Home
http://www.faz.net/-gzg-762gr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

0:3 gegen Mainz Fürther Katastrophe

Der Mainzer Torjäger Adam Szalai trifft doppelt und hat nun ebenso viele Tore geschossen wie die gesamte Fürther Mannschaft zusammen: elf. Dafür muss er nun einen Besuch seiner Familie absagen. Fürth ist derweil auf dem direkten Weg zurück in die Zweite Liga.

© dpa Vergrößern Ich war’s: Szalai (rechts) markiert das Mainzer Führungstor gegen Fürth, Ivanschitz begleitet ihn

In der Vergangenheit war Fürth für Mainz 05 einmal ein höchst unangenehmes Reiseziel. Dafür hätten die Gastgeber am Samstag nicht einmal per Anzeigetafel an einen 8:0-Sieg der Kleeblätter beim ersten Aufeinandertreffen im Jahr 1927 erinnern müssen. Vielmehr glauben die Mainzer seit gemeinsamen Zweitligajahren schon lange an einen wahrhaftigen Fürth-Fluch, weil sie mehr als ein Jahrzehnt lang und fast 20 Spiele in Serie bis zum ersten Sieg im Jahr 2009 warten mussten.

Daniel Meuren Folgen:      

Beim 3:0-Auswärtssieg nach zwei Treffern von Torjäger Adam Szalai (53. und  83.) sowie dem ersten Bundesligator von Yunus Malli (66.) gewannen die Rheinhessen nun aber ganz ohne böses Omen souverän und auch in der Höhe verdient und festigten ihren Platz in den Europapokalrängen.

Fürth ohne Kampfgeist

„Ein 3:0 auswärts bleibt für uns immer etwas Besonderes“, sagte Trainer Thomas Tuchel. „Wir haben es geschafft, uns auf unsere eigene Leistung zu konzentrieren und die Rahmenbedingungen auszublenden.“ Damit meinte der Trainer weniger den vermeintlichen Fürth-Fluch, sondern vielmehr die Ausgangslage für den Gegner. Die Fürther, die ihren bislang einzigen Bundesligasieg der Vereinsgeschichte im Hinspiel in Mainz errungen hatten, riefen das Duell mit Mainz zum Auftakt einer Aufholjagd aus, die den Tabellenletzten noch wenigstens auf den Relegationsplatz führen soll.

Den großen Worten ließen die im eigenen Stadion auf Konter lauernden Franken freilich keine Taten folgen. Stattdessen fügten sie sich nach einigen entscheidenden und harten Zweikämpfen, die die konzentrierten Mainzer für sich entschieden, in ihr Schicksal. „Wir haben zweieinhalb Jahre darauf hingearbeitet, Bundesliga erleben und fühlen zu dürfen, um dann heute in einem Spiel mit dieser Bedeutung die zweite Halbzeit 0:3 zu verlieren“, sagte Fürths Trainer Mike Büskens desillusioniert.

Mehr zum Thema

Statt leidenschaftlichem Abstiegskampf des Schlusslichts sahen die nur 14.000 Zuschauer einen abgeklärten und dominanten Auftritt der Rheinhessen. Auf die erste echte Torchance mussten sie freilich bis zur 53. Minute warten. Adam Szalai nutzte die Gelegenheit umgehend im Nachschuss, nachdem der Fürther Torhüter Hesl einen ersten Torschussversuch von Andreas Ivanschitz noch abwehren konnte. Beim 2:0 in der 66. Minute war Yunus Malli per Abstauber der Nutznießer, nachdem Szalai bei seinem Schuss noch die Genauigkeit fehlte.

Malli auf ungewohnter Position

Malli krönte mit seinem ersten Bundesligator eine akzeptable Leistung auf ungewohnter Position. Der 20 Jahre alte Deutsch-Türke, nach Worten von Trainer Tuchel eher für die etwas offensivere Halbposition in einer Mittelfeldraute prädestiniert, war als „Sechser“ ins Spiel gegangen, weil sein Team auf dieser Position vorübergehend mit einem personellen Engpass zu agieren hatte. Am Freitag hatte Eugen Polanski den Klub wegen eines deutlich besseren Gehaltsangebots der TSG Hoffenheim auf eigenen Wunsch und nach Überweisung einer Ablösesumme von wohl mindestens drei Millionen Euro verlassen dürfen.

Der nahezu zeitgleich vom belgischen Erstligaklub FC Brügge verpflichtete dänische Nationalspieler Niki Zimling war indes am Samstag noch nicht für die „05er“ spielberechtigt. Er war in Fürth zwar als Zuschauer anwesend, stand aber nicht als Ersatz für den noch wegen einer Zerrung verhinderten Elkin Soto zur Verfügung. „Ich habe die Position in der Vorbereitung in allen Testspielen gespielt“, sagte Malli . „Wenn ich der Mannschaft da helfen kann, dann mache ich das sehr gerne.“

Szalai fehlt gegen Bayern

Ein Wermutstropfen für die Mainzer war derweil die fünfe Gelbe Karte für Adam Szalai, der nach einem Pass von Marcel Risse per Lupfer den Endstand erzielte Schiedsrichter Marco Fritz bestrafte den ungarischen Fußballer des Jahres für eine vermeintliche Schwalbe im Strafraum. „Das kotzt mich an, weil mein Gegenspieler mich berührt hat“, sagte Szalai, der allerdings wie gewohnt sehr theatralisch zu Boden ging. Der bereist elfmal und somit genauso oft wie die gesamte Fürther Mannschaft erfolgreiche Torjäger verpasst nun nicht nur das Top-Spiel gegen Bayern München am kommenden Samstag. „Ich hatte auch schon Karten besorgt für meine ganze Familie, die mich sehen wollte“, sagte Szalai. Den Besuch seiner in Budapest beheimateten Verwandten will er nun absagen.

SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 0:3 (0:0)

SpVgg Greuther Fürth: Hesl - Zimmermann, Kleine, Mavraj, Baba - Pekovic, Fürstner - Stieber (69. Park), Zillner (70. Asamoah), Sararer - Nöthe (46. Djurdic)
FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Júnior Díaz - Baumgartlinger, Malli (85. Ede) - Nicolai Müller, Ivanschitz (68. Kirchhoff), Caligiuri (46. Risse) - Szalai
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 14 425
Tore: 0:1 Szalai (53.), 0:2 Malli (65.), 0:3 Szalai (84.)
Gelbe Karten: Fürstner (5) / Malli (1), Nicolai Müller (4), Szalai (5)

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eintracht Frankfurt Die Eintracht ist sich selbst ein Rätsel

Ratlosigkeit nach dem 1:3 beim rheinhessischen Nachbarn: Auch in Mainz verspielen die Frankfurter eine Führung und brechen danach ein. Verteidiger Zambrano handelt sich schon wieder eine Sperre ein. Mehr Von Ralf Weitbrecht, Mainz

22.02.2015, 16:11 Uhr | Rhein-Main
Mainz-05-Trainer Schmidt Zügellose Leidenschaft

Der neue Mainzer Trainer Martin Schmidt will die 05er in der Bundesliga zügellosen Vollgasfußball spielen lassen. Der Schweizer predigt Emotionalität, Leidenschaft und Feuer. Mehr

17.02.2015, 19:10 Uhr | Sport
3:1 gegen Frankfurt Mainz singt und lacht immer noch

Auch nach Aschermittwoch wird in Mainz weitergefeiert: Der FSV dreht mit dem neuen Trainer Schmidt das Rhein-Main-Derby gegen Frankfurt und gewinnt mit 3:1. Für die Eintracht endet das Spiel in Unterzahl. Mehr Von Peter Heß, Mainz

21.02.2015, 17:36 Uhr | Sport
Bremen-Trainer Skripnik Wir müssen keine Angst haben

Werder Bremen ist mit vier Siegen in Folge das Team der Stunde in der Bundesliga. Gegen Überraschungsteam Augsburg soll der Höhenflug für die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik am Samstag weitergehen. Mehr

13.02.2015, 20:30 Uhr | Sport
Fußball-Bundesliga Mainzer Trainer Hjulmand vor dem Aus

Nach FAZ.NET-Informationen muss der Mainzer Bundesliga-Trainer Kasper Hjulmand spätestens am Dienstag seinen Posten räumen. Von einer angedachten letzten Gelegenheit zur Kurskorrektur gegen Frankfurt nimmt der FSV Abstand. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

16.02.2015, 14:38 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.01.2013, 17:47 Uhr

Blockupy und die Gewalt

Von Helmut Schwan

Es gibt Grüppchen im Netz, die planen vollmundig die Stilllegung der EZB-Eröffnung. Für die Polizei entwickelt sich dieses Gewaltpotential zu einer doppelten Herausforderung. Aber auch die Blockupy-Bewegung ist hier gefragt. Mehr 1