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Veröffentlicht: 26.04.2016, 14:23 Uhr

Südafrika Jenseits von Gnu und Löwe

Und plötzlich ein Dreh zu viel: Auf Weinsafari in Südafrika

von Oliver Maria Schmitt
© Oliver Maria Schmitt Welcher Wein passt zum Wild? Die beiden touristisch wichtigsten Momente der Gartenroute in Südafrika vereint.

Gesondheit, cheers, kwa siha yako! Da steht das Nashorn prall und bullig in der Botanik und äugt mich an. Ich hebe das Glas und proste ihm zu. Mit Sauvignon Blanc. Unter den fünf großen Rebsorten Südafrikas habe ich genau diese ausgewählt, weil beide, Tier wie Wein, eine sehr charakteristische Nase haben, an der man sie sofort erkennt. Golden schimmert der Trunk im Glas, mit grünlichen Reflexen. So wie der Urin, mit dem das Rhinozeros sein Revier markiert. Keine Frage - Wein und Tier, sie harmonieren hier.

Und bei den Elefanten? Kaum hat unser Landrover die nächste Anhöhe im Gondwana-Wildreservat erklommen, sehen wir sie auch schon: prächtige Muttertiere, die ihre Kälbchen nicht aus den Augen lassen. Ein Dickhäuter hebt den Rüssel zum Gruß, ich proste zurück, diesmal mit Cabernet Franc. Auch dieser tiefrote Tropfen passt bestens zum Tier, er kommt wuchtig, schwer, ja elefantös daher. Schon die Traube selbst mit ihrer ledrigen Schale ist ja ein echter Dickhäuter. Perfektes Pairing Nummer zwei.

Ranger Felix wendet den Wagen, nun suchen wir Büffel. Sanft rollen die grünen Hügel über die Kapspitze Südafrikas, wir holpern durch den Fynbos, grünes Land aus Blumen, Büschen und Sträuchern, einer der artenreichsten Winkel der Erde. Vorbei an einer Zebraherde, in der Ferne kreuzen Antilopen und Springböcke. Doch dafür habe ich jetzt keinen Sinn, ich will nur die „Big Five“, die fünf legendären Großtierarten. Ich will sie sehen und schmecken, ich will wissen, ob man sie auch trinken kann - als vinifizierte, abgefüllte und verkorkte Traubenflora, als Big Five der südafrikanischen Weine.

Big five, 1: Nashorn, Elefant, Büffel, Löwe und Leopard

Da vorne! Da steht ein Schock Büffel herum und käut den Feinbusch wieder. Dem Hornvieh proste ich mit einem kräftigen Pinotage zu. Die extrem würzige Spätburgundervariante passt gut zum Wild. Sie ist ein echter Südafrikaner, wurde dort erfunden und wächst in Massen, genau wie der würzig müffelnde Kaffernbüffel. Friedlich taxiert er mein seltsames Treiben, doch der Schein könnte trügen. Unter den Big Five gelten die Rindviecher als die gefährlichsten Tiere, sie töten weitaus mehr Menschen als Löwen. Schließlich heißen die großen Fünf nicht so, weil sie besonders groß sind, sondern weil die Jäger der afrikanischen Kolonialzeit besonders großen Respekt vor ihnen hatten. Weil diese Fünf nach einem nicht immer todbringenden Schuss oft noch auf ihre Mörder losgingen. Deswegen gehört die riesengroße Giraffe auch nicht zur berühmten Fünfergruppe aus Nashorn, Elefant, Büffel, Löwe und Leopard.

39817860 © Oliver Maria Schmitt Vergrößern Weintrinken bis man Elefanten sieht - grau und rosa.

Was aber nicht tragisch ist, denn Giraffen können mit Wein eh nichts anfangen. Gestern ging ich in der Dämmerung spazieren, die Sonne tropfte gerade als merlotfarbener Rotweinrand hinter die Kette der Outeniqua-Berge, da kreuzte ein Giraffenpärchen meinen Weg. Ich prostete den Langhälsen mit einem Sauvignon Blanc zu, er harmonierte irgendwie mit der Fellfarbe, doch die beiden wandten sich nur angewidert ab. Zu Recht, denn der fett aromatische Tropfen passte geschmacklich gar nicht zu den schlanken, filigranen Gestalten.

Plötzlich brauste Felix im Landrover heran. Er war aufgeregt und wollte wissen, warum ich so was Verrücktes machte. „Weil ich auf Wein-Safari bin.“ - „Das meine ich nicht. Sie können auf einer Safari machen, was Sie wollen, auf Swahili bedeutet Safari jede Art der Reise, das kann auch nur ein Spaziergang sein. Aber Sie dürfen nicht alleine außerhalb des bewachten Campgeländes spazieren! Hier sind Löwen unterwegs!“

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