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Wartburgfest : Und sagen das Wahre und Rechte laut

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Es gab mehrere Gründe, weshalb die Jenaer Burschenschaft 1817 gerade die Wartburg für das Fest wählte: Ihre Bedeutung als Wallfahrtsstätte der Lutheraner, ihr Ruf als Wiege der deutschen Sprache und ihre zentrale Lage machten sie zu einem passenden Ort für ein „vaterländisches Fest“. Bild: dpa

Vor 200 Jahren kamen auf der Wartburg Hunderte Studenten zu einem Fest zusammen und forderten den modernen Nationalstaat. Einer von ihnen war Wilhelm Olshausen aus Holstein. Eine Entdeckungsreise.

          „Nein, so habe ich mir die Berge doch nicht vorgestellt, mein Vater“, schreibt Wilhelm Olshausen am 11. Oktober 1817 nach seiner Wanderung auf den Brocken, „und ich begreife sehr wohl, wie die Harzer auch in der bittersten Armut ihren frohen Sinn bewahren, denn es muß Wollust sein, zu darben, wenn man nur in solcher Natur leben kann.“ Seit einer Woche ist Olshausen, Kieler Student der Philologie und der Theologie, zu diesem Zeitpunkt unterwegs, über weite Strecken zu Fuß. Sein Ziel: die Wartburg, zu der die Urburschenschaften aus Jena und Halle Studierende aller protestantischen deutschen Universitäten eingeladen haben, um am vierten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und im Andenken an Luther ein Gedenkfest zu feiern, im gemeinsamen Streben, „ein Volk“ zu werden.

          Olshausen und seine Kommilitonen durchqueren nicht ein Land, sondern den Flickenteppich des Deutschen Bundes. Von Reinfeld bei Lübeck aus wandern sie zunächst im heimatlichen Herzogtum Holstein, gelangen dann, die Freie Stadt Hamburg westlich liegen lassend, übers Herzogtum Lauenburg ins Königreich Hannover und erreichen, mehrmals zwischen dem Braunschweigischen und Hannoverschen wechselnd, den Harz. Im deutschen Mittelgebirge öffnet sich für den Pfarrerssohn aus dem Norden eine neue Welt: „Die herrlichsten Aussichten und die sehenswürdigsten Gegenstände drängen sich hier so, daß man gar nicht Zeit hat, an die Länge und Holprigkeit des Weges zu denken.“

          Heute sind die Hauptwanderwege am Fuße des Brockens planiert. Ab und zu rauschen Mountainbikefahrer vorbei. Von Ilsenburg aus, wo auch Olshausen Station gemacht hatte, passiert der Wanderer zunächst einen Erlebniswald und das Kurpark-Hotel. Dann biegt links ein schmalerer Pfad ab, der in einem Bogen auf den Ilsestein führt, einen hundertfünfzig Meter hohen Granitfelsen. Es ist ein sonniger, früher Herbsttag, die ersten Buchen und einige Ahornbäume haben sich bunt verfärbt. Am Gipfel steht eine Bude, Wanderer können hier Waffeln, Wiener Würstchen und Zwetschgenkuchen kaufen. Familien rasten auf aufgebockten Baumstämmen.

          In der Ferne röhren zwei Hirsche

          „Der Anblick aller waldumkränzten Berge umher ist groß und erhebend, und lieblich liegt Ilsenburg zu den Füßen und beut durch den Rauch des Hüttenwerkes und die Schläge des Eisenhammers die frohe, rege menschliche Tätigkeit dem Beobachter neben der Majestät der Natur dar“, notiert Olshausen. Heute ist kein Hammer zu hören, doch noch immer beschäftigt die Ilsenburger Grobblech GmbH, ein Nachfolgeunternehmen der 1595 gegründeten Firma Ilsenburger Kupferhammer, mehrere hundert Mitarbeiter. Auch der Fremdenverkehr hat in der Region eine lange Tradition. Schon vor zweihundert Jahren gab es Reisebücher über den Harz, und Olshausen und seine Begleiter engagierten eine Führerin, die sie auf den Felsen brachte und ihnen den Weg zum Brocken beschrieb.

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