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Wein aus Moldau : Angela Merkel irrt sich nie

In dieser Erde gedeiht fast alles, was man hineinsteckt: Moldaus Weinanbaugebiet „Valul lui Traian“ nahe der rumänischen Grenze Bild: Carola Fritzsche

In der kleinen Republik Moldau wird mehr Wein angebaut als in Deutschland. Doch kaum jemand kennt ihn in Westeuropa. Immerhin weiß die Kanzlerin, dass er das nicht verdient hat. Eine Fahrt durch ein stolzes, trauriges Land.

          Wer das größte Weindepot der Republik Moldau besuchen will, muss unter die Erde gehen. Und sein eigenes Auto dabeizuhaben schadet auch nicht. Denn nicht immer ist für spontane Besucher noch ein Platz in der kleinen Bahn frei, die in die Tunnel fährt. Wir sind spontan in Cricova und haben zum Glück auch unser eigenes Auto dabei. Hundertzwanzig Kilometer weit haben sich hier die Tunnel in das Kalkgestein gegraben. Fast möchte man meinen, so versteckt wie die Kunde von der Qualität des moldauischen Weins in Westeuropa ist, so versteckt hält das Land auch seine Weinschätze. Doch weit gefehlt. Der Keller im Umland der Hauptstadt Chişinau bietet regelmäßige Führungen an und hat schon illustre Gäste gesehen. Seit 1952 lagern hier Flaschen und Fässer unter der Erde. Damals hatte man festgestellt, dass die Temperaturen sommers wie winters zwischen zwölf und vierzehn Grad liegen - ideale Bedingungen für die Weinlagerung, so wie dieses kleine Land ohnedies ideale Bedingungen für den Weinanbau bietet.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Filip Vascanu, der uns auch in den kommenden Tagen durch sein Land fahren wird, schwingt sich hinter das Lenkrad und startet den Motor. Er tut das immer etwas umständlich, denn sein linkes Bein ist nach einer missglückten Operation etwas steif. Fahren könne er aber sehr gut, sagt er. Er tut es auch. Die meiste Zeit sitze er sowieso hinter dem Lenkrad, schließlich sei das sein Hauptberuf: Chauffeur und nicht Touristenführer. Wir vertrauen ihm spätestens seit den Schlaglöchern, die er auf dem Weg von Chişinau hierher so meisterlich zu umfahren wusste, dass wir sie, wären da nicht die Schlängelbewegungen des Autos gewesen, überhaupt nicht bemerkt hätten. Die vor uns liegende Strecke wird also ein Kinderspiel, zumal wir der kleinen Besucherbahn durch ein großes Holztor in das Straßengewirr des Kellers folgen. Der Weg ist leicht abschüssig, aber ebenmäßig gepflastert. Durch die heruntergekurbelten Fenster weht kühle Luft ins Wageninnere.

          Dreißig Millionen Liter Wein lagern hier in Fässern

          Wir tuckern langsam hinter der Bahn her, und Filip Vascanu übersetzt uns, was die Dame von der Weinkellerverwaltung vor dem Start erzählt hat: Den Steinbruch gibt es seit dem vierzehnten Jahrhundert. Nur die Hälfte der Tunnel dient als Weinlager, die übrigen nutzt man noch immer für den Kalkabbau. Eine Million Flaschen sollen hier unten liegen und dreißig Millionen Liter Wein in Fässern. Die unterirdischen Straßen tragen die Namen der Traubensorten, die dort gelagert werden. Wir rollen gerade den Chardonnay-Weg entlang. Dutzende runder Holzportale links und rechts lassen das Ausmaß der Weinlager dahinter erahnen.

          Vor einigen großen Eichenfässern kommt die Bahn zum Stehen. Dann erkennen wir lauter Regalreihen, jede bis oben hin gefüllt mit Sektflaschen. „Unser Champagner“, sagt die Führerin, die jetzt aus dem Bähnchen ausgestiegen ist. Champagner aus Moldau? Große Augen bei der Touristengruppe aus Italien. „Wir stellen ihn mit Genehmigung der Franzosen nach dem Prinzip des Dom Pérignon her. Die Flaschen werden von Hand gedreht, Sie sehen es an der Markierung“, sagt die Führerin und zeigt auf die weißen Striche an den Flaschenböden. Das besondere Herstellungsverfahren des französischen Mönchs will es, dass der Schaumwein zunächst sechs Monate lang im Fass und danach zweieinhalb Jahre lang in Flaschen gelagert wird. Und diese müssen alle paar Tage gedreht werden, damit sich die Hefe absetzt.

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