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Portland, Jamaika : Ein Strand für alle

Einfach, aber charmant: Die Bar unter den Mandelbäumen von Winnifred Beach Bild: bali

Winnifred Beach: Unter Mandelbäumen ruht sich das normale Jamaika aus – vom Kampf um die Traumstrände, von denen schon Errol Flynn nicht lassen konnte.

          Das Paradies liegt nicht da, wo es alle vermuten. Der Strand, der Jamaika zum Sehnsuchtsziel für die Massen aus aller Welt gemacht hat, liegt ganz im Westen der Westindischen Insel und ist bemerkenswert lang: elf Kilometer. Tatsächlich ist der Seven Mile Beach von Negril so weiß und fein wie Puderzucker, so wie man es seit den 1970er Jahren in jedem Karibikkatalog sehen kann. Er fällt sanft und sehr langsam ins Meer ab, man könnte leicht eine ganze Kindergartengruppe alleine beaufsichtigen, in diesem Wasser würde man gern den ganzen Tag verbringen, wäre da nicht die immerzu energisch brennende Sonne und das, was man gerne ausblendet, wenn man auf der Suche nach Wärme um die halbe Welt geflogen ist: Horden von Springbreakerinnen mit zu enger Badebekleidung und zu viel Glitzer im Gesicht. Pauschalreisekleingruppen, die ihren jamaikanischen All-inclusive-Resortanlagen (entweder im toskanischen Villenstil oder in retroneoklassizistischer Bunkeranmutung) auf der Suche nach etwas entflohen sind, das im Prospekt „Lokalkolorit“ heißt. Und dann wären da noch die professionellen Anschnacker, die sich auf die beiden Spaziergängergruppen konzentrieren. Die Sonne versinkt an wenigen Orten so vielfarbig und postkartendramatisch im Meer wie am Seven Mile Beach – aber was vor dieser Kulisse geboten wird, ist nicht Jamaika, sondern die böse Karikatur, die eine bestimmte Form von Tourismus daraus gemacht hat.

          Ein normaler Sonntag am Strand

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sich dafür interessiert, wie die normalen Leute in der Karibik den Sonntag am Strand verbringen, muss fünf Stunden über die Schnellstraße ans andere Ende der Insel fahren. Portland im Nordosten ist der Bezirk, in dem es am meisten regnet, dessen Grün einen anspringt und umarmt, wo weder Machete oder Teerstraße es daran hindert. Hier liegen die mächtigen Blue Mountains, die bis über 2000 Meter hoch ansteigen und oft wolkenverhüllt sind. In Portland gibt es deutlich weniger Massenbeherbergungsbetriebe als rund um Montego Bay, und die Kreuzfahrtschiffe docken auch weiter im Westen an, in Ocho Rios. Die Küste hier fühlt sich weniger überlaufen an, ist zerklüfteter, es gibt viele kleine Buchten, der Sand ist manchmal dunkler, manchmal kieseliger, hier fließen viele Flüsse ins Meer, auf manchen kann man mit Flößen das letzte Stück mitfahren.

          Akee - sieht wie Rührei aus, ist aber eine Baumfrucht und Teil des jamaikanischen Nationalgerichts.

          Ein paar Buchten östlich von Port Antonio liegt Winnifred Beach. Er ist einer der letzten Strände der Gegend, die frei zugänglich sind – und schon deswegen ein Politikum. Über eine Straße mit riesigen Schlaglöchern geht es mit einem Allradjeep oder – wenn der Taxifahrer sich mit Verweis auf seine empfindlichen Stoßdämpfer weigert – eine Viertelstunde zu Fuß den Hügel hinunter zu einem von Kokospalmen gesäumten Gelände mit einem Volleyballnetz, ein paar selbstgezimmerten Hütten und Tresen, an denen Essen und Getränke verkauft werden. Am östlichen Ende der kleinen Bucht liegt eine Süßwasserquelle, ein kleiner Bach läuft ins Meer, Kinder hüpfen darin herum und bauen Staudämme, Eltern finden Schatten unter den großen alten Mandelbäumen.

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