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Grand Theft Auto V : Der will doch nur Urlaub machen

  • -Aktualisiert am

Anflug auf Los Santos, die virtuelle Stadt in „Grand Theft Auto V“. Wenn man es sich recht besieht, kann man hier gut seine Ferien verbringen. Bild: GTA V/Rockstar Games

Unser Autor verreiste nach Los Santos ins Videospiel „Grand Theft Auto V“ - ganz virtuell und fast gewaltfrei. Jetzt überlegt er sich, eine gelbe Corvette zu stibitzen.

          Wie das dann immer so ist in den Ferien - es regnet! Ich stehe auf der Palomino Avenue, unter Palmen, links von mir die gigantischen Hotel- und Business-Türme, rechts kleine, knallbunte Wohnanlagen, dahinter der Pazifik. Aber es gießt.

          Vor solchem Pech schützt nicht einmal die virtuelle Welt. Mein Urlaub hat mich dieses Jahr nicht an den echten Pazifik geführt - viel zu teuer. Ich stehe an einer Kreuzung, die es nicht gibt, bei einem Strand, den es nicht gibt. Eine digitale Frau im roten Bikini geht an mir vorbei, in gebückter Haltung, wohl wegen des Regens. Aber sie schlendert. Virtuelle Wesen sind offenbar ganz entspannt. Ich belausche ihr Gespräch am Handy: „Mama, ich vermisse meine alten Brüste. Ich kann zwar besser joggen. Aber die Männer starren mir jetzt in die Augen - da krieg ich Angst.“ Das ist Kalifornien.

          Kunst ist eine Täuschung

          Nass werde ich zumindest nicht, denn auch wenn das Spiel mir heute keine Sonne gegeben hat, es hat mir einen schneeweißen Chrysler Crossfire hingestellt - quasi der Mercedes SLK Nordamerikas. Jeder bekommt hier ein Auto. Wir befinden uns an einem der herrlichsten Orte der Welt, und er erinnert stark an Los Angeles, an die Gegend am Ende des Venice Boulevard, oder an Santa Monica, die Ocean Avenue. Doch ich bin in Los Santos, der virtuellen Stadt, in der das Videospiel „Grand Theft Auto V“ stattfindet. Es erschien vor einem Dreivierteljahr und ist das erfolgreichste Spiel, das es je gab, 33 Millionen haben es gekauft, auch 1,5 Millionen Deutsche. Ich wähle seine Variante „GTA Online“. Hier spielt man keine lineare Story, sondern bewegt sich ganz frei an der fiktiven Westküste. Natürlich ist GTA5, so facettenreich es sein mag, unter anderem ein Schießspiel. Dagegen ist nichts einzuwenden, und die Debatten, die es in Deutschland dazu manchmal gibt, wirken verlogen. Aber das alles sei uns heute egal, wir machen einfach nicht mit. „Kunst ist eine Täuschung“, sagt Marcel Duchamp und benutzt alles so, wie es nicht benutzt werden sollte. In diesem Geist sei das Experiment gewagt: Nicht mitmachen, bei dem, was das Spiel eigentlich vom Spieler erwartet. Sondern Urlaub im Videospiel.

          Fliegen ohne Pilotenschein: Im Computerspiel überlebt man das problemlos.
          Fliegen ohne Pilotenschein: Im Computerspiel überlebt man das problemlos. : Bild: GTA V/Rockstar Games

          Als ich meinen Charakter, früher nannte man das wohl Avatar, erstellt habe, musste ich angeben, wie ich selbst als Mensch so bin. Das Spiel formt danach meine Figur. Ich gehe mindestens sechs Stunden am Tag legaler Arbeit nach? Wirklich nur null Stunden illegaler? Schon sind bestimmte Bärte nicht mehr verfügbar. Ich bin 41, aber das maximale Alter für Spielfiguren ist 40. Ungerecht! Und weil der Computer wohl ahnt, dass ich bei den 40 lügen musste, höre ich als die ersten Worte im fremden Land: „Was läuft denn, du alter Zuhälter, du!“ Ich bin gerade gelandet, stehe am Flughafen, in der roten Abendsonne holt ein Freund mich ab. Und das Erste, was er mir überreicht, noch vor seiner Hand, ist eine Pistole. Eine erste Lehre für jede Reise könnte sein: Alles läuft schief, wenn man flüchtige Bekannte seinen Urlaub planen lässt. Der Bekannte hat alles Mögliche schon geplant, wir sollen bei einem Hao reinschauen und ein Rennen fahren. Und dann müsste ich noch ein paar Jobs erledigen für meine Kumpels. Ich setze mich so schnell wie möglich ab. Ich will doch nur spazieren gehen.

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