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Italien : Trio infernale

Aus den Gipfelkratern des Stromboli schießt die Lava in den Himmel. Bild: Ursula Scheer

Italiens Vulkane kann man auf unterschiedliche Weise bezwingen: eine Expedition auf den Stromboli, eine Regentour auf den Ätna und eine Taxifahrt auf den Vesuv

          Stromboli

          Für Leute mit Turnschuhen ist jetzt schon Schluss. Was es wohl zu bedeuten habe, wenn er, der Bergführer, Wanderschuhe wie diese trage, fragt Lorenzo in die Gruppe der Unbedarften hinein, die im Spaziergänger-Outfit vor ihm auf der Piazza stehen, und deutet auf seine schweren Stiefel. Lorenzo, ein sehniger Mann mit grauem Bart, dessen Alter schwer zu schätzen ist. Ungezählte Male schon hat er den Stromboli bestiegen, allein oder mit Touristen wie den zwanzig aus halb Europa, die sich an diesem Nachmittag um ihn versammeln.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Fast zehntausend Besucher kommen jedes Jahr auf die Insel nördlich von Sizilien, die nur fünfhundert Bewohner zählt - und einen Vulkan. „Iddù“, „ihn“, nennen die Einheimischen ihren Feuerberg in ehrfürchtiger Vertrautheit. Der Stromboli auf seinem gleichnamigen Eiland, der auch dem Dörfchen, in dem wir stehen, den Namen gibt, gilt als aktivster Vulkan Europas. Die östlichste Erhebung der zum Unesco-Weltnaturerbe zählenden sieben Äolischen Inseln, die alle vulkanischen Ursprungs sind, liegt auf einer Verwerfungszone, die nicht zur Ruhe kommt. Der sizilianische Ätna, der Stromboli und sein äolischer Bruder Vulcano, der Vesuv und das von Erdbeben regelmäßig erschütterte Apennin-Gebirge zeichnen nach, wo die afrikanische Kontinentalplatte sich unter die eurasische schiebt. Erst am vergangenen Mittwoch und dann nochmal am Sonntag haben starke Beben die Region östlich von Perugia erschüttert. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Tausende haben ihr Obdach verloren.

          Blick nach unten: auf dem Gipfel des Stromboli.
          Blick nach unten: auf dem Gipfel des Stromboli. : Bild: Ursula Scheer

          Alle paar Minuten verschafft sich der Stromboli Luft, mit kleineren und größeren Eruptionen. Weil sich so niemals über einen längeren Zeitraum Druck in der Magmakammer aufstauen kann, der sich irgendwann umso gefährlicher entladen würde, gilt er als vergleichsweise berechenbar. Stürzen seine Lavafontänen nicht in die Gipfelkrater zurück, strömen sie eine steile, den Inselweilern abgewandte Piste hinab ins Meer. Harmlos ist auch das nicht. Wenn große Mengen flüssiger Gesteinslawinen zischend auf die See treffen, können sie einen Tsunami auslösen. Und 1930 schoss aus den Kratern ein pyroklastischer Strom über die Insel: eine rasende, Hunderte Grad heiße Staubwolke, die mehrere Menschen tötete. Ein Vulkan ist niemals zahm, die Menschen hier wissen das.

          Das hat auch Roberto Rossellini fasziniert, der den Stromboli als Kulisse für Ingrid Bergman in Szene setzte und weltberühmt machte. Seitdem ist der Berg so etwas wie der nahbare Star unter Italiens Vulkanen. Seit den siebziger Jahren kommen Besucher in Scharen, um die knapp tausend Höhenmeter vom Strand, an dem die Boote anlegen, zum Krater hinaufzusteigen. Im Schlafsack am Rand des glühenden Schlundes übernachten, das war einmal. Seit Jahren schon darf niemand ohne autorisierten Führer auf den Berg; der Aufenthalt am Gipfel ist streng reglementiert und zeitlich begrenzt, Touren können jederzeit kurzfristig abgesagt werden. Lorenzo gibt den Leuten mit dem falschen Schuhwerk eine halbe Stunde, sich in einem wie aus der Schweiz hierhergebeamten Ausstattungsladen Wanderstiefel zu leihen und bei Bedarf auch Fleece- und Windjacke, Taschenlampe und Helm. Wir stehen schon schwitzend in einer Buschlandschaft, die einmal vom Weinbau geprägt war, als unser Bergführer uns das mit der Helmpflicht am Krater erklärt. Der Berg werde seismisch überwacht. Dennoch komme es vor, selten, aber man könne es nie ganz ausschließen, dass er unerwartet Gesteinsbrocken aus seinem Inneren schleudere. Dann gelte: Nicht weglaufen. Nicht die Hände schützend über den Kopf legen. Sondern mit dem Gesicht zum Berg dem ausweichen, was da angeflogen kommt. Und noch eines: „Wenn ihr eure Handyvideos macht, denkt immer daran: Das ist kein Film. Das ist echt.“ Dann geht es weiter.

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