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Urlaub mit Kindern : So nah und doch so großstadtfern

Bild: Gisela Goppel

Betten auf Schienen, Fenster mit Schraubverschlüssen, Steuerrad im Esszimmer: im Hausboot durch die Mecklenburgische Seenplatte.

          Die Reise fing mit großen Augen an, mit ordentlichem Respekt, und mit einer kleinen Enttäuschung, aber der Reihe nach: Natürlich hatten wir das Boot schon vorher gesehen, auf Bildern und sogar in einem kleinen Film, in dem das Charterunternehmen seinen Kunden ein paar herrliche Eindrücke lieferte, die sie dann gewissermaßen nur noch nacharbeiten mussten. Wir sahen Kinder, die auf dem Dach Karten spielten und in der Küche Pizza buken, und vor allem sahen wir das Boot, „ein Boot“, wie das Mädchen in dem Video sagte, „das aussieht wie ein echtes Schiff“, und das lag dann auch vor uns im Hafen, nur dass es, als wir es zum ersten Mal betraten, noch viel echter aussah, als wir es uns vorgestellt hatten: Der „Kormoran“ war über zwölf Meter lang und aus dickem Stahl, hatte zwei Steuerstände, dicke Fender und einen mächtigen Anker, vor allem aber war er komfortabler als erwartet, mit drei Bädern, einer warmen Außendusche, einem modernen Gasherd, zwei Kühlschränken und Kojen, die so gemütlich aussahen, dass die Erholung schon bei ihrem Anblick einsetzte. Die Kinder, die naturgemäß den viel besseren Blick für die wahren Wunder dieses Schiffes hatten, entdeckten noch ganz andere Sensationen: Betten auf Schienen, runde Fenster mit Schraubverschlüssen, ein Steuerrad im Esszimmer und Wasserhähne, die man herausziehen und als Dusche verwenden konnte.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dass man, wie es der Vermieter versprochen hatte, dieses Boot ohne Führerschein fahren können sollte, konnte nur ein Missverständnis sein. Doch nach einer dreistündigen Einweisung waren wir ganz zuversichtlich, dass wir es mit vereinten Kräften schaffen würden, das Boot von See zu See zu fahren, durch Schleusen und Kanäle, und auch wieder zurück. Wir lernten, welche Boje wo zu passieren war, mit welchen Hupzeichen wir auf uns aufmerksam machen sollten und wer auf dem Wasser Vorfahrt hatte (im Prinzip alle Boote außer solche wie unseres); wir lernten, wie wir den Koloss fast auf der Stelle wenden konnten, und schlossen sehr schnell Freundschaft mit dem Bugstrahlruder, dem Zusatzantrieb, der nautischen Idioten wie uns beim An- und Ablegen erlaubte, das Boot auch quer zur Fahrtrichtung zu manövrieren. Wir drehten eine Runde im Becken der Marina, testeten den Antrieb, das Ruder und die Toleranz der Vermieter, und wenn wir überhaupt etwas auszusetzen hatten, dann war es der Name unseres schönen Bootes: Es hieß „Christian“. Christian, das klang eher nach Zahnarzt als nach Ferien. Viel lieber wäre uns ein abenteuerlicherer Name gewesen, wenn schon nicht „Black Pearl“ oder „Santa Maria“, dann vielleicht „Kondor“ oder „Sturmmöwe“ oder wenigstens der einer der Ziele unserer Reise, die in unseren Ohren auf etwas spröde Art exotisch klangen: Zechlin, Priepert, Rheinsberg und allen voran natürlich Mirow.

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