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Urlaub im Zwitterbus : Nicht ohne meine Ohrstöpsel

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Die Mobilität ist hoch, der Komfort ist es nicht: Eine rollende Menschensardinenbüchse von Rotel Bild: Martina Lenzen-Schulte

Kult oder Quälerei? Ein Urlaub mit den roten Zwitterbussen von Rotel, die gleichermaßen Transportmittel und Schlafquartier sind, ist nichts für empfindsame Seelen. Eine Selbsterfahrung in Mexiko.

          Da schau her, Schnur hast du schon mitgebracht“, lautet der Kommentar eines alten Hasen am ersten Abend meiner ersten Rotel-Reise. Es klingt einerseits bewundernd, andererseits ein wenig enttäuscht, denn offenbar gehört es zum Initiationsritus, den Frischlingen vorzuführen, an wie viel Zubehör es ihnen mangelt. Mit den Schnüren in der Hand gebe ich mich also gleich als jemand zu erkennen, der sich bei einem Kenner kundig gemacht hat. Das beste Briefing verdankte ich einer Freundin, die schon oft in den überlangen, roten Bussen mit den vielen kleinen Heckfenstern unterwegs gewesen ist. Die Damen vom Buchungs- und Serviceteam im bayerischen Tittling, dem Stammsitz der Rotel-Touren, gaben sich am Telefon nämlich stets zugeknöpft, wenn man im Vorfeld allzu detailliert nachfragte. Sie verweisen am liebsten auf die Homepage des Unternehmens. Die lässt jedoch etliche praktische Fragen offen, deswegen ist ein Gespräch mit einem Rotelianer seines Vertrauens vor Antritt der Reise ungemein hilfreich.

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          Am Morgen waren wir in aller Herrgottsfrühe in Mexiko-Stadt gelandet, am Vormittag standen für die übermüdete Truppe der dreiundzwanzig Teilnehmer gleich Besichtigungen auf dem Programm, erst am späteren Nachmittag kamen wir endlich am weit außerhalb der Metropole gelegenen Campingplatz in Tepotzotlán an. Es war die erste Station einer Vierzehn-Tage-Tour, mehr als zweitausend Kilometer quer durch Mexiko bis nach Cancún lagen vor uns.

          „Sag, du hättest Hexenschuss“

          Bevor indes die Schnüre zum Einsatz kamen, galt es, die Zuteilung der Kabinen abzuwarten. Während die festen Sitzplätze im Reisebus vorne immer der Reihe nach vergeben werden und vorher feststehen – wer zuerst bucht, hat freie Wahl –, verteilte unser Reiseleiter die Schlafkabinen im hinteren Teil erst an Ort und Stelle. Wobei das Wort Kabine eigentlich ein Euphemismus für die zwei Meter langen, achtzig Zentimeter breiten und ebenso hohen Behältnisse ist. Drei solche Kojen liegen übereinander, acht Reihen gibt es nebeneinander, das ist auch schon der ganze Schlafteil des Hotelbusses für vierundzwanzig Gäste. „Sag dem Reiseleiter, du hättest Hexenschuss, Knieprobleme oder so was“, lautete ein Hinweis der besorgten Freundin. Nicht nur mitreisende Ärzte wissen ähnliche Ausreden zu erfinden, um nur ja keine der unteren Kabinen zu erwischen. Wem das blüht, der muss die Reise über Staub fressen.

          Der unlängst verstorbene Unternehmensgründer Georg Höltl hatte sich die Idee zu dem originellen Hotelbus nach dem Zweiten Weltkrieg patentieren lassen.
          Der unlängst verstorbene Unternehmensgründer Georg Höltl hatte sich die Idee zu dem originellen Hotelbus nach dem Zweiten Weltkrieg patentieren lassen. : Bild: Martina Lenzen-Schulte

          Das ist unvermeidbar und liegt in der Natur dieses Vehikels, eines Zwitters aus Reisebus und Schlafmobil. Der unlängst verstorbene Unternehmensgründer Georg Höltl hatte sich die Idee zu dem originellen Hotelbus nach dem Zweiten Weltkrieg patentieren lassen. Man schläft letztlich in einer Kiste, den Boden füllt eine Matratze aus, am Fußende ist die Ein- und Ausstiegsluke, am Kopfteil ein Miniaturfenster. Während der Fahrten tagsüber werden die Einstiegsöffnungen mit Klappen am Bus von oben und unten verschlossen. Für das Schließen der Fenster ist jeder Gast selbst verantwortlich, und die Gardine sei unbedingt zuzuziehen, mahnt die Freundin mehrfach und eindringlich. Den Grund kennt niemand, meine persönliche Hypothese lautet: Kein Außenstehender soll sich einen realistischen Eindruck vom Platzangebot drinnen verschaffen dürfen.

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