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1. FFC Frankfurt Rückkehr unter erschwerten Bedingungen

Kim Kulig hat nach ihrem Comeback die Chance, im wegweisenden Spiel gegen Potsdam den FFC und sich selbst ein wichtiges Stück voranzubringen.

© Huebner/Voelker Furchtlos im Zweikampf: Kim Kulig ist nach langer Durststrecke beim FFC Frankfurt wieder gefragt.

Kim Kulig war vorgesehen als deutsches Gesicht und Star bei der Heim-Weltmeisterschaft 2011. Mit ihrer unbekümmerten Art und den wildem Lockenkopf sollte sie auffallen, mit ihrem dynamischen Fußballstil mitreißen. Doch als es richtig losging im Viertelfinale, zog sie sich nach drei Spielminuten einen Kreuzbandriss zu. 17 Millionen Fernsehzuschauer sahen, wie sie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen lag. Nun, beinahe zwei Jahre später, ist Kim Kulig immer noch dabei, aufzustehen. „Ich bin immer noch nicht am Limit, weil ich auf meinem Weg zurück immer Rückschläge bewältigen musste“, sagt die 23 Jahre alte Mittelfeldspielerin des FFC Frankfurt. Der Kreuzbandriss heilte nur schleppend, es folgten weitere Verletzungen: Nasenbeinbruch, Außenbandverletzung. Aus der Draufgängerin ist eine nachdenkliche Spielerin geworden. „Ich bin ein Typ, der schnell an sich zweifelt“, sagt sie. „Es ist so nervig, wenn man immer wieder zurückgeworfen wird.“

Ihre Fallhöhe war immens nach den Jahren ihres unaufhaltsamen Aufstiegs zum werbewirksamen Darling des deutschen Frauenfußballs. Die Schwäbin hat erfahren müssen, wie schnell man plötzlich nicht mehr gefragt ist. Wie sehr sich die Anerkennung, die sie erfuhr, aus ihrer Präsenz und Leistung auf dem Rasen speiste. Wie man als ewiger Reha-Patient auch in der FFC- und Nationalmannschaft zur Außenstehenden wird. Wie auch sie symbolhaft für einige Stars im Frankfurter Luxuskader stand, die keine Starleistungen bringen. „Ich habe gelernt, es mehr zu schätzen, wenn ich gesund auf dem Platz stehen kann“, sagt Kim Kulig. „Ich hatte wenig Konstanz in den letzten Monaten. Es war ein ewiges Auf und Ab.“ Am vergangenen Wochenende absolvierte sie beim 5:2 gegen den FCR Duisburg ihr erstes Bundesligaspiel über volle neunzig Minuten in diesem Jahr. Ganz zurück ist die alte Tatkraft zwar noch nicht, die sie im Sommer auch in den deutschen EM-Kader tragen soll. Aber dennoch hat Kim Kulig gute Chancen, auch an diesem Mittwoch im für den FFC so bedeutenden Spiel gegen Turbine Potsdam in der Startformation zu stehen. Den Frankfurterinnen bietet sich nach dem Tief der vergangenen Woche doch noch die Chance, mit einem Sieg ihrem Saison-Minimalziel - Bundesligaplatz zwei und damit der Champions-League-Qualifikation - näher zu kommen. Bei einer neuerlichen Niederlage läge die Saison dagegen endgültig in Trümmern.

Nach turbulenten Tagen

Dass der Frauenfußball-Klassiker zwischen den beiden Erzrivalen so viel Bedeutung über den Spieltag hinaus erlangen könnte, hängt mit der überraschenden Niederlage der Potsdamerinnen am Sonntag in Essen zusammen. „Wir haben in dieser verrückten Saison wieder mal den Ball zugespielt bekommen“, sagt Kim Kulig. So könnte der FFC (38 Punkte) den Meister (37), der freilich noch ein Nachholspiel als Zusatzchance hat, vor den letzten drei Spieltagen abhängen.

Der FFC hat nach turbulenten Tagen und der Entlassung von Trainer Philipp Dahm wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Interimstrainer Sascha Glass, der sich in Windeseile von Mädchenfußball auf Bundesligafußball einstellen muss, fordert, sein Team müsse „die gegen Duisburg gezeigten Schwächeperioden minimieren“. Denn Turbine ist in Frankfurt nicht nur stets besonders motiviert, sondern fraglos auch ein anderes Kaliber als die Duisburgerinnen. Nach der Niederlage in Essen sind die „Turbinen“ nicht mehr nach Hause zurückgekehrt, sondern holen sich den letzten Schliff vor dem Duell am Main in der hessischen Stadt Grünberg. Es wird spannend werden zu sehen, ob die von Trainer Glass erfolgreich vorgenommene Systemumstellung hin zu einem klassischen 4-4-2 den Frankfurterinnen genug Schubkraft verliehen hat, um auch Turbine erfolgreich die Stirn zu bieten. Denn die Lage beim FFC, darüber darf auch der in Teilen überzeugende Sieg gegen Duisburg nicht hinwegtäuschen, bleibt angespannt. „Wir dürfen den Glauben an uns nicht verlieren“, sagt Kim Kulig.

Quelle: F.A.Z.

 
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