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Zum Reiten nach Moçambique : Das Glück der Pferde

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An der Küste Moçambiques arbeiten alle im Fischfang mit. Bild: CHROMORANGE / CHROMORANGE / FOTO

Die Retzlaffs mussten aus Zimbabwe fliehen – mit 104 Pferden. Dass sie in Moçambique ein Zuhause gefunden haben, ist eine Urlaubsoffenbarung für jeden Reiter.

          Princess hat die Ohren leicht nach hinten geneigt. Alles ganz entspannt, könnte gerade nicht besser sein, heißt das in etwa. Die Stute planscht mit den Hufen im seichten klaren Wasser vor der Ilha de Benguerra im Indischen Ozean und scheint die Reiterin auf ihrem Rücken fast vergessen zu haben. Shelby Janes lässt ihr lange Zügel. Ein paar Strandspaziergänger zücken ihre Kameras und halten diesen idyllischen Moment fest: vor Anker liegende Fischerboote im Hintergrund und fluffige Wolken am azurblauen Himmel.

          Die Geschichte der Vertreibung

          Wenn die leichte Brise dieses ostafrikanischen Sommertages mit Princess’ dunkler Mähne spielt, sieht nur Janes die gezackte Narbe am Haaransatz des Pferdes. Das, was von einer tiefen Schusswunde übriggeblieben ist. Das Pferd wäre bei dem Angriff beinahe gestorben. Die Fotografen ahnen nicht, dass unter Princess’ Mähne eine blutige Geschichte der Vertreibung steckt, die in dieser Inselkulisse nach Jahren endlich ihr gutes Ende gefunden hat. Dass Princess’ Besitzer die Stute und über hundert weitere Pferde in einer abenteuerlichen Flucht vor den wütenden Anhängern eines Präsidenten Robert Mugabe aus Zimbabwe hierher nach Moçambique retteten. Hier tragen sie nun Reiturlauber über viele Kilometer lange einsame Sandstrände, durch ungezähmte Mangrovenwälder und zu verstreuten Dörfern einheimischer Fischer.

          Mandy Retzlaff und Princess, eines der Pferde mit denen sie aus Zimbabwe geflohen ist.
          Mandy Retzlaff und Princess, eines der Pferde mit denen sie aus Zimbabwe geflohen ist. : Bild: Karin Finkenzeller

          „Weiße Farmer wurden nie als Flüchtlinge wahrgenommen oder gar anerkannt. Wir mussten uns selbst helfen“, sagt Mandy Retzlaff. Die 62-Jährige sagt es ganz nüchtern, scheinbar ohne Groll oder Resignation und streicht Princess nach dem Ritt über die schmale weiße Blesse. Es ist, als habe sie jeden Zorn darüber, dass Weiße in Afrika, Nachkommen von Kolonialherren, die erwachsene männliche Angestellte mit Selbstverständlichkeit „boys“ nannten, nicht auch Opfer sein können, vor langer Zeit weggesperrt und den Schlüssel fortgeworfen. Schmerz und Wut erlaubt sie sich nur, wenn sie erzählt, was Mugabes Leute ihren Tieren und denen anderer Farmer antaten, um Vergeltung zu üben.

          Vergeltung vergeben?

          Vergeltung an den 6000 Weißen, denen die Kolonialregierung im einstigen Südrhodesien gut 15 Millionen Hektar des besten Farmlands zugesprochen hatte. 700 000 schwarze Familien, mehr als vier Millionen Menschen, teilten sich derweil nur wenig mehr Agrarfläche. 1980, als Mugabe nach der Unabhängigkeit von Großbritannien zunächst Premierminister wurde, besaßen weiße Farmer noch immer 42 Prozent des Landes.

          Freunde und Nachbarn von Mandy und ihrem Mann Patrick starben, als die Veteranen des Unabhängigkeitskriegs anfingen, ab dem Jahr 2000 die jahrelang hinausgezögerte Landreform gewaltsam einzufordern und Farmen zu besetzen. Viele andere Farmer wanderten aus, in die Nachbarländer Südafrika und Sambia, aber auch weit weg, nach Australien und Neuseeland. Die Rinder und die Schafe schlachteten sie meist vorher. Aber was tun mit den Pferden?

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