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Vier Schlösser in der Dordogne Geisterfrühstück mit der Weißen Frau

Ein Dasein als Schlossherr in der Dordogne ist beschwerlicher, als man denkt. Wer überleben will, muss sich etwas einfallen lassen - und vor allem dem gemeinen Volk Tür und Tor öffnen.

© Veronika Eckl Vergrößern Genauso sieht mein Traumschloss aus: Das zumindest sagte sich die Tänzerin Josephine Baker, die sich in das Château des Milandes verliebte und es sofort kaufte.

Xavier de Montbron ist gestresst. „Die nächste Führung beginnt erst in einer Stunde, Messieursdames“, ruft er mit beschwichtigendem Lachen dem englischen Ehepaar zu, das am Kiosk vor der Auffahrtsallee zum Schloss steht. Dann kramt er im Kühlschrank nach einer Fanta für die französische Touristin und entschuldigt sich bei der Dame, die die 7,50 Euro Eintritt partout mit der Kreditkarte zahlen will: „Madame, ich bin untröstlich, aber das geht nicht, die Summe ist zu klein, wir sind Privatleute, haben Sie kein Bargeld bei sich?“ Xavier de Montbron ist Besitzer des Château de Puymartin in der Dordogne, und ehrlich gesagt: Das Leben eines Schlossbesitzers hatten wir uns ein wenig anders vorgestellt.

Dabei ist Puymartin ein Schloss wie aus dem Bilderbuch. Es hat Türme und Zinnen, erstrahlt im hellen, warmen Ton des für die Gegend typischen, ockerfarbigen Steins. Es hat knarrende Treppen, düstere Verliese, gewaltige Himmelbetten, unzählige Ahnenbilder von streng dreinschauenden Damen und Herren, eine Kapelle und sogar ein Gespenst. „Ich liebe mein Schloss, aber es ist ein völliger Wahnsinn, ein solches Haus zu behalten und zu erhalten“, sagt de Montbron. Die einzige Möglichkeit, es dennoch zu tun: Man öffnet das Schloss für Touristen. Doch dann ist es vorbei mit der Ruhe.

Ein Aristokrat in Jeans und T-Shirt

Mehr als fünfhundert Schlösser gibt es in der Dordogne im Südwesten Frankreichs, dem Département mit der höchsten Schlösserdichte des ganzen Landes. Jede Gemeinde hat mindestens eines, was daran liegt, dass hier früher Grenzland war und sich Franzosen und Engländer emsig bekriegten. Was auf den Reisenden so märchenhaft wirkt, zeugt vom Überlebenskampf - bis heute: Wer ein Schloss hat, der muss sich etwas einfallen lassen, um über die Runden zu kommen.

22145994 © Veronika Eckl Vergrößern Eine Köchin statt eines Prinzen hat das Schloss Saint Geniès wachgeküsst: Heute beherbergt es ein Restaurant.

Xavier de Montbron, eine barocke Gestalt mit einem runden, freundlichen Gesicht, sitzt inzwischen unter einem Sonnenschirm vor seinem Schloss, die Touristen sind mit der Führerin, die er angestellt hat, in den Gemächern verschwunden. Er trocknet sich die Stirn mit einem Taschentuch: „Von April bis November haben wir sieben Tage die Woche geöffnet, das geht dann schon an die Substanz, wenn man sonst keine Angestellten hat“, sagt er. Einundfünfzig Jahre ist der Adelige alt, der in seiner Jeans, dem T-Shirt und den staubigen Schuhen so gar nichts Herrschaftliches an sich hat; einen Beruf hat er nie gelernt, das Schloss ist sein Leben. „Nicht ich besitze das Schloss, das Schloss besitzt mich“, seufzt er. Zusammen mit seiner Mutter wohnt de Montbron in fünf Zimmern des Anwesens, die für das tägliche Leben eingerichtet sind und über eine Heizung verfügen: „So ein Schloss ist ja für den Krieg gebaut worden, nicht für den Alltag“, erklärt er. Für seine Mutter sei das nicht immer einfach „Die vielen Treppen, und dann die zwei Gästezimmer, die wir an Touristen vermieten, wie servieren das Frühstück im Speisesaal, wissen Sie, das ist inzwischen alles ein bisschen anstrengend für Maman.“

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