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Vietnam : Wer hört denn schon auf Onkel Ho!?

Sehr nass, aber auch sehr schön: Die alte Handelsstadt Hoi An ist eine sehr sehenswerte Welterbestätte. Auch wegen der flinken Schneider, die über Nacht fertigen. Bild: Andrea Diener

Vietnam schickt seine Nationalschätze für eine Ausstellung ein Jahr lang nach Deutschland. Eine gute Gelegenheit, den umgekehrten Weg anzutreten – in ein Land, in dem die Jahre der Bescheidenheit endgültig vorbei sind.

          Am viel zu frühen Morgen stehen wir gähnend und in Zweierreihen neben unzähligen Schulkindern, die ebenfalls in Zweierreihen stehen, darin aber deutlich geübter sind. Uniformierte weisen uns mit Gesten den Weg durch die Absperrungen, unter dem Dächlein durch, an den penibel gepflegten Rabatten mit sehr geometrischen Springbrunnen vorbei über den riesigen Platz bis zu dem schachtelförmigen Ungetüm aus dunklem Granit, das innen gänzlich mit Marmor ausgekleidet ist.

          Hier gucken die Uniformierten noch strenger und winken noch ein bisschen ungeduldiger, wir sollen gehen, go! go!, an der aufgebahrten Nelkenexplosion vorbei, treppauf, um die Ecke, noch eine Ecke, go! go!, dann liegt da in einem Aquarium Onkel Ho. Bleich und wächsern sieht er aus und eher wie eine Puppe als wie ein Mensch, der wirklich einmal gelebt haben soll. Das haben die russischen Experten vollbracht, die auch Lenin einbalsamiert haben, erzählt man uns später. Stehenbleiben dürfen wir nicht, die Uniformierten winken schon wieder, go! go!, und wir biegen um die Ecke, treppab und raus in die schwüle, feuchte Luft von Hanoi.

          Kein Tellerchen ist zu kitschig, kein Motiv zu süßlich

          Wer den vietnamesischen Kommunismus in den verschiedenen Stadien seiner Verwesung besichtigen möchte, dem sei ein Besuch in Hanoi und in Nin Binh empfohlen. Also in der Hauptstadt und in einem abgelegenen Provinzkaff, in das man eigentlich nicht geraten würde, wenn man nicht die nahegelegene, wirklich wunderschöne Trockene Halongbucht mit ihrem Flusslauf zwischen Karstfelsen besuchen will, was jedem dringend angeraten sei – neben der ungleich bekannteren Halongbucht, die am Meer liegt.

          Lächeln fürs Gruppenbild: Das Mausoleum von Ho Chi Minh ist Pflichttermin für jede Schulklasse.
          Lächeln fürs Gruppenbild: Das Mausoleum von Ho Chi Minh ist Pflichttermin für jede Schulklasse. : Bild: Andrea Diener

          Ich hatte jedenfalls nicht erwartet, meinen Vietnam-Besuch mit der Besichtigung einer Leiche zu beginnen. Aber es ist eben nicht irgendeine Leiche, das ist der Körper von Ho Chi Minh, dem bis heute verehrten Vorsitzenden der kommunistischen Partei, der Vietnam wiedervereinigte und in die Unabhängigkeit führte. Kein Tellerchen ist zu kitschig, kein Motiv zu süßlich, als dass nicht auch noch sein weißbärtiges Gesicht darauf Platz hätte. Fast so allgegenwärtig wie Mao in China ist er, hat sich aber einen weitaus besseren Ruf in der Bevölkerung bewahrt. Als er an die Macht kam, zog er eben nicht mit Pomp und Gloria im Regierungspalast ein, sondern ließ sich ein bescheidenes Holzhaus im Garten nebenan errichten, da gehen wir gleich als nächstes hin, da sind die Uniformierten, die seine Möbel und seine Fische bewachen, auch nicht ganz so streng. Bescheiden, aber geschmackvoll hat er gewohnt, um uns herum staunen die Schulkinder in Zweierreihen, und dann geht es ins Museum.

          Monumentale Statue vor porösem Wolkengewölke

          Wer sich bislang noch nicht über den Personenkult gewundert hat, der tut es spätestens hier im Ho-Chi-Minh-Museum. Gigantische Marmortreppen führen uns erst zu einem Wandelgang, in dem mit den museumspädagogischen Mitteln der späten siebziger Jahre Leben und Wirken des Vorsitzenden dargestellt werden, dann eine weitere gigantische Marmortreppe hoch, unter einer monumentalen Statue vor porösem Wolkengewölke hindurch, die uns freundlich zuwinkt, hinein in die Ausstellung, die uns mit den künstlerischen Mitteln der späten siebziger Jahre die Bedeutung dieses Mannes näherbringen will.

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