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Wider den E-Bike Trend : Gegen den Strom!

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Der Franzose Warren Barguil gewann am 20. Juli die knapp 180 Kilometer lange 18. Etappe der Tour de France von Briancon nach Col d’Izoard. Bild: dpa

15.000 Radfahrer haben an der diesjährigen Amateurtour der Tour de France teilgenommen. Sie alle versuchen, die Bergetappen zu meistern. Ein Vorhaben, dass Ehrgeiz fordert – und Schmerzen bereitet.

          Wir wollten sie kennenlernen, ihr so nahe kommen wie nie zuvor. Im Sattel sitzend, Pedale tretend, und ja, leidend. Wir wollten sie ertasten und ergründen, sie spüren und schmecken: die Faszination Tour de France. Bitteschön, hier ist sie, genau hier, irgendwo an einer Flanke des Col d’Izoard. 33 Mal schon in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt sind die Radprofis über diesen 2360 Meter hohen Gesteinsbrocken geschickt worden. Und nun wir, die Teilnehmer des Rennens „L’Etape du Tour“. Unbedarft, aber voller guter Hoffnung.

          Hinter uns: kurvige Rampen in den Abgrund. Vor uns: ein steiles Asphaltband in den Himmel. Tatsächlich ist das Vorhaben für den Hobbyradler mit Trainingsrückstand eher ein Himmelfahrtskommando. Ertasten können wir seit über acht Stunden im Sattel nur Lenker und Bremsen. Wir ergründen gerade die Frage, wie es sich radelt, wenn der Tank leer und die Reserven nur noch mentaler Natur sind. Wir spüren des Überlastungsschmerzes reine Seele, die immer wieder Krampfvorboten in die Schenkel schickt.

          Wie die Tour schmeckt? Nach Energy-Gel, Geschmacksrichtung Apfel, giftgrüne Verpackung. Klettermaxens Treibstoff. Gefühlt eine Ewigkeit haben wir herumgenestelt an dem Tütchen, das uns mit einer weiteren Dosis Kohlenhydrate fluten soll. Doch das vermaledeite Ding geht nicht auf. Wir fragen Matt – so steht es hinten auf seiner Startnummer neben einer britischen Flagge –, ob er helfen könne. Matts Radschuhe machen bei jedem Schritt auf der Passstraße klack-klack. Er schiebt sein Velo den Izoard hinauf.

          Unverstärkt über den Izoard

          Der Schweiß hat in seinem Gesicht weiße Salzablagerungen hinterlassen. Drei Rennfahrer stehen im schmalen Schatten, den eine einzelne Pinie auf die Straße wirft. Gemeinsam einsam. Andere lassen sich am Straßenrand einfach hinplumpsen, alle Viere von sich gestreckt, in den tiefblauen Himmel blickend, schweigend. Es ist zweifelhaft, ob sie das Duell gegen den Izoard bestehen. Und sie spüren das. Immerhin ist das Gel nun offen.

          Wir werden überholt von Väterchen, deren Buckel sich deutlich abzeichnen unter den quietschbunten Trikots, deren Beine aber aus definierten Muskelsträngen bestehen. Wieder passieren wir „Klößchen“. Wir haben den untersetzten Mann mit den baumstammdicken Schenkeln und dem rosafarbenen Trikot so genannt. Er scheint, während wir die Verpflegungsstationen nutzen, keinen Halt zu machen und taucht immer wieder vor unserem Lenker auf. Er lebt von seiner imposanten Substanz.

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          Der Kopf des Izoards und damit das Ziel der diesjährigen „L’Etape du Tour“ scheint nah – und ist doch so fern. Was für ein übler Scherz der Franzosen, 15 Kilometer unterhalb des Gipfels ein Dorf Arvieux zu nennen, dessen Ortseingangsschild sich von fern wie „Arrivée“ liest. Es spricht nicht gerade für unsere Haltung auf dem Rad, wenn sogar der Gendarm am Straßenrand aufmunternd ruft: „Courage, Monsieur, courage!“ Und doch haben wir es so gewollt. Genau so. Le Tour de France – auch wenn sie in unserem Falle recht petit erscheint – ohne Leid wäre wie Pommes ohne Salz. Geht nicht. Ist nicht vorgesehen.

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