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Wagnisse im Schnee (3) Die vergebliche Suche nach der Ideallinie

Volksskirennen wie der Weiße Ring sind eher etwas für Rennfahrer und weniger fürs Volk. Wer die Sache nicht zu ernst nimmt, kommt dennoch um eine Erfahrung reicher ins Ziel.

© Lisa Mathis/LZTG Eleganz sieht anders aus: Nach dem Start muß man beim Weißen Ring erst einmal bergauf kraxeln.

Skirennen kennen die meisten von uns nur aus dem Fernsehen. Sportler in bunten, hautengen Rennanzügen rasen mit mehr als hundert Stundenkilometern über steile, vereiste Pisten. Eben hat bei der Abfahrt am Lauberhorn der Franzose Johan Clarey mit 161,9 Stundenkilometern einen neuen Geschwindigkeitsrekord bei Weltcuprennen aufgestellt. Das ist weit weg von allem, was man als alpiner Freizeitsportler erlebt.

Aber auch der Normalskifahrer kann Grenzerfahrungen machen. Dafür gibt es Volksskirennen, bei denen jeder starten kann. Dass diese Skirennen oft um ein Vielfaches länger als die Weltcupabfahrten sind, leuchtet anfangs nur schwer ein. Verstehen kann man das eher, wenn man die spezielle Historie dieser Veranstaltungen kennt, die in die Gründerzeit des alpinen Skilaufs zurückgeht. Damals war es mangels Aufstiegshilfen ganz normal, dass Rennen lang waren und mitunter auch bergauf verliefen, wenn es das Gelände nicht anders zuließ. Einige Freunde und Kollegen hatten sich solche Vergnügen schon gegönnt und mir mit leuchtenden Augen und einigen Blessuren von den Rennen erzählt, auch wenn sie vom Siegerpodest weit entfernt waren.

Von Weißen Rausch zum Weißen Ring

Wenn schon Rennen, dachte ich, dann dort, wo die Wiege des alpinen Skilaufs verortet wird, am Arlberg. In Lech, wo die eher diskrete Form des Nobeltourismus zu Hause ist, gibt es den Weißen Ring. Und der schien mir für mein Renndebüt einleuchtende Vorzüge zu haben. Während des Rennens sind mehrere Liftabfahrten zu absolvieren, willkommene Erholungspausen also. So habe ich mir das vorgestellt. Bei einer Länge von 22 Kilometern und 5500 Metern Höhenunterschied ist das auch unverzichtbar. Das sind grob gerechnet knapp zehn Abfahrtsrennen der Profikategorie.

Eigentlich ist der Ring eine Arlberger Institution, eine Rundtour mit Ski und Lift von Lech über den Rüfikopf ins benachbarte Zürs und von dort über den Zürsersee und das Madloch zur abgelegenen Siedlung Zug und schließlich über das Kriegerhorn und Oberlech zurück nach Lech. Vor sieben Jahren kam man auf die Idee, daraus ein Rennen zu machen. Drüben in St. Anton hat man mit dem Weißen Rausch ebenfalls ein Volksrennen, das aber ohne Liftfahrten auskommt und eine Hommage an das Werk des Regisseurs Arnold Fanck ist, der im Winter 1930 den gleichnamigen Film mit Leni Riefenstahl und dem Arlberger Skipionier Hannes Schneider drehte. Als man in Lech mit dem Weißen Ring anfing, waren zweihundert Skifahrer und Snowboarder am Start. Diesmal sind es rund eintausend, die im Abstand von anderthalb Minuten in Zwanzigergruppen starten.

Freizeitrennfahrer haben keine Manager

Der Tag vor dem Rennen ist wohl anstrengender als das Rennen selbst. Beim Tourismusverband muss man sich anmelden und die Startnummern und Gutscheine für den Skipass abholen. Danach geht es zur Liftkasse, an der einem das Zweitagesliftticket ausgehändigt wird. Es ist hektisch auf der Dorfstraße in Lech, etwas mehr vielleicht als sonst. Schwarze Geländewagen parken am Bürgersteig, teuer gekleidete Damen flanieren an den Vitrinen vorbei. Und dazwischen huschen sportliche Männer in engen Rennanzügen mit ungewöhnlich langen Skiern auf der Schulter über die Straße und haben es ganz offensichtlich eilig. Freizeitrennfahrer haben eben keine Manager, die sich um alles kümmern.

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