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Salzburgs altes Hotel : Flüchtlinge und Präsidenten im gleichen Bett

Das Hotel Kobenzl ist ein wunderbarer Ort zwischen Himmel und Erde. Oberhalb von Salzburg gelegen, war es einst der Treffpunkt von Kunst und Politik. Dieser Tage diente es einige Monate als Auffanglager für Flüchtlinge, nun schläft es wieder.

          Richard Nixon war da. Mit Frau Patricia. Das war 1972. Eingeladen hatte sie Bruno Kreisky, damals österreichischer Bundeskanzler. Und so standen sie zu dritt beieinander auf der Terrasse des Hotels Kobenzl, im Hintergrund die Hügel von Salzburg und um sie herum ein Trupp junger Damen in Dirndl und junger Herren in schwarzen Anzügen und mit Koteletten, die bis an den Unterkiefer reichen, jeder mit einem Tablett voller Canapés oder Getränke. So ähnlich sah Roy Black aus, als er für die Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“ den Hoteldirektor mimte. Und blättert man durch die Chronik des Hotels, ist die Welt des Schlagers gar nicht so weit entfernt. Nicht nur, weil auch David Hasselhoff hier übernachtet hat, 1988. „Danke, gracias, merci and thank you“, schrieb er für Familie Herzog, die Besitzer, auf eine Autogrammkarte.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Das Hotel Kobenzl ist nie ein Schmuckstück gewesen, die Lage hoch über der Stadt und das familiäre Flair jedoch galten der Prominenz als überzeugende Gründe, im Kobenzl einzuchecken oder, wie man dort vermutlich sagte: für ein paar Tage Gast zu sein – vielleicht sogar Freund. Hundert Jahre lang war es ein einfacher Berggasthof gewesen, doch als Wernher von Braun dort 1969 werbewirksam eine Modellrakete in den Himmel schoss, begann das Geschäft zu florieren.

          Alle Zimmerschlüssel hingen ordentlich

          Nun wurde angebaut, ausgebaut, umgebaut. Oft mit einem Hang zum Edelkitsch, aber stets von eigenem Reiz. Das Haus wurde immer berühmter, fast schon Kult. Kunst und Politik gaben sich hier ihr Stelldichein. Irgendwann aber blieben die Gäste aus. Und als sich der Fotograf Matthias Hoch dort 2014 umsah, war das Haus schon acht Jahre geschlossen. Aber das merkte man nicht: Die Terrasse war gekehrt, die Flure waren gestaubsaugt, die Betten frisch bezogen – alle Zimmerschlüssel hingen ordentlich sortiert an einer Tafel hinter der Rezeption. Ein Hausmeister hatte die ganze Zeit über für Ordnung gesorgt. Matthias Hoch quartierte sich bei ihm ein.

          Es sind wunderbare Bilder, stille Beobachtungen und Details einer seltsamen Verlorenheit im barocken Ambiente, die er dem Hotel entlockt hat. Wie eine Märchenkulisse wirkt es mit seinen schmiedeeisernen Geländern, den goldenen Wasserhähnen, seinen ausgelagerten Kristalllüstern. Wie ein verwunschener Ort.

          Dann brach mit aller Wucht die Wirklichkeit der Zeitgeschichte ein: Die österreichische Regierung mietete das Haus 2015, um Asylanten unterzubringen. Das Luxushotel wurde zum Erstaufnahmelager. Das antikisierte Mobiliar wich Stockbetten, auf dem Büfett waren belegte Brötchen gestapelt, über dem grünen Teppichboden ein Gebetsteppich ausgerollt. Matthias Hoch fotografierte weiter. Wiederum nur die Dinge als Stellvertreter für eine Geschichte: die Pappschachteln mit Altkleiderspenden, den Zettel „Praying Room!“ an einer Tür. Dann wurde die Balkan-Route geschlossen, die Flüchtlinge wurden verteilt. Das Haus ist wieder leer – und wartet vielleicht schon auf den nächsten Fotografen, den Windhauch der Geschichte einzufangen, der nicht aufhört, durch diese Gemäuer zu ziehen.

          Das Buch

          „Hotel Kobenzl“ von Matthias Hoch. Mit einem Text von Andreas Maier. Fotohof Edition Salzburg 2016, 160 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, 33 Euro.

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