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Transsibirische Eisenbahn : Nichts passiert, und trotzdem verpasst man nichts

Swetlana, Kasachin koreanischer Abstammung, ehemalige Boutique-Besitzerin und nun rubelbedingt Schaffnerin im Wagen dritter Klasse. Trotzdem immer wie aus dem Ei gepellt! Bild: Andrea Diener

Ab Moskau kann ja jeder! Wir rollen das Feld von hinten auf, denn zwischen Wladiwostok und Irkutsk ist die Transsibirische Eisenbahn am interessantesten.

          Kilometer 9288: Wladiwostock

          Der längste Inlandsflug, den man auf der Welt unternehmen kann, führt von Moskau nach Wladiwostock. Dort, am Goldenen Horn, das tatsächlich auch ein wenig aussieht wie die gleichnamige Wasserzunge, um die herum Istanbul gebaut ist, liegt die Stadt auf der Murawjow-Amurski-Halbinsel. Sie ist eingeklemmt auf einer Landzunge gleich neben China und ganz knapp über Nordkorea. Gut sechshundert Kilometer über dem Meer liegt Japan. Das ist nichts verglichen mit den 9288 Eisenbahnkilometern nach Moskau. Wir befinden uns hier nicht mehr in Sibirien, das lerne ich als Erstes, wir befinden uns offiziell im Fernen Osten. Statt uralter Ladas beherrschen hier uralte Toyotas die Straßen; sie kamen mit der Fähre übers japanische Meer.

          Die klassische Strecke europäischer Reisender, die mit der Eisenbahn durch Russland fahren, ist ja eigentlich die Verbindung Moskau – Nowosibirsk. Oder maximal Moskau – Irkutsk. Wir hingegen gehen das anders an: „Na, das wird sicher abenteuerlich“, sagt die Dame am Check-In von Aeroflot, als sie mir mein Ticket nach Wladiwostock über den Tresen schiebt. Und wenn sie das sagt, dann glaube ich das. Die Landschaft sei auch viel schöner, höre ich allenthalben, denn hinter Moskau sei alles flach. Die grünen bewaldeten Hügel, die den fernöstlichen Zipfel Russlands bestimmen, sind tatsächlich recht hübsch anzusehen. Ein bisschen wie hessische Mittelgebirge, nur sehr viel leerer.

          Unterwegs mit der Transsib : Schmalzgebäck gibts bei der nächsten Babuschka

          Kilometer 8523: Chabarowsk

          Zugegeben, wir haben geschummelt. Wir sind nicht in Wladiwostock in den Zug gestiegen, obwohl der Zuckerbäckerbahnhof wirklich sehr hübsch ist. Wir haben uns nur gegenseitig vor der Stele fotografiert, die den Anfang der Transsibirischen Eisenbahn markiert, so wie die Touristengrüppchen, die uns umwimmeln. Wir sind dann aus logistischen Gründen die vierhundert Kilometer Luftlinie nach Chabarowsk geflogen und haben dort einen früheren Zug genommen, um den Anschluss in Ulan-Ude zu erwischen.

          Das gibt uns immerhin die Möglichkeit, die größte Stadt des Fernen Ostens zu erkunden. Deshalb sitzen wir nun in einem Bus ohne Stoßdämpfer und lassen uns über schütteren Asphalt rumpeln, bis die Bandscheiben knirschen, während unsere Gästeführerin ohne Unterlass von „unseren Amurvölkerschaften“ berichtet, den einheimischen Minderheiten, die wir dann aber alle nicht zu Gesicht bekommen.

          In eindrucksvoll verstaubten Naturkundemuseen trifft man auf interessante Fauna, wie etwa das Moschusreh.
          In eindrucksvoll verstaubten Naturkundemuseen trifft man auf interessante Fauna, wie etwa das Moschusreh. : Bild: Andrea Diener

          Stattdessen fahren wir ins Naturschutzgebiet. In den Wäldern leben jetzt immer mehr Sibirische Tiger, weil sich Präsident Putin sehr für ihre Erhaltung einsetzt. Präsident Putin mag große, wilde Tiere. Man kann sich nicht recht vorstellen, dass er sich auch derart liebevoll für das Moschusreh einsetzen würde, eine windschiefe Angelegenheit mit zu kurzen Vorderbeinen, Stummelgeweih und zwei vorstehenden Vampirzähnchen, das ebenfalls in den Wäldern lebt und vermutlich ab und zu einem Tiger zum Opfer fällt. Bären gibt es auch. Dann gehen wir nach draußen.

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