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Yeats’ Irland : Das Land der Sehnsucht meines Herzens

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„Decken so hoch wie in einer Kirche. Säulen, die bis in den Himmel ragen“, notiert ein verstörter Yeats in seinen Erinnerungen über Lissadell House. Bild: Martin Glauert

Im rauhen Nordwesten Irlands verbrachte der spätere Nobelpreisträger William Butler Yeats seine Kindheit. Das sollte sein gesamtes Schaffen bestimmen. Und er prägt das Land um Sligo bis heute.

          Daryl, unser einheimischer Begleiter, ist nicht gut auf den großen Dichter zu sprechen, und er nimmt kein Blatt vor den Mund. „Die ganzen Gedichte wurden uns in der Schule regelrecht in den Kopf gebohrt“, erinnert er sich. „Irgendwann kommen sie dir zu den Ohren heraus.“ Das ist ein wenig respektlos, immerhin geht es um den irischen Nationaldichter und den „local hero“ dieses Landstrichs. Wir sitzen im Gras am Rosses Point, einer steilen Landzunge, die den Eingang zum Hafen von Sligo kontrolliert. „Früher haben die Bewohner hier manchmal ein Feuer entzündet, um vorbeifahrende Schiffe auf die Klippen zu locken und dann die Ladung nach Hause zu schaffen“, erzählt Daryl, doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Denn das Feldsteinhaus hinter uns hat zwei runde Fensterhöhlen, die wie übergroße Augen zum Meer hinausschauen. Tatsächlich wohnten hier die Schiffslotsen, die nach den großen Dampfern aus Übersee Ausschau hielten, um sie dann sicher in den Hafen zu lenken. Das ist längst vorbei. Nur zwei oder drei Schiffe in der Woche kommen noch herein, bringen Kraftfutter oder holen Müll ab. Die meisten Fischer haben ihren Beruf aufgegeben und fahren stattdessen mit ihren Booten Touristen hinaus, um Robben, Delphine und Wale zu beobachten.

          Klein und beschaulich: Sligo, Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft.

          Vor hundertfünfzig Jahren lief genau unter uns die „SS Liverpool“ ein, an Bord ein siebenjähriger Knabe aus London, stolz wie Oskar, schließlich gehörte das Schiff seinem Opa. Soeben war der Dampfer am Leuchtturm von Black Rock scharf nach backbord abgebogen, als plötzlich ein riesiger Mann mitten im Meer stand und mit seinem rechten Arm in Richtung Hafen wies, haarscharf an den Felsen entlang. Immer noch steht er da wie eine Fata Morgana, der Metal Man, eine überlebensgroße Boje in Menschengestalt. Er trägt eine tadellose britische Uniform, doch wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass er sich bei der Weste verknöpft hat – eine kleine subversive Gehässigkeit des irischen Schmieds gegen die britische Obrigkeit. Der kleine William freute sich auf die Ferien in Sligo, der Heimat seiner Eltern. Hier war er frei, spielte und tobte nach Herzenslust, ritt wie ein Cowboy und segelte wie ein Pirat. Stundenlang hockte er in den Hütten der Einheimischen und lauschte den Sagen und Märchen, die sie am Feuer zu erzählen wussten. Sie sollten sein literarisches Schaffen lebenslang prägen.

          Vom touristischen Hype links liegengelassen

          William Butler Yeats wiederum hat Sligo seinen Stempel aufgedrückt. Auf dem Weg vom Hafen in die Stadt führt die Straße an einem alten Lagerhaus vorbei, und vor lauter Verblüffung überfahren wir fast die rote Ampel. Vom oberen Stockwerk schaut eine gemalte dunkelhaarige Schönheit sehnsuchtsvoll in die Ferne. Darunter ist über die ganze Häuserfront in Handschrift ein Gedicht zu lesen. Es ist ein Liebesgedicht von Yeats an seine lebenslange unerfüllte Liebe Maud Gonne.

          Sligo hat offensichtlich einen Sinn für Romantik – wenigstens etwas, denn der wirtschaftliche Aufschwung ist an der freundlichen Kleinstadt vorbeigegangen, der touristische Hype hat sie links liegenlassen. Gerade das macht sie heute so sympathisch gelassen. Die kleinen Cafés am Fluss sind bisher verschont geblieben von schwatzenden Busladungen, nicht einmal auf kulturbeflissene deutsche Wohnmobileinzelkämpfer trifft man hier. Die Jugendlichen haben sich offenbar auf die vegane Salat-Boutique am Wehr eingeschossen, direkt dahinter ruhen Hausfrauen bei einer Tasse Kaffee vom Einkauf aus.

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