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Zagoria : Das bestgehütete Geheimnis Griechenlands

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Nein, das sind nicht die Dolomiten: Das Dorf Papigo, dramatisch überragt von den Astraka-Bergen. Bild: Elke Sturmhoebel

Ins Pindos-Gebirge verirren sich selten Touristen. Dabei bietet die Region Steindörfer aus osmanischer Zeit, die tiefsten Schlucht der Welt – und eine Wahnsinnskulisse.

          Ein Komboloi, eine jener kurzen Perlenketten, die griechische Männer immer so gern um die Finger wirbeln, wenn sie keinen Autoschlüssel zur Hand haben, baumelt am Rückspiegel. Doch jetzt ist wirklich keine Zeit für Spielereien. Der Busfahrer muss sich auf die Haarnadelkurven konzentrieren und zieht dabei eine Show ab: Jedesmal, bevor er das Steuerrad in die nächste Kehre schwenkt, bekreuzigt er sich, als habe sein letztes Stündlein geschlagen. Doch so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Kein Verkehr tost durch die Zagoria, den „Ort hinter den Bergen“. Höchstens Ziegen oder Wildpferde kreuzen den Asphalt. Keine Menschenseele weit und breit, die umliegenden Dörfer wirken wie ausgestorben. Sie verschmelzen mit dem Gestein der Umgebung und sind erst auf den zweiten Blick auszumachen.

          Zwölf Kilometer hinter Aristi taucht Papigo auf, eines von 46 Zagori-Dörfern und mit einer Wahnsinnskulisse ausgestattet. Mächtigen Säulen gleich schießt der felsige Astraka als Teil des Tymphi-Massivs senkrecht in den Himmel. Auf dem Koloss haben sich möglicherweise epirotische Götter in exponierter Lage einen prächtigen Thron geschaffen, um das nördliche Pindos-Gebirge besser überblicken zu können. Dort oben auf dem abgeflachten Gipfel in mehr als zweitausend Meter Höhe liegen noch Anfang Mai hermelinweiße Polster. Der Schnee wird erst im Juni endgültig weggeschmolzen sein.

          Auferstanden aus Ruinen

          Zwei Kilometer weiter, in Mikro Papigo, dem tausend Meter hoch gelegenen Dorfableger, hört die Straße auf. Im letzten Haus am Ende des gepflasterten Fußweges erwartet Elsa Exarhou ihre neuen Gäste. Zusammen mit ihrem Bruder führt sie das kleine, feine Hotel „Mikro Papigo 1700“, wobei die Zahl für das Baujahr steht. Es war das erste Hotel in Epirus im Nordwesten Griechenlands, das als „grün“ ausgezeichnet wurde. Jedes der individuell ausgestatteten Zimmer hat einen Kamin, über den sich der Gast an kühlen Tagen freuen dürfte. Von der Frühstücksterrasse schaut man hinunter auf das Dorf mit den wuchtigen Natursteinhäusern, deren ausladende Dächer mit unregelmäßigen Schieferplatten gedeckt sind. Sie liegen lose auf und halten einzig durch ihr Gewicht.

          Das Hotel ist auferstanden aus Ruinen. Schon vor langer Zeit war das Haus von Elsas Vorfahren verlassen worden und durfte nur originalgetreu wieder aufgebaut werden. Der Denkmalschutz habe ein Auge darauf und habe sogar jedes einzelne Fenster vermessen, berichtet sie. So gibt es in den Zagori-Dörfern praktisch keine Bausünden. Alles wirkt wie aus einem Guss. Schon in den achtziger Jahren wurden die Dörfer aus Kalkstein und Schiefer unter Schutz gestellt, um den authentischen Charakter zu bewahren. Heute zählt die Zagorochoria zu den besterhaltenen traditionellen Siedlungen Griechenlands. Ein Schild an einer Hauswand in Mikro Papigo zeigt Soldaten in historischen Uniformen. „Wir kämpfen für Griechenland. Sogar um jeden Stein“, übersetzt Elsa den Text darunter.

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