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Trendsportarten im Test : Von Holzwegen, Luftnummern und Wasserläufern

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Beim Baumklettern darf man sich wie ein Eichhörnchen fühlen - nur leider nicht ganz so schwindelfrei. Bild: Franziska Horn

Wer keine Berge hat, klettert auf Bäume oder stakst mit Brett und Ruder über das Meer. Von beidem gibt es genug in der Bretagne: Zwei Trendsportarten im Selbstversuch.

          Na ja, so richtig sinnvoll ist das jetzt nicht, oder? Einfach so den Baum raufhangeln, ohne Eier aus Nestern zu stehlen oder Katzen zu retten? Baumklettern als Selbstzweck, als Sport? Fünf Kletterstationen hat Instruktorin Emmanuelle Bertrand, kurz Manu, schon an den Ästen eines hohen Ahorns eingerichtet, als die Gruppe im Schlosspark des Château des Salles eintrifft. Die Schlossparkmauern umgrenzen ein weites Areal, darauf Bäume, wohin man schaut. Bis zu vierzig Meter hohe und teils seltene Exemplare schmiegen hier die Kronen aneinander. Eiben, Kastanien, Eukalypten, ein kalifornischer Sequoia mit überraschend weicher Rinde - und ein ganz besonderes Schmuckstück, eine Araukarie oder Andentanne, von den Franzosen bildhaft „désespoir des singes“ genannt: Verzweiflung der Affen. „Weil die spitzen, harten Nadeln den Affen das Klettern schwermachen“, erklärt Manu. Ob wir uns heute leichter tun werden als unsere tierischen Verwandten?

          „Manche der Bäume sind bis zu dreihundert Jahre alt. Früher galt es bei Adeligen als Statussymbol, ausgefallene Pflanzen zu ziehen“, berichtet Manu. Manche der Stämme zählten bereits zur Zeit der Französischen Revolution viele Jahresring. Die knorrigen Veteranen haben Geschichte vorbeiziehen sehen, Stürme überstanden, viel erlebt. Schon ändert sich unser Blick auf die Pflanzen. Das war Manus Ziel, die Natur kennen- und schätzen zu lernen, Bäume nicht nur als Turngerät zu betrachten. Dürfen wir jetzt ran an den Baum? Fast.

          Respekt - sonst Rache vom Kobold

          „Baumklettern gibt es weltweit und hat sich aus dem Industrieklettern entwickelt“, erzählt Manu. Im Jahr 2004 hat die Einunddreißigjährige den Sportevent-Veranstalter „L’arbre à Lutik“ mitgegründet und schickt seitdem Erlebnishungrige auf Bäume oder in Felswände. „Ein Lutik ist ein Kobold, der gemein zu allen ist, die die Natur nicht respektieren.“ Sie selbst ist Profikletterin, hat diverse Ausbildungen absolviert, und entsprechend ernst nimmt sie das Thema Sicherheit. Erst wenn alle Teilnehmer mit Hüftgurt und Karabiner gerüstet sind, kann es losgehen. Fast.

          „Erst müsst ihr euren Baum begrüßen, mal anfassen, anschauen - und ihn vorwarnen“, erklärt sie. Na klar, machen wir gern. Ist wohl der einfachste Teil der Übung. Jetzt ist Manu zufrieden und erklärt die Technik. „Bei dieser Methode, Prusiken genannt, hängt ihr euch mit dem Karabiner in die obere der beiden Seilschlingen ein, dann steigt ihr mit beiden Füßen in die untere Schlinge.“

          In der Welt der Waldvögel

          Plötzlich beäugen sechs Frauen ziemlich misstrauisch die Seile, die da aus zwanzig Metern Höhe lose herabbaumeln. Da hinauf, an frei hängenden Stricken, wie soll das gehen? „Ganz einfach. Wir verlagern das Gewicht und schieben die jeweils entlastete Schlinge nach oben.“ Manu macht es vor. Wie eine Raupe schiebt sie sich Stück für Stück an den Prusikschlingen hoch. Die simple Technik nutzen beispielsweise Alpinisten zur Selbstrettung, um aus einer Gletscherspalte aufzusteigen. Nach ein paar geübten Klimmzügen schwebt Manu vier Meter über dem Boden. „Wie kommen wir da überhaupt wieder runter?“, fragt eine von uns. Will man doch wissen, bevor man sich dem freien Luftraum anvertraut. Manu legt eine Hand auf den oberen Knoten, fixiert mit der anderen das Seil darunter, schiebt nach, rutscht abwärts. Flugs steht sie wieder auf beiden Füßen. Na dann. Die Erste fasst sich ein Herz, dann das Seil. Klickt sich in die obere Schlinge ein, setzt sich in den Gurt, steigt in die untere Schlinge, zieht diese hoch. Steigt in die untere Schlinge, schiebt die obere höher. Als etwas mühsam erweisen sich die ersten Meter. Doch dann läuft es wie von selbst. Mit der Höhe steigt das Glücksgefühl. Fünf Meter über dem Grund mischt sich ein mulmiges Ziehen aus der Magengegend dazu. Jetzt nicht nachdenken, weiter steigen. Schieben. Setzen. Ziehen. Wieder steigen. Acht Meter über dem Rasen, dann zwölf. Luft holen. Berauschend, sich aus eigener Kraft so hoch zu stemmen. Rundherum Grün, ein schwacher Windhauch bewegt die Blätter. So sieht sie also aus, die Welt der Eichhörnchen und Waldvögel. Die Köpfe unten sind ganz klein.

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