12:38 Uhr | Finanzen
Deutsche Waffen in alle Welt

Jedes Jahr liefern deutsche Konzerne Rüstungsgüter in Millionenhöhe an Krisenstaaten. Unsere Grafik zeigt ausgewählte Länder, die Waffen und Zubehör von deutschen Unternehmen kaufen. Mehr

15.04.2014, 17:13 Uhr | Politik
Chinesischer Onlinehändler Alibaba vor größtem Börsengang aller Zeiten

Das Aktiendebüt von Alibaba wird alle bisherigen Dimensionen sprengen: Das Handelsvolumen des chinesische Onlinehändlers ist größer als Amazon und Ebay. Das Unternehmen will bis zu 24 Milliarden Dollar einsammeln. Mehr

06.09.2014, 05:05 Uhr | Wirtschaft
Die ’Apple Watch’ - eine neue Zeitrechnung?

Der Apple-Konzern präsentiert eine neuartige Smartwatch und zwei neue iPhones. Das Unternehmen spricht selbstbewusst von der besten Produktpalette seit 25 Jahren. Mehr

10.09.2014, 10:18 Uhr | Technik-Motor
Börsengang Alibabas Werbetour kommt bei Investoren gut an

Der chinesische Online-Händler Alibaba und sein geplanter Mega-Börsengang kommen gut bei den Investoren an. Die Nachfrage nach den Wertpapieren ist groß. Mehr

10.09.2014, 14:05 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 19:02 Uhr

Wenigstens keine Vignette

Von Matthias Alexander

Hessens Ministerpräsident gehört zu den wenigen Spitzenpolitikern in der CDU, die die Automaut-Forderungen der CSU von Anfang an unterstützt haben. Er hat dabei glücklicherweise auf populistische Argumente verzichtet. Mehr 1